Kurzbesuch in der Zelle 

Zukunftstag beim Achimer Kreisblatt: Schüler werden auf Polizeiwache zu Reportern 

Rund 25 Schüler nahmen am Zukunftstag der Polizei Achim teil. Dabei erhielten sie auch Einblicke in die mit der Polizei kooperierenden Institutionen DRK und Feuerwehr.

Achim - „Rumms“ – so ungefähr klang das Geräusch, mit dem die Tür des Mannschaftswagens zuschnellte. Im Inneren des Wagens, den Kontaktbeamtin Katja Brammer fuhr, saßen gestern Vormittag drei Schülerinnen, die zwölfjährige Katharina Scharova aus Bremen sowie Lucy Leyens und Sarah Jäger aus Achim (beide 16). Die Fahrt im Polizeiauto markierte aber keinesfalls den Beginn einer kriminellen Karriere. Vielmehr nahmen die Drei am Zukunftstag teil und wollten sich gemeinsam mit Redakteurin Lisa Duncan als Reporterinnen des Achimer Kreisblatts versuchen. Ihr Ziel: die Achimer Polizeiwache.

Rund 70 Beamte arbeiten für das Kommissariat Achim, dazu gehören auch Oyten, Ottersberg und Thedinghausen. Insgesamt sahen sich dort gestern 25 bis 30 Schülerinnen und Schüler verschiedene Bereiche an. Mit Katja Brammer, die den Zukunftstag bei der Polizei leitete, schauten sie sich außerdem beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) und nun auch erstmals bei der Feuerwehr Achim um. Hintergrund: Wird die Polizei alarmiert, sind beide Organisationen meist automatisch mit im Boot. Peter Ditzfeld, der als Ansprechpartner bei den Brandschützern fungierte, ließ die Schüler unter anderem die Drehleiter hochfahren. Priscilla Bessert vom DRK zeigte, was zu tun ist, wenn eine verletzte Person auf der Straße liegt.

„Bei der Polizei ist der Berufsalltag sehr abwechslungsreich, es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren“, schildert Katja Brammer. Auch am Zukunftstag musste schon frühmorgens improvisiert werden: Um laufende Ermittlungen nicht zu stören, stellte Brammer in dieser Zeit mit einer Schülergruppe einen Unfall nach und erklärte Erste-Hilfe-Maßnahmen.

„Die Wachabteilung ist das Herzstück der Polizeistation, sie ist rund um die Uhr besetzt“, sagt Josef Soika, der sonst im Oyten stationiert ist und Brammer gestern helfend zur Seite stand. Die Notrufe gehen über Oldenburg ein, laut Soika bundesweit die größte Einsatzleitstelle der Polizei.

Beim Zukunftstag des Achimer Kreisblatts besuchten die Schülerinnen Katharina (12), Sarah (16 Jahre) und Lucy (16) das Achimer Polizeikommissariat – und machten eifrig Notizen. - Foto: Duncan

Darüber hinaus führte er durch den Zellenbereich mit insgesamt vier Zellen. Gitterstäbe sucht man hier vergebens. Stattdessen findet man einen kargen gekachelten Raum, der nur mit einer Matratze bestückt ist. Falls benötigt, erhalten die Insassen auch eine Decke. „Wer brav ist, bekommt auch eine zweite als Kopfkissen“, erklärt Soika augenzwinkernd. Die Assoziation zu Kindern ist hier nicht ganz zufällig: Die Zellen dienen hauptsächlich dazu, renitente Volltrunkene unterzubringen. Dabei müssen die Beamten nicht selten mit Gegenwehr rechnen. Auch Straftäter, die in Achim vor Gericht angeklagt sind, verbringen eine kurze Zeit – maximal bis zum darauffolgenden Tag – in einer der Zellen. Vorab untersuchen die Polizeibeamten sie gründlich auf Waffen und spitze Gegenstände. Dafür müssen die Häftlinge komplett „blank“ ziehen. „Eine Maßnahme, die nicht angenehm für die Beteiligten, aber aus Sicherheitsgründen notwendig ist“, so Soika.

Bei der Kriminaltechnik zeigte Polizeikommissarin Margitta Rusch den Besuchern Ablauf und Ausstattung der Spurensicherung. Dort wird mit Fingerabdrücken oder DNA-Spuren hantiert, um Straftäter zu identifizieren. „Jeder Abdruck ist individuell, kann aber anhand von nur zwölf Merkmalen eindeutig bestimmt werden“, erklärt Rusch. Auch die Schüler durften ihre Fingerabdrücke auf einer speziellen Karte hinterlassen. Mittlerweile werden diese allerdings nicht mehr mit Glasplatte und Farbe, sondern mithilfe eines Scanners entnommen.

Fast 25 Schüler verbrachten den Zukunftstag im Achimer Rathaus, wo sie von der Gleichstellungsbeauftragten Angelika Saupe (links), Gesa Kaemena (Kinder und Jugend) und Bürgermeister Rainer Ditzfeld (rechts) begrüßt wurden. - Foto: Hemmen

Parallel hatten sich bei der Stadt Achim rund 50 Schüler angemeldet, um in der Verwaltung, im Bauhof, im Schwimmbad, im Klärwerk und in den Kindertagesstätten einen Tag zu verbringen. „Die Stadt Achim achtet sehr darauf, dass am Zukunftstag Schülerinnen möglichst den technisch-naturwissenschaftlichen Bereich wählen und Schüler umgekehrt eher im sozialen Bereich den Tag erleben. Das heißt, dass sie für ihre zukünftige Berufswahl eher die für die Geschlechterrollen untypischen Bereiche kennenlernen“, erklärt Angelika Saupe, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Achim.

Zirka 25 Kinder verbrachten im Rathaus den Zukunftstag, wo sie von Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld begrüßt wurden. Ditzfeld freute sich über das große Interesse und wünschte sich, dass viele ihr nächstes Schulpraktikum bei der Stadt Achim absolvieren. Den beiden 14-jährigen Schülerinnen Joline und Juliane war noch nicht ganz klar, was sie werden wollten. „Erst einmal informieren“, meinten sie. Hierfür hatte Gesa Kaemena, Fachbereich für Kinder und Jugend der Stadt Achim, eine Rallye vorbereitet, bei der vieles im Rathaus erkundet werden konnte. - ldu/hem/ley/jäg/kar

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