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Wer Alarmfall herbeiführt, muss in Achim mehr zahlen

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Von: Michael Mix

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Die Feuerwehr rettet eine Katze aus einem Baum.
Die Feuerwehr rettet mit einer Drehleiter eine Katze aus dem Baum. © Foto: Archiv

Achim – Wer die Feuerwehr zu Hilfe ruft, muss unter Umständen damit rechnen, später zur Kasse gebeten zu werden. Dann nämlich, wenn die Stadt dem Verursacher des Einsatzes schuldhaftes oder zumindest leichtfertiges Verhalten nachweisen kann. Von den jährlich weit mehr als insgesamt 200 Alarmierungen der sechs Freiwilligen Ortsfeuerwehren in Achim könnten aber nur rund 90 berechnet werden, berichtete Claudia von Kiedrowski, Leiterin des Fachdiensts Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung, in der Sitzung des Feuerwehrausschusses am Dienstag im Ratssaal.

Überwiegend handele es sich dabei um losgehende Meldeanlagen oder Ölspuren. „Wir haben pro Jahr Einnahmen von 50 000 bis 60 000 Euro.“

Der Ausschuss stimmte einhellig dafür, die Feuerwehrgebühren anzuheben. Wie hoch die bei einer Alarmierung ausfallen, hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Und nicht zuletzt davon, wieviel Einsatzkräfte und -fahrzeuge welcher Art anrücken.

„Wer den Herd anlässt, selbst nicht mehr löschen kann, muss im Normalfall zahlen“, verdeutlichte von Kiedrowski und nannte auch die „Hausnummer“ für dieses Beispiel. Ein Feuerwehreinsatz bei einer üblichen Mannschaftsstärke von neun Kräften koste dann 1050 Euro. Wenn der Keller unter Wasser stehe und professionelle Hilfe benötigt werde, seien 880 Euro fällig. Und wenn die Feuerwehr mit der Drehleiter vorfahren müsse, um die eigene Katze vom Baum zu holen, habe der Tierfreund 750 Euro auf das Konto der Stadt zu überweisen.

Insbesondere die Gebühren für die größeren Einsatzfahrzeuge fallen von Kiedrowski zufolge nun deutlich höher aus. Dagegen steige der Satz für Personal lediglich von 20 auf 25 Euro pro Kraft und halbe Stunde. „Aber auch die neuen Gebühren sind längst nicht kostendeckend.“

Die Tarife nach 20 Jahren anzupassen, hielt Fritz-Heiner Hepke (SPD) für angemessen. „Die Kosten steigen ja in vielen Lebensbereichen“, merkte er an. Volker Wrede (CDU) sprach von einer „moderaten Erhöhung“. Die neuen Gebührensätze seien immer noch „sehr bürgerfreundlich“.

„Holt sich denn die Stadt die Einsatzkosten zurück, wenn etwa ein brennendes Elektroauto gelöscht werden muss?“, wollte Hans Baum (FDP) wissen und ließ das Stichwort „Versicherung“ fallen. Die finanziere in solch einem Fall in der Regel ja auch einen neuen Wagen. „Das sieht das Gesetz nicht vor“, antwortete Claudia von Kiedrowski.

Patrik Habeth, Mitarbeiter von Forplan, Fachgesellschaft für das Rettungswesen mit Sitz in Bonn, stellte in der Sitzung den überarbeiteten Feuerwehrbedarfsplan vor. Im Zeitraum von 2016 bis 2020 sei die Zahl der Einsätze der Truppe in Achim im Vergleich zu den fünf Jahren davor um knapp 90 auf 289 Alarmfahrten gestiegen. Aber fast immer nahe schnelle Rettung. „In 90 Prozent des Stadtgebiets können die Helfer innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sein“, stellte Habeth fest.

Die Personalentwicklung sei geradezu „Granate“, lobte er weiter. Die Feuerwehr Achim habe die Zahl ihrer Aktiven von 2015 bis 2020 von 267 auf 307 steigern können. „Das hat man selten.“ Allerdings fehlten wegen auswärtiger Berufstätigkeit tagsüber mitunter freiwillige Retter mit bestimmten Qualifikationen. Habeth riet dazu, möglichst vor Ort Arbeitende für die Wehr zu gewinnen.

Die personelle Mindestausstattung von 72 Einsatzkräften werde in Achim jedoch locker erreicht. Auch weil innerhalb von fünf Jahren 45 Jugendliche zu den Aktiven gewechselt seien. „Das ist über dem Schnitt.“ Verglichen mit den Kosten für eine Berufsfeuerwehr sei die Freiwilligentruppe ein „günstiges Konstrukt“, betonte Habeth.

Einen Mangel verschwieg der Fachmann allerdings nicht. Die Achimer Feuerwehr benötige dringend ein sogenanntes Mehrzweckboot für Einsätze auf der Weser. Denn bei Unglücken mit Personen- oder Güterschiffen auf dem Fluss „reicht ein einfaches Gummiboot nicht aus“.

Doch sein Fazit falle mehr als positiv aus, bekundete Patrik Habeth dem Fachausschuss des Stadtrats schließlich: „Sie haben eine leistungsfähige Feuerwehr.“

Stadtbrandmeister Frank Boblat freute sich, dass die Einsatzabteilung Ende 2021 über 323 Mitglieder verfügt habe. Und auch die Jugend- und die Kinderfeuerwehr hätten „leicht zugelegt“.

Von den 222 Ernstfällen im vorigen Jahr sei ein Großteil technischen Hilfeleistungen zuzuordnen, dahinter folgten Brände und Fehlalarme. Die Hauptlast habe die Ortsfeuerwehr Achim getragen. Deren Fahrzeuge, allen voran die Drehleiter, würden häufig auch bei Einsatzlagen außerhalb des Stadtgebiets angefordert, legte Boblat dar.

Die Lieferzeit für neue Feuerwehrwagen betrage inzwischen 24 Monate, informierte Doreen Fehling von der Stadtverwaltung. Die Hängepartie betreffe etwa ein Tanklöschfahrzeug vom Typ 4000 für die Achimer Wehr und ein LF 10 für Embsen. „Aufgrund von Materialmangel müssen wir künftig wohl eher bestellen“, kommentierte Fehling. „Wir bekommen keine Kabelbäume aus der Ukraine“, benannte Peter Hollwedel, Leiter des Fachbereichs Zentraler Service im Rathaus, den andauernden Krieg als Ursache des Problems.

Ausschussvorsitzende Annameta Rippich (CDU) dankte allen Feuerwehrleuten für ihren ehrenamtlichen Einsatz für die Allgemeinheit. „Insbesondere auch in der schwierigen Zeit der Pandemie.“

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