Ganztagsschule beschäftigt Ortsausschuss

Wohin mit den Schülern am Nachmittag?

Achim - Ein Ausbau der Ganztagsschule (GTS) in Uesen ist nicht zu umgehen. Darüber herrschte weitgehend Konsens im Ausschuss für Angelegenheiten des Ortsteils Uesen am Montagabend. Unschlüssig war man sich nur hinsichtlich einer Übergangslösung. Lohnt es, Geld und Energie in den Hortausbau zu stecken?

Aktuell sieht der Zeitplan zum Ausbau der GTS bei der Stadtverwaltung – vertreten von Wiltrud Ysker, die den Fachbereich Bildung und Soziales leitet – folgendes vor: 2017 soll eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht werden, 2018 geht es (bei Bedarf) in die Planung und 2019 werden frühestens Lösungen realisiert.

Einige Elternvertreter, darunter Katharina Schierstedt vom Schulförderverein „Duesen“, stellten gleich zu Beginn der Sitzung klar: Eine Erweiterung der Verlässlichkeit sei dringend erforderlich. Bei vielen berufstätigen Eltern sei nachmittags eine Betreuungslücke von drei Stunden zu füllen. Um das zu bekräftigen, übergab der Elternbeirat eine Unterschriftenliste an Wiltrud Ysker.

Nach einem Ratsbeschluss sollen, dem Gleichheitsprinzip folgend, pro Ortsteil nicht mehr als 40 Hