Zeichen gegen die Wegwerfmentalität

Großer Andrang beim Repair-Café der Freiwilligenagentur Achim

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Viel Andrang herrschte gestern beim Repair Café im Bürgerhaus Bierden. Vom Staubsauger über die Heckenschere bis zum Stabmixer brachten die Besucher kaputte Geräte mit, um sie von den Reparaturexperten überprüfen zu lassen. 

Achim - Hochkonzentriert blickt Helmut Klimmeck in das Innenleben eines Radios. „Die Abdeckung wegnehmen hat nichts gebracht. Jetzt schau ich mal, ob ich etwas von den Innenteilen herausnehmen kann“, erklärt der Reparaturexperte. Besitzer des rund 60 Jahre alten Geräts ist Wolfgang Färber, beziehungsweise seine Frau. Der Bierdener war gestern der erste Besucher beim Eröffnungstag des Repair-Cafés, das die Freiwilligenagentur Achim ab sofort mit rund 16 Ehrenamtlichen im Bürgerhaus Bierden betreibt. Jeden Dienstag von 15.30 bis 18.30 Uhr soll der Treff in den Räumen Auf dem Brink 3 künftig geöffnet sein.

Repair-Cafés sind Treffen oder Veranstaltungen, bei denen die Besucher defekte Gegenstände mitbringen und Reparaturhilfen von ehrenamtlichen Experten erhalten. So wie Helmut Klimmeck. Der Rentner aus Oyten ist gelernter Radio- und Fernsehtechniker und arbeitete 40 Jahre im IT-Service einer großen Firma. Instand gesetzt werden im Repair-Café beispielsweise Textilien, Kleinmöbel, PCs, Handys oder Spielzeug, um ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität zu setzen. „Die Idee stammt aus den Niederlanden, und so heißen die Reparaturinitiativen bundesweit, darum haben wir den Namen beibehalten“, erzählt Svenja Meyer von der Freiwilligenagentur. Im Landkreis Verden ist der Achimer Treffpunkt, nach Verden und Thedinghausen, der Dritte.

Im Veranstaltungsraum drängen sich die Besucher, viele aus der Nachbarschaft. „Das ist für mich auch Neuland“, sagt Edmund Radtke und deutet auf die Innereien eines Staubsaugers, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Radtke, ein Handwerksmeister, berät sich mit Antoni Pilcicki, was zu tun ist. „Mit Staubsaugern hatte ich auch nie zu tun, ich habe früher Telefon- und Brandmeldeanlagen gebaut“, erzählt der Achimer. Beide vermuten einen Fehler bei der Kupferwicklung als Ursache dafür, dass der Apparat nicht mehr saugt, wie er sollte. Den Staubsauger habe sie von ihrer Mutter geerbt, erzählt die Dame auf der anderen Seite des Tisches. Neben ihr sitzt ein Herr mit einem Stabmixer. „Der Mixer ist sechs Jahre alt und bis vor zwei Tagen noch gelaufen. Wenn ich den selber aufgeschraubt hätte, wäre er jetzt ganz kaputt“, begründet er sein Interesse am Repair-Café.

„Ich war optimistisch, aber mit so viel Andrang hab ich nicht gerechnet“

Martina Jansen von der Freiwilligenagentur ist zufrieden: „Ich war optimistisch, aber mit so viel Andrang hab ich nicht gerechnet.“ Neben den Reparateuren, mit denen das Repair-Café bereits gut bestückt ist, benötige man noch Freiwillige für Empfang und Küche. „Vielleicht auch einen Kuchenbäcker.“ Denn zum Überbrücken von Wartezeiten stehen Kaffee und Kuchen bereit. Um die Verpflegung und eventuelle Neuanschaffungen von Werkzeugen finanzieren zu können, hofft die Freiwilligenagentur auf Spenden für das ansonsten kostenfreie Angebot.

„Das ist keine Konkurrenz für hiesige Handwerksbetriebe“, betont Achims Bürgermeister Rainer Ditzfeld. „Denn so alte Geräte würde keine Firma mehr reparieren.“ Der Verwaltungschef gibt zu, dass er anfangs skeptisch war und nun hofft, „dass wir mit diesem Angebot in Achim ein wenig von der Wegwerfgesellschaft wegkommen“.

Lieselotte Keller hat ihr kaputtes Schleifgerät, mit dem sie Ostereier kunstvoll selbst graviert, mitgebracht. „Ich wollte mal gucken“, sagt die Bierdenerin, die bereit ist, in der nächsten Woche wiederzukommen, sollte die Reparatur mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Unterdessen scheint sich Helmut Klimmeck mit der Radio-Reparatur auf der Zielgeraden zu befinden. Immerhin ertönt zwischenzeitlich wieder Musik aus dem Liebhaberstück. „Wahrscheinlich ist es der An- und Ausschalter. Es kann sein, dass es ein rein mechanisches Problem ist“, mutmaßt er.

Wer noch Interesse hat, sich ehrenamtlich im Repair-Café einzubringen, kann sich unter Telefon 04202/9160-550 an die Freiwilligenagentur Achim wenden. 

 ldu

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