Reinhard Meiers Buch zeichnet anschaulich deutsche Geschichte nach

Von der Zettelwirtschaft zur Familiensaga

Nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn fand Reinhard Meier Muße zum Schreiben. Von Celle aus verlegte er seinen Wohnsitz zwischenzeitlich nach Südfrankreich, fand schließlich in Bremen neues Eheglück und wohnt seit 2013 in Achim. Foto: Schmidt

Achim - Von Ingo Schmidt. Der Achimer Autor Reinhard Meier präsentiert mit der Erzählung „Achterbahn oder Zettels Auferstehung“ eine Familienchronik, die anschaulich zum Teil historisch relevante Ereignisse verarbeitet.

Auf rund 250 Seiten beschreibt der 73-Jährige die Entwicklung der Celler Familien Braul und Meier und liefert damit ein Stück Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts – Ereignisse aus zwei Weltkriegen finden darin ebenso Beachtung wie die Themen Vertreibung, Rückkehr und Wiederaufbau. Einen besonderen Bereich widmet der Autor dem Celler Schützenwesen, worin seine Familie seit neun Generationen tief verwurzelt ist. „Das ist alles deutsche Geschichte“, beschreibt der Autodidakt seine Sammlung, „da sind völlig verrückte Sachen dabei.“

So wurde die Familie Augenzeuge der „Celler Hasenjagd“ 1945, einem grausamen Kriegsendphasenverbrechen an entflohenen KZ-Häftlingen. Der Großvater habe sich erfolgreich gegen eine Hausdurchsuchung der SA gewehrt, ohne allerdings zu wissen, dass die Mieterin tatsächlich zwei Flüchtlinge auf dem Dachboden versteckt hatte. Später seien diese nach Hammbühren gebracht worden, weil sie dort ein besseres Versteck vorgefunden hätten.

Ein anderes Kapitel behandelt beispielsweise die Experimentierfreude und Raketenbauleidenschaft des Vaters, die letztlich einen Cousin zum Studium in die USA führte, wo dieser eine Karriere als NASA-Ingenieur vollführte.

Im Alter von etwa 20 Jahren begann Reinhard Meier eigene Erlebnisse und Anekdoten seiner Familie auf Zettel zu schreiben. Nach seiner beruflichen Selbstständigkeit nahm er sich diese Notizen vor und strickte daraus eine Geschichtensammlung. Das Schreiben sei ihm immer schon leichtgefallen, so wurde einer seiner Schulaufsätze im Stadtteiljahrbuch veröffentlicht und er verfasste eine Chronik zum 375 Bestehen der Schützengesellschaft Neustadt-Altenhausen.

Zum Schreiben ermutigt habe ihn darüber hinaus ein kurioses Ereignis: Er führte einen Handels- und Reparaturbetrieb für Gartengeräte in Celle. Eines Tages kam er dabei in Kontakt mit dem Schriftsteller Arno Schmidt, dem er einen Rasenmäher verkaufte. „Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er eine ähnliche Zettelwirtschaft pflegte“, erinnert sich Meier, „Schmidt bestärkte mich darin, unbedingt einmal mit der Textarbeit zu beginnen.“

Der Titel „Achterbahn“ beschreibt das Auf und Ab im Leben, wie es Meier persönlich mit insgesamt drei Ehen selbst erlebt hat. „Zettels Auferstehung“ bezieht sich auf die Informationsträger, die ihr gesammeltes Wissen jetzt wiedergeben.

Zu seiner besonderen Freude hat sein Verlag gerade angekündigt, den Vertriebsbereich auf Großbritannien, die USA, Kanada und Australien auszuweiten.

Der nächste Titel ist bereits in Arbeit: Grundlage bildet eine Kurzgeschichte, die in der Anthologie „Geschichten, die noch keiner kennt“ Platz gefunden hatte. Unter dem Titel „Vive la France“ behandelt sie humorvoll und mit viel tiefsinnigem Humor die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschen und Franzosen. „Viele Klischees treffen einfach zu“, weiß Meier, „die Franzosen sind manchmal wirklich so.“

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