Vertrag mit Syrer für Ökostrom und Stadtwerke-Kündigung

Zweifelhafte Geschäfte mit überforderten Flüchtlingen

Achim - Von Manfred Brodt. Der liberalisierte Markt für Strom, Gas, Handys und Telekommunikation ist hart umkämpft. Oft wird da auch mit harten Bandagen gekämpft, werden Menschen Verträge aufgequatscht, die sie nicht durchschauen. Zum Beispiel Flüchtlingen in Achim.

Ein Vertreter hat zum Beispiel mit einem Flüchtling in Achim, der nur Arabisch und nach einem Jahr in Achim ein wenig Deutsch spricht, einen Vertrag abgeschlossen beim Ökostrom-Anbieter, der auch mit dem reichlich gedeckten Frühstückstisch einer glücklichen Familie für Lekker-Strom wirbt und dabei bewusst der deutschen Rechtschreibung ein Schnippchen schlägt.

Der Syrer hatte mit dem unterschriebenen Wechsel zu Lekker zugleich seine Kündigung bei den Stadtwerken Achim vollzogen. Dabei hatte der aus dem Bürgerkriegsland geflohene Mann geglaubt, er rede mit einem Vertreter der Stadtwerke, denn er hatte gefragt, ob er und sein zweiter Kollege von der Firma am Achimer Bahnhof kämen, womit er den dort ansässigen Achimer Energieversorger meinte. Ein Lekker-Vertreter habe dies bejaht.

Damit nicht genug. Der Mann, der für Lekker unterwegs ist, setzte auch noch einen Vertragsentwurf für einen Vodafone-Internet-Anschluss auf mit den relevanten Daten und seiner Unterschrift. Allerdings unterschrieb hier der Mann aus Syrien nicht, da er sich erst noch mit einem Freund abstimmen wollte. Wie er später erfuhr, hätte er hier in Achim-Nord gar nicht dieses Internet-Angebot bekommen können.

Gut, dass der Achimer Joachim Schweers sich um den Syrer kümmert und ihm half, den Vertrag bei Lekker mit der Schilderung der Umstände zu widerrufen.

Der Ökostromanbieter akzeptierte prompt den Widerruf, was er wohl auch gesetzlich muss, fragte der Form halber noch nach den Gründen, ohne auf die doch geschilderten auch nur mit einem Wort einzugehen.

Dabei lässt sich Lekker auf den Vertragsformularen explizit unterschreiben, dass der Vertreter sich als Vertreter dieses und keines anderen Unternehmens auch mit Ausweis legitimiert habe, dass er nicht im Auftrag oder in Zusammenarbeit mit den örtlichen Stadtwerken vorgehe und dass der Vertragsabschluss die Kündigung des alten Stromanbieters beinhalte.

Wenn der Kunde nur Arabisch versteht 

Doch was hilft‘s, wenn der Kunde perfekt nur Arabisch versteht? Der von uns angesprochene Mann für Lekker und Vodafone verneinte zunächst, überhaupt mit Flüchtlingen Geschäfte zu machen. Als wir ihm den Fall mit seinem unterschriebenen Vertragsabschluss in der Magdeburger Straße näher schilderten, konnte er sich an den Kunden erinnern.

Er habe nicht gewusst, dass der Mann der Arabisch, aber kaum Deutsch spricht, ein Flüchtling sei. Er habe sich nur als Lekker-Vertreter, nie als Stadtwerke-Mann ausgegeben. An die Frage nach dem Firmensitz am Bahnhof könne er sich nicht erinnern, habe sie auch nicht bejaht. Er kenne ja Achim kaum.

Der Vertreter bleibt trotz meiner Hartnäckigkeit freundlich und fragt mich mehrfach, was er für mich tun könne. Als ich wiederhole, dass ich vom Achimer Kreisblatt und Journalist bin, einen Artikel darüber schreiben will, ist das Gespräch schlagartig beendet und kommt trotz meiner mehrfachen Versuche auch nicht mehr zustande. Wahrscheinlich war es weder ein Stromausfall noch eine Schwäche des Telefon- und Internetanbieters.

Rubriklistenbild: © dpa

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