Ausschuss beschließt Änderung

Bebauungsplan für Innenstadt: Wohnungen statt Läden im Erdgeschoss

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Bessere Zeiten für Achims City? CDU, FDP und WGA wollen Wohnungen im Erdgeschoss in der Fußgängerzone zulassen. Der bisherige Plan, dort großflächige Ladenlokale zu schaffen, könnte damit blockiert werden.

Der Achimer Innenstadt sollte mit neuen, bis zu 4 000 Quadratmeter großen Ladenflächen mehr Leben eingehaucht werden. Dieses von vielen Kommunalpolitikern verfolgte Ziel wollen CDU, FDP und WGA nun torpedieren.

Achim - In der Sitzung des Ratsausschusses für Wirtschaft, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr stimmten sie am Dienstagabend dafür, Wohnungen im Erdgeschoss in der Fußgängerzone zuzulassen und erzielten damit gegenüber Rot-Grün eine knappe Mehrheit.

Als Stadtplanerin Layla Smorra zu Beginn darüber informierte, dass im Zuge der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans für das Gebiet an der Obernstraße, Herbergstraße und Achimer Brückenstraße von Bürgern und den sogenannten Trägern öffentlicher Belange „kaum Einwendungen“ gegen das Vorhaben erfolgt seien, sah es zunächst nach einem schnellen Abhaken dieses Tagesordnungspunkts aus. 

Wrede für ebenerdige Wohnungen an der Obernstraße

Doch weit gefehlt. Volker Wrede (CDU) wandte sich vehement gegen den Plan, den Entwurf des Rotenburger Architektenbüros Lohmann mit großflächigen, modernen Geschäftsräumen im Erdgeschoss, Wohnungen, Büros oder Arztpraxen darüber, begrünten Innenhöfen und einer Tiefgarage in die Tat umzusetzen, um damit die Innenstadt deutlich attraktiver zu gestalten.

Nicht nur, wie vorgesehen, an der Herbergstraße, sondern auch an der Obernstraße, also in der Hauptfußgängerzone, sollte die Stadt ebenerdige Wohnungen erlauben , meinte Wrede. Insbesondere Senioren bekämen damit die Möglichkeit, im Umfeld von Geschäften, Ärzten und Apotheken barrierefrei ein- und auszugehen.

Lesen Sie hier ein Interview mit Achims Erstem Stadtrat, Bernd Kettenburg, über Innenstadt, Lieken, Amazon und Achim-West.

Einbahnstraße statt Fußgängerzone?

Er glaube nicht an den „Traum“, dass Investoren und Einzelhandel in der Achimer Innenstadt Läden in großem Stil schaffen, sagte der Christdemokrat. „Wir haben überhaupt nicht solche Interessenten.“ Zumal die Fleischerei Mindermann ihre Immobilie nicht aufgeben wolle und damit die vom Bürgermeister und anderen angestrebte „ganz große Lösung“ für ein imposantes Geschäftsgebäude im Zentrum nicht verwirklicht werden könne

Es sei denn, merkte Wrede noch an, die Stadt würde die Fußgängerzone in eine Einbahnstraße umwandeln und damit Autofahrern bequemes Einkaufen ermöglichen.

Auch das Konzept „Nördliche Innenstadt“ hat in Achim für Debatten gesorgt.

Erheblicher Widerspruch

Äußerungen, die in der Sitzung erheblichen Widerspruch auslösten. Der Plan für die Vitalisierung der City sollte nicht verworfen werden, mahnte Peter Bartram (Grüne). Beschlüsse in dieser Richtung seien doch längst gefasst worden.

Die wachsende Stadt Achim mit ihrer Kaufkraft sei auch für den Handel ein gefragter Standort , entgegnete Bürgermeister Rainer Ditzfeld Ex-Parteifreund Wrede. „Wir führen durchaus Gespräche mit Interessenten“, ergänzte Martin Balkausky, Wirtschaftsförderer im Rathaus. Bei den derzeitigen kleinteiligen Flächen winkten sie gleich ab. „Wir brauchen große Schaufenster“, unterstrich seine Kollegin Stefanie Schleef.

Kleine Ladenlokale nicht mehr zeitgemäß

Die vorhandenen kleinen Ladenlokale hinderten die Einzelhändler daran, ihre Waren entsprechend den heutigen Ansprüchen der Kunden präsentieren zu können, sagte Rudi Knapp, neues externes Mitglied im Ausschuss. 

