Zehnte Klasse des Gymnasiums am Markt befasst sich in Planspiel mit EU-Politik

Viele Länder – ein Projekt

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Die Schüler der Klasse 10a spielten unter Anleitung der Lehrkräfte Andrea Denker und Stefanie von Richthofen-Klopp einen Tag lang Europäische Union.

Achim - Die Bilder von den Flüchtlingstragödien im Mittelmeer gingen um die Welt – und sind vielen noch präsent. Aber wie kann die Europäische Union auf die wachsende Anzahl an Asylbewerbern reagieren? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Schüler des Gymnasiums am Markt (Gamma) gestern intensiv. Statt nur zu lesen, wie ein Gesetz auf Europa-Ebene zustande kommt, schlüpften 27 Zehntklässler in die Rollen einzelner EU-Politiker aus Parlament, Ministerrat und Kommission. Ein Presse-Team bildete die vierte Gruppe des Planspiels.

Konzentrierte Stimmung herrscht bei der europäischen Kommission. Ein Schüler, auf dessen Namensschild Manuel Barroso steht, spricht sich dafür aus, Asylbewerber nach einer Quotenregelung aufzunehmen. Diese bemesse sich nach der Einwohnerzahl. „Aber wir sollten auch berücksichtigen, wie ein Land finanziell gestellt ist“, entgegnet eine Schülerin, kenntlich gemacht als schwedische Politikerin Cecilia Malmström.

Die Aufgabe: Die Schüler sollten einen Verordnungsvorschlag der Kommission zur Asylpolitik beraten, verändern und besprechen. Politiklehrerin Andrea Denker begleitete den Projekttag gemeinsam mit ihrer Kollegin Stefanie von Richthofen-Klopp didaktisch. „Auf diese Weise können wir unseren Anspruch als Europaschule auch leben“, begründet von Richthofen-Klopp die Bedeutung des Projekts. Allein 15 Schüler stammen aus Familien mit Migrationserfahrung – sei es nun aus Ostpreußen oder Kroatien. 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs trage Deutschland gegenüber anderen Ländern immer noch eine bestimmte Verantwortung, fügt Denker hinzu.

Die Schule hatte das Spiel vor rund zwei Jahren für einen Oberstufenprojekt erworben, erklärt Denker. Darum sind die Namen der Gremienmitglieder – seit einem halben Jahr heißt der Präsident der EU-Kommission nicht mehr Barroso, sondern Juncker – nicht ganz aktuell. Um das Spiel für Zehntklässler anzupassen, hatten die beiden Lehrkräfte Rollenvorgaben (etwa politische Ausrichtungen) hinzugefügt, innerhalb der die Schüler agieren sollten.

Schülerin Miriam Holland-Letz findet es gut, sich mit Fragen zur Asylpolitik ganz praktisch und ohne viele Vorkenntnisse zu befassen: „Ich wusste, was aktuell passiert, aber nicht, dass in einzelnen Ländern, in die Asylbewerber abgeschoben werden, die Menschenrechte so wenig beachtet werden.“ Die 15-Jährige schlüpfte in die Rolle der dänischen Politikerin Karen Bromann, die sich im Innenausschuss des EU-Parlaments für den menschenrechtlichen Aspekt der Asylpolitik einsetzte. Andere unbequeme Fragen standen im Fokus: „Unser Land hat nicht genügend Platz und Geld zur Verfügung, um viele Flüchtlinge aufzunehmen“, weiß der 18-jährige Michael Papazoglu, der den griechischen Innenminister Euripidis Stylianidis im Rat verkörperte.

„Das zeigt den Schülern, welche Mühe es bedeutet, gegensätzliche Standpunkte zusammenzubringen und dass machbare Politik oft in Kompromissen besteht“, betont Stefanie von Richthofen-Klopp. Wenn man an Verordnungen wie die Gurken-Norm denke, müsse die Europäische Union oft als Prügelknabe herhalten, so Denker. „Aber am Beispiel der Asylpolitik wird klar: Die EU tut Dinge, die immens wichtig sind.“

ldu

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