Aus Achim stammender Wissenschaftler arbeitet an bahnbrechendem Projekt

Wüste fruchtbar machen

Professor Dr. Volker Wulfmeyer (Mitte), geschäftsführender Direktor des Instituts für Physik und Meteorologie an der Universität Hohenheim, besuchte über Ostern seine in Achim an der Potsdamer Straße wohnenden Eltern Christel und Siegfried Schröder. - Foto: Woelki

Achim - Wüsten breiten sich aus, fruchtbares Land verschwindet, Wasser fehlt. Die Bevölkerung in Südeuropa und anderswo ächzt schon heute unter den Folgen des Klimawandels. Vor diesem Hintergrund lässt ein Forschungsprojekt aufhorchen, das ein aus Achim stammender Wissenschaftler entwickelt hat. Professor Dr. Volker Wulfmeyer arbeitet daran, die Regenbildung über Wüsten und Halbwüsten zu verstärken. Scheichs forcieren diese Forschung mit Millionenbeträgen.

Die Machthaber in den Vereinigten Arabischen Emiraten wollen nicht nur die höchsten Häuser der Welt bauen, sondern künftig auch Dürregebiete im Land zum großen Teil in einen Garten Eden verwandeln. Auf einem Gala-Abend in der Hauptstadt Abu Dhabi gab die Regierung vor wenigen Wochen bekannt, dass die Forschergruppe um Prof. Wulfmeyer von der Universität Hohenheim sowie zwei weitere Teams aus Japan und den Emiraten den Zuschlag für das ehrgeizige Vorhaben erhielten. Pro Projekt stehen maximal 1,5 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Für den Physiker und Meteorologen Wulfmeyer ist das Programm nicht nur wegen dieser Konditionen interessant. „Was Wolkenbildung und Regen betrifft, ist die Kombination von Bergen, Wüsten und dem Golf von Arabien absolutes wissenschaftliches Neuland“, sagt der 50-Jährige.

Seine Ziele: die komplexe Wolkenbildung vor Ort verstehen, präzise vorhersagen können – und nach Möglichkeit zu beeinflussen. Das könnte durch riesige Pflanzenplantagen geschehen, die Wasser verdunsten. Oder durch künstliche Berge, die Windströmungen so umleiten, dass sie aufeinanderprallen, aufsteigen und in höheren Schichten der Atmosphäre abregnen, erläutert Wulfmeyer. „Unsere Vorstudien zeigen: Technisch und ökonomisch sind solche Wüstenplantagen machbar.“

Zwei Jahre lang will der Forscher die Atmosphärenprozesse vor Ort vermessen. Herzstücke sind ein Wolkenradar und ein sogenanntes „Doppler Lidar“: Ein Laser, der laut Wulfmeyer auch in klarer Luft bereits feinste Luftströmungen dreidimensional vermessen kann. „Dadurch bemerken die Geräte die Wolkenbildung in einem Stadium weit bevor das menschliche Auge sie sieht.“

In Medien ist von einem „bahnbrechenden, internationalen Top-Projekt“ die Rede. „Sehr spannende Forschung“, sagt Wulfmeyer im Gespräch mit dieser Zeitung.

Bereits am Achimer Gymnasium seien Physik und Mathematik seine Lieblingsfächer gewesen, berichtet der erfolgreiche Wissenschaftler. Schon früh habe er sich in Theorien der Quantenmechanik vertieft. „Ich war ein Nerd, wie er im Buche steht.“

Nebenbei habe er Fußball im TSV Achim gespielt. Und beim örtlichen Schachverein sei er Jugendmeister geworden, erinnert sich Wulfmeyer, der verheiratet und Vater zweier Töchter ist.

Ein- bis zweimal im Jahr komme er noch nach Achim. „Dann besuche ich meine Eltern und Schwiegereltern, meinen Bruder oder treffe mich mit Freunden.“ - mm

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