In Achimer Tischlerei Feuer gelegt: Einer der zwei Brandstifter erkämpft Bewährung

Zwei Jahre auf Teneriffa halfen ihm, die Kurve zu bekommen

Achim - Nur drei Tage brauchte die Polizei, um nach dem Brand am 1. Juni 2015 auf dem Gelände einer Tischlerei in Achim die Täter zu schnappen. Die beiden damals 19 und 22 Jahre jungen Männer aus der Gemeinde Langwedel mussten sich im Oktober in erster Instanz vor dem Jugendschöffengericht verantworten und wurden zu empfindlichen Strafen verurteilt. Der Ältere legte Rechtsmittel gegen das Urteil ein.

Gestern lief die Berufungsverhandlung am Landgericht Verden. Der Jüngere hatte sein Urteil angenommen, das weitere Taten beinhaltete und auf dreieinhalb Jahre lautete. Der Ältere akzeptierte seine Verurteilung zu 22 Monaten ohne Bewährung nicht. Die beiden Freunde waren am Amtsgericht Verden der Brandstiftung und Diebstahls, beides gemeinschaftlich, schuldig gesprochen worden. Sie hatten den bei der Tat verwendeten Benzinkanister zuvor in Etelsen gestohlen.

Bei dem Feuer in Achim waren nach Polizeiangaben 79 Gitterboxen mit Holz in Flammen aufgegangen. Der zunächst auf 16 000 Euro geschätzte Schaden belief sich laut dem Urteil aus erster Instanz letztlich auf 45.000 Euro. Am Amtsgericht gab es gegenseitige Schuldzuweisungen der beiden Täter. Gestern nun zeigte sich der Angeklagte nach den gewohnt deutlichen Worten des Vorsitzenden Richters der 3. Großen Jugendstrafkammer, Joachim Grebe, schnell einsichtig. Er beschränkte die Berufung auf den Rechtsfolgenausspruch, was einem Geständnis gleichkommt. Zeugen brauchten somit nicht mehr gehört zu werden.

Es ging nur noch um die Strafhöhe und die Frage, ob die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Dafür brauchte es jedoch eine positive Sozialprognose. Der Angeklagte schilderte seinen bisherigen Lebensweg, und der ähnelte dem vieler junger Straftäter: Schulverweise, falsche Freunde, dann die ersten Vorstrafen. Auf Anraten eines Familienhelfers habe er nach mehreren Schulwechseln ein Auslandsangebot wahrgenommen. berichtete der 23-Jährige.

Zwei Jahre sei er auf Teneriffa gewesen, habe bei einer Familie in einer Villa gelebt und Privatunterricht bekommen. Mittels eines Fernstudiums holte er seinen Hauptschulabschluss nach. „Ich bin kein Freund dieser Luxus-Expeditionen“, bekannte der Richter. „Aber das ist doch prima gelaufen. Darauf können Sie stolz sein, Auf das andere nicht“, fügte Grebe an , bezogen auf die bereits 13 Eintragungen im Strafregisterauszug des Angeklagten.

Bis Freitag voriger Woche sei er noch bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt gewesen berichtete der. Dank eines „Lebenshelfers“, den ihm der Landkreis vermittelt habe, laufe es weiter gut. „Die Teneriffa-Connection“, schmunzelte Grebe, erkannte aber die positive Entwicklung an.

Übereinstimmend mit dem Antrag der Staatsanwaltschaft wurde die 22-monatige Freiheitsstrafe am Ende zur Bewährung ausgesetzt. Es ist die erste Bewährungsstrafe für den jungen Mann, und der Vorsitzende ermahnte ihn, diesen Vertrauensvorschuss nicht zu verspielen. „Sie haben heute gerade noch die Kurve gekriegt“, fasste Grebe zusammen und empfahl dem ehemaligen Mitglied der Feuerwehr, künftig die Finger vom Feuer und falschen Freunden zu lassen. Mit der Strafe wurden dem 23-jährigen 150 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegt, die er binnen sechs Monaten abzuleisten hat. - wb

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