„Ich bin mir sicher, dass in Achim geräumige Geschäftsflächen zu vermieten sind.“ Im etwa gleich großen Rotenburg sei das in den vergangenen Jahren gelungen und werde nun auch von den Kunden honoriert, fügte der Ehrenvorsitzende der Unternehmergemeinschaft Achim hinzu.

Möller befürchtet „tote Innenstadt“

Die Wümmestadt sei nicht mit Achim zu vergleichen, behauptete Karl-Heinz Lichter (CDU). „Dort können Geschäfte angefahren werden.“ Achim benötige zugkräftige Anbieter in der Innenstadt und das gehe nur mit größeren, modernen Flächen, sagte Herfried Meyer (SPD). „Wir brauchen Frequenzbringer.“

Wohnen im Erdgeschoss in bester Geschäftslage „läuft allen stadtplanerischen Ansätzen entgegen“, hakte Planerin Smorra ein. Mit einem im Sinne der CDU geänderten Bebauungsplan könnten Investoren wertvolle Flächen in der City mit Wohnungen blockieren, gab ihr neuer Kollege Vincent Möller zu bedenken. „Dann haben wir eine tote Innenstadt und damit das Gegenteil von dem, was wir wollen.“

Unklar, ob neuer B-Plan nötig ist

Dennoch beantragte Volker Wrede, Wohnen und auch Räume für freie Berufe im Erdgeschoss in der gesamten City zuzulassen. Seine ParteifreundeLichter und Annameta Rippich sowie Hans Baum (FDP) und Michael Heckel (WGA) unterstützten dieses Ansinnen. Die Sozialdemokraten Meyer und Werner Meinken, Vorsitzender des Ausschusses, sowie Wolfgang Mindermann, der mit der SPD eine Gruppe im Stadtrat bildet, und Bartram (Grüne) stimmten dagegen.

Anschließend herrschte Rätselraten im Ratssaal. „Es ist unklar, ob dieser Beschlussvorschlag die Planungen grundlegend verändert“, äußerte Erster Stadtrat Bernd Kettenburg. Er vermöge im Moment nicht zu sagen, ob der B-Plan für die Innenstadtentwicklung unter diesen Bedingungen nochmal neu aufgestellt werden müsse.

Thema noch nicht auf Tagesordnung des Stadtrats

Schon heute befasst sich der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss mit dem Thema. Auf der Tagesordnung der für Donnerstag, 26. September, 19 Uhr, anberaumten nächsten Sitzung des Stadtrats, in dem CDU, FDP und WGA keine Mehrheit haben, steht der Punkt bisher nicht.

Kommentar: Rückwärtsgewandte Politik, übler Tritt gegen die City

Von Michael Mix.

Wohnungen im Erdgeschoss einer Fußgängerzone? Die CDU samt Gefolge tickt nicht ganz richtig! Wer solch eine Politik macht, leistet einer Schlafstadt Achim Vorschub. Die Altherrenriege von der CDU, flankiert von FDP und WGA, will sich offenbar damit abfinden und es sogar noch befördern, dass die Innenstadt ausblutet, dass Läden in der Fußgängerzone bald kaum noch vorzufinden sind. 

Dann allerdings kann man ja eigentlich gleich nach Bassen oder Etelsen ziehen. Achim wird sicherlich nie eine bedeutende Einkaufsstadt werden. Aber ein Stück Urbanität, und dazu gehört ein attraktives Zentrum mit einer Anzahl von Geschäften und Gastronomie zwingend dazu, ist möglich

Rund um das nahezu leerstehende Gebäude am Glockenspiel sind Eigentümer inzwischen bereit, ihre Immobilien zu verkaufen, damit Investoren grundstücksübergreifend Neubauten mit heutzutage gefragten großen, modernen Ladenflächen errichten können. 

Und natürlich haben namhafte Einzelhandelsfirmen unter geänderten Rahmenbedingungen durchaus Interesse, in einer wachsenden Stadt mit Einwohnern, die über eine überdurchschnittliche Kaufkraft verfügen, Geschäfte zu machen. Zudem ist keineswegs in Stein gemeißelt, dass ein Großteil der Bevölkerung auch künftig lieber künstliche Einkaufsstädte auf der „grünen Wiese“ ansteuert. 

Der Verbraucher von morgen will vor Ort vielleicht mehr urbanes Leben als nur in Form eines florierenden Wochenmarkts. Ich möchte jedenfalls nicht, dass Achim zu Elsfleth wird. Dort ist das frühere Stadtcafé in ein Altenheim verwandelt worden. Am Rand von Achim entsteht ein Gewerbegebiet nach dem anderen, da denkt die Politik groß und entwickelt Achim zum Riesen. Aber die „gute Stube“ soll immer mehr verzwergen?

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