Wohngemeinschaft mit Marotten

Achimer Speeldäl feiert viel beklatschte Premiere mit „Neurosige Tieden“ im Kasch

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Stoff für viel beklatschte Situationskomik bietet das neue Stück des Theaterensembles mit Günter Kothe, Brigitte Diddens und Jessica Heinevetter, v.l.).

Achim - Von Bernd Hägermann. Immerhin fliegt niemand übers Kuckucksnest, begehrt rustikal auf oder wird über die Zustände in einer Nervenklinik wirklich verrückt. Dafür gibt es in einer verordneten Wohngemeinschaft jede Menge Marotten, die mehr oder weniger erfolgreich behandelt werden.

Die Hauptbeschäftigung der Patienten in dem plattdeutschen Mehrakter „Neurosige Tieden“, mit dem die Achimer Speeldäl am Samstagabend im Kulturhaus Alter Schützenhof (Kasch) Premiere feierte, besteht vor allem darin, den Schein zu wahren. Das ist nicht ganz einfach. Ständig wird die Realität geschönt, zum Beispiel der Verwandtschaft erzählt, die eigene Residenz sei keine „Klapse“, sondern eine Villa für gehobene Ansprüche.

Eine dieser kleinen Lebenslügen bringt Patientin Agnes Adolon (Anika Bosenius) gehörig in die Klemme. Als Spross einer Hoteldynastie achtet sie auf Etikette. Das allerdings hält sie nicht davon ab, ihre Finger nach jedem halbwegs attraktiven Kerl auszustrecken. Agnes ist sexsüchtig. Ihr größtes Problem jedoch ist ihre Mutter. Die stolziert hochnäsig und von Standesdünkel geleitet durchs Leben und hat sich plötzlich zum Besuch angekündigt.

Mutter kommt: Agnes (Anika Bosenius) und Hans (Dieter Beinker) in Aufruhr.

Agnes gerät darüber fast in Panik. Es gibt so viel zu bedenken. Die beruhigende Routine einer Nervenklinik muss durchbrochen werden, die Identitäten der Patienten neu erfunden und geordnet. Für Agnes eine organisatorische Kraftanstrengung, für die Akteure der Achimer Speeldäl der Stoff für Situationskomik, die das Publikum immer wieder mit Zwischenbeifall belohnt.

Als Mutter Alice (Henriette Jäger) eintrifft, scheint alles gerichtet. Doch der Schein trügt, denn das personelle Karussell rotiert allzu kräftig. Der Fliehkraft entgegen stemmen sich Hans (Dieter Beinker), ein zwanghaft penibler Ex-Finanzbeamter, Marianne (Jessica Heinevetter), die sich in einer Beziehung mit dem Volksmusikanten Hardi Hummer (Jochen Davids) wähnt, Gemütsmensch Willi (Günter Kothe), die manisch-depressive Künstlerin Dörte (Nena Kelm) und all jene, die sich den Anforderungen des Alltags entzogen haben. Und auch Psychiaterin Dr. Dr. Schanz (Karin Bollmann) stößt schnell an ihre emotionalen und fachlichen Grenzen.

Sehr zur Freude des Publikums, das sich an diesem Abend über Verwechslungen und Verwirrungen auf der Bühne amüsiert und schließlich – nicht ganz überraschend – ein gutes Ende erlebt.

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