Wort- und Gedankenspiele mit Hand und Fuß

Kabarettisten Blömer und Tillack überraschen mit Perspektivwechel und Körpereinsatz

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Einfach fantastisch: So mancher Zuschauer fragte: „Was haben die eigentlich vorher gemacht?“ Kaum vorstellbar, dass sich diese beiden Künstler dem kabarettgeübten Blick der Achimer entziehen konnten.

Achim - Von Ingo Schmidt. Liebevoll und charmant arrangiert, fein garniert und perfekt vorgetragen, virtuos und akrobatisch anspruchsvoll – diese Attribute beschreiben das Kabarett-Programm, welches Bernd Blömer und Dirk Tillack ihrem Publikum am Sonntagabend im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) präsentierten. Unter dem Titel „Wir müssen draußen bleiben“ vollführten sie im Blauen Saal ein Feuerwerk der Perspektivwechsel.

Rein und raus, oben oder unten, dahinter oder davor – auf jeden Fall drunter und drüber geht´s bei Blömer und Tillack: Die beiden Akteure zerlegen spielerisch und vielfältig das Verhältnis gesellschaftlicher Gegensätze. Nur mit den Stilmitteln der Pantomime, des Schauspiels und der Musik sowie mit einer einfachen Stellwand bewaffnet halten sie der Gesellschaft ihren Spiegel vor.

In der „Losnummer“ bietet Tillack Lotteriescheine feil und lockt Blömer mit Gratisangeboten. Beim Öffnen findet dieser Arbeits-Lose, Gewissen-Lose, Skrupel-Lose, Macht-Lose, Maß-Lose, Besinnungs-Lose oder Scham-Lose. Die Liste ist lang und hinter jedem steckt ein passendes Äquivalent: nur ein trauriges Gesicht, die Deutsche Bank, Josef Blatter, Fußballfans, Uli Hoeneß oder Donald Trump.

Einen roten Faden bildet der Zyklus „Der Mann. Studien in Bild und Ton“ zu den Themen Dachdecker-, Heringsfischer- oder Fußballergedanken. Wer hat sich nicht schon einmal die Frage gestellt, was dem Fußballprofi auf der Reservebank durch den Kopf geht? Blömer und Tillack zeigen Überraschendes und bringen es mimisch auf den Punkt.

Raus aus dem Leben, rein ins Leben

Raus aus dem Leben, rein ins Leben. Was geschieht nach dem plötzlichen Mannstod, folgt die Wiedergeburt? Tillack möchte als Weinbergschnecke inkarnieren, an einem Riesling-Südhang der Mosel-Region. „Dann hätte ich immer ein Haus dabei und könnte jederzeit selbst entscheiden, ob ich drinnen oder draußen sein möchte“, frohlockt der Bühnen-Künstler. In einer bezaubernd entschleunigten Schnecken-Pantomime, versucht in der Folge die eine Schnecke, ihren Nachbarn von der Rebe zu drängen.

Ein anderes Mal müht sich ein poetisch reimender Engel mit Händen und Füßen, den frustrierten Lehrer vor dem Freitod zu bewahren, und Aussteigerhund Dodo tritt kritisch in Dialog zu seinem vorherigen, wenig artgerechten Stadtleben.

Ob Schluckauf-Song, Mann ohne digitalen Fingerabdruck oder ein böser Traum des Nicolas Sarkozy, der sich an die Spitze der Weltpolitik zurückträumt – die Art der Darbietung ist so vielfältig wie die Themenwahl. Da staunten die Achimer Kabarett-Experten und dankten dem Duo mit einem frenetischen Applaus. Fantastisch, von diesen beiden wird man in Zukunft noch viel hören und sehen.

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