Wegen Vergewaltigung verurteilt

Ex-Freundin am Hals gewürgt, um Sex zu bekommen: Zwei Jahre auf Bewährung

Achim/Ottersberg - Ja, es sei Gewalt im Spiel gewesen, aber nichts Extremes, räumte der 24-jährige Angeklagte schließlich ein. Jemandem am Hals zu würgen und auf die Kehle zu drücken –  mehr Todesangst könne man doch gar nicht erzeugen, hielt ihm die Staatsanwältin entgegen.

Auch das Achimer Schöffengericht sah am Ende den Tatbestand „Vergewaltigung“ als erwiesen an und verurteilte den jungen Mann aus dem Sudan zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Der Täter und sein noch jüngeres Opfer aus Ottersberg hatten eine Liebesbeziehung. Für beide war es die erste intensivere im Leben, und sie hatte Höhen und Tiefen, wusste die Verteidigerin des 24-Jährigen. „Meine Mandantin hat ihm ihr Vertrauen geschenkt und wurde schwer enttäuscht“, betonte dagegen die Nebenklage-Vertreterin. Die Ottersbergerin habe lange Therapien gebraucht, um den Vorfall in der Nacht zum 18. September 2016 zu verarbeiten.

Ottersbergerin zeigte Ablehnung, Mann griff den Hals

Den jetzt Angeklagten hatte sie damals in einer Flüchtlingsunterkunft in dessen Zimmer besucht. Nach „netter Unterhaltung“ auf dem Sofa hatte er nach eigener, vor Gericht von einem Dolmetscher übersetzten Aussage zu erkennen gegeben, dass er wieder Sex möchte. 

Sie zeigte sich ablehnend und wollte nach Hause. Er fragte zornig, ob sie vielleicht einen neuen Freund habe, griff ihr an den Hals und zog sie aufs Bett. Als sie sich nahe waren, habe er geglaubt, dass „sie langsam auch Lust bekommt“.

„Ich wollte ihr keine Gewalt antun und war immer noch in sie verliebt“, beteuerte der 24-Jährige. Deshalb habe er sogar das Angebot eines Onkels abgelehnt, ihn mit einer Cousine zu verheiraten.

Angst habe die Ottersbergerin schon gezeigt, als er ihr an den Hals griff. Heftig gewehrt habe sie sich nicht. Blaue Flecken oder Kratzer wurden bei einer Untersuchung auch nicht gefunden.

Unkenntnis der deutschen Kultur

Auf direkte Frage von Richter Andreas Minge „War denn Zwang dabei?“, bejahte der Angeklagte indirekt. Er bedauerte das und entschuldigte sich dafür. „Ich kannte die deutsche Kultur fast gar nicht, Liebe war für mich neu, und ich wusste nicht damit umzugehen“, erklärte er. Inzwischen habe er gelernt, Wünsche von Frauen mehr zu achten, mit Trennungen umzugehen und Scheidenden sogar ein schönes weiteres Leben zu wünschen.

Das Strafmaß lag an der unteren Grenze für Vergewaltigungen. Positiv gewertet wurden das Geständnis des Angeklagten, seine Reue und die Tatsache, dass er nicht vorbestraft ist. Der Haftbefehl gegen den in Hand- und Fußfesseln aus Untersuchungshaft Vorgeführten mit wechselndem Wohnsitz wurde aufgehoben.

Er muss nun laut Urteil auch 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und bekam nicht zuletzt ein Kontaktverbot zur einstigen Freundin auferlegt. Zu ihr, ihrer Wohnung und Arbeitsstelle muss er stets mindestens 100 Meter Abstand halten.

Nach seinen ausführlichen Aussagen verzichtete das Gericht darauf, die Ottersbergerin als Zeugin anzuhören und ersparte ihr so, schmerzliche Ereignisse quasi erneut zu durchleben. Der Verurteilte versprach feierlich – „so Allah will“– nie wieder etwas wie damals zu tun.

la

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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