Wolfgang Koliwer.

Trauer um Ex-Desma-Chef Wolfgang Koliwer

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Wolfgang Koliwer.

Achim - Von Manfred Brodt. Wolfgang Koliwer, der langjährige Chef der Schuhmaschinenfabrik Desma, ist am Sonntag im Alter von 72 Jahren gestorben. Er hat das früher bedeutendste Unternehmen in ganz Achim und damit die Stadt geprägt und eine einzigartige Karriere hingelegt, die das Achimer Kreisblatt vor sieben Jahren zum Beginn seines Ruhestandes mit der Schlagzeile „Vom Lehrling zum Firmenboss“ überschrieben hatte.

Am frühen Morgen des Gründonnerstags 1959 war Wolfgang Koliwer mit seiner Mutter von Dresden in der damaligen Ostzone am Achimer Bahnhof angekommen, sozusagen als Flüchtling. Schon drei Stunden später hatte er bei der Desma in Uesen sein Bewerbungsgespräch für eine Lehre. Seine schon in Achim lebende Schwester, die im Hause des Desma-Eigentümers Ludwig beschäftigt war, hatte vermittelt. Am 1. April 1959 begann der 15-Jährige seine Lehre als Maschinenschlosser. Eine Ausbildung und spätere Beschäftigung als technischer Zeichner folgten. Weitere Stationen des ehrgeizigen jungen Mannes: Besuch der Technischen Unterrichtsanstalten Berlin und Erwerb der Fachhochschulreife, Studium des Maschinenbaus an der Staatlichen Ingenieurakademie in Berlin, 1968 Rückkehr zur Desma als Kundendienstingenieur und stellvertretender Leiter des Kundendienstes, Hauptabteilungsleiter Vertrieb/Technik, Projektleiter für das UdSSR-Geschäft und technischer Koordinator zur US-Niederlassung.

Dem Russisch sprechenden Koliwer wurden Verhandlungen zur Gründung von Joint Ventures in Moskau und St. Petersburg übertragen, und er wurde stellvertretender Generaldirektor des Joint Ventures Interservice. Hier lernte er seine Galina kennen, seine spätere Ehefrau und Chefsekretärin.

1991, die Desma war vom Klöckner-Konzern übernommen, führte Koliwers Weg von Moskau ins schwäbische Fridingen als Leiter des Desma Profitcenters Gummispritztechnik.

1996, als die Desma wegen des im Westen weggebrochenen Osthandels in die Krise geriet, war aus dem einstigen Lehrling der alleinige Chef des einst größten Achimer Arbeitgebers geworden. Koliwer rettete das Unternehmen und brachte es wieder auf Erfolgskurs. Der Klöckner-Vorstandsvorsitzende hatte ihm bescheinigt, dass er die Achimer Desma durch Kompetenz, personelle Weichenstellungen, motivierende persönliche Menschenführung, Erfolgsboni, Innovationen und Rationalisierungen aus dem tiefen Tal zum Gipfel geführt habe. Mit 185 Beschäftigten und 20 Auszubildenden hatte die auch in China und Indien produzierende Firma in der Ära Koliwer fast so viel Umsatz wie früher mit 1300 Leuten gemacht.

Im Ruhestand war Koliwer („Ich kann‘s nicht lassen“) noch als Selbständiger und Berater bei diversen Projekten unterwegs, erfreute sich an der Jägerei und am Golfen. Im kriselnden Achimer Golfclub hatte er Führungsaufgaben übernommen.

Es bleibt die gute Erinnerung an den oft zurückhaltend wirkenden, aber in jeder Hinsicht energischen, zielorientierten und erfolgreichen Menschen, der nie drumherum redete.

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