Landwirte verhindern Schlimmeres

Wolf versetzt Rinderherde in Panik: Jungkühe brechen aus Weide aus

Der Wolf ist im dichtbesiedelten Achim und seiner Lage an zwei Autobahnen ein seltener Gast. Doch am Donnerstag hat einer der grauen Räuber im Embser Bruch eine ganze Rinderherde in Panik versetzt.

  • In Achim-Embsen war ein Wolf unterwegs
  • Das Tier versetzte eine Rinderherde in Panik
  • Landwirte verhinderten Schlimmeres

Achim - „Ich war morgens, gegen 8.45 Uhr, mit dem Auto auf dem Weg zur Arbeit, als Rinder unmittelbar an der A27 entlang liefen, fast schon am Bremer Kreuz“, schildert Martin Jonas. „Dann sah ich, wie sich ein Wolf etwa 200 Meter weiter in Richtung Oyter See bewegte.“

Kann das nicht ein wildernder Hund gewesen sein? „Nein, kein Zweifel, das war ein Wolf“, sagt der Embser Jonas im Gespräch mit dieser Zeitung. Als Jäger kenne er sich mit dem seit der Jahrtausendwende in Deutschland wieder heimischen „Meister Isegrim“ aus. „Ich habe schon mehrfach Wölfe in meinem früheren Revier in Cuxhaven beobachtet.“

Wolf in Achim: Landwirt findet verstörte Tiere vor

Umgehend setzte Jonas Landwirte in Embsen über die Wolfssichtung und die nahe der Autobahn frei umherlaufenden Rinder in Kenntnis, unter anderem Ortsvorsteher Cord Mindermann. Diese Kontaktpersonen schalteten wiederum den zuständigen Jagdpächter Dr. Ulrich Tucholke ein und informierten nicht zuletzt den Halter der Rinderherde, Carsten Puvogel aus Fischerhude.

Der Landwirt eilte zusammen mit seiner Frau Christa herbei. Und fand verstörte Tiere vor. „Die Rinder zeigten sich auf einer anderen Weide, auf die sie hilfreiche Bauern zwischenzeitlich getrieben hatten, sehr unruhig und wurden deshalb anschließend vor dem Heimtransport noch vorübergehend in einem Stall in Embsen untergebracht“, berichtet Puvogel auf Nachfrage. Aber immerhin hätten die acht Schwarzbunten außer Abschürfungen infolge ihrer Flucht Hals über Kopf vor dem Wolf keine äußeren Verletzungen davongetragen. Hoffentlich brächten die tragenden Jungkühe wie geplant im Herbst Nachwuchs zur Welt und erlitten infolge des Schocks keine Fehlgeburten, fügte der Landwirt hinzu.

Wolf in Achim: Rinder laufen kopflos zwischen Embsen und Oyter Moor umher

Was war geschehen? Nach Berichten von Augenzeugen und anhand von Spuren auf der Weide zeichnet Puvogel folgendes Bild: Am Donnerstagmorgen muss die auf einer Weide im Embser Bruch stehende kleine Herde den Wolf wahrgenommen haben. „Die Rinder liefen dann in Panik gegen den Elektrozaun. Durch den Stacheldraht erlitten einige Kühe Kratzer an den Beinen.“ Aus Angst vor dem Wolf hoben die Fluchttiere sogar Weidepfähle aus den Angeln und rannten in der Folge kopflos zwischen Embsen und dem Oyter Moor hin und her. „Nicht auszudenken, wenn sie dabei auf die Autobahn gelaufen wären“, sagt Carsten Puvogel. Zum Glück sei das nicht passiert, und auch das Raubtier habe sie nicht zu fassen bekommen.

Der 63-Jährige hat die Rinder noch am Donnerstag in ihren angestammten Stall in Fischerhude gebracht. In Gegenwart ihrer dortigen Artgenossen hätten sie sich wieder beruhigt. „Ich werde in absehbarer Zeit keine Rinder mehr auf die Weide bringen“, sagt Puvogel. „Das Risiko ist mir zu groß.“

In Fischerhude, merkt er noch an, habe ein Wolf früher Schafe gerissen. Aber Rinder seien ihm in der heimischen Gegend noch nicht zum Opfer gefallen.

Auch im Landkreis Diepholz wurden mehrfach Wölfe gesichtet. In Bremen-Huchting wurden Lämmer gerissen. War dafür auch ein Wolf verantwortlich?

Themenseite Wolf 

Der streng geschützte Wolf ist gegenüber Menschen im Normalfall scheu und wendet sich ab. Dennoch kommt es in Niedersachsen immer wieder zu Begegnungen. kreiszeitung.de stellt auf einer großen Themenseite zum Wolf in Niedersachsen alle wichtigen Informationen.

Rubriklistenbild: © Boris Roessler/dpa

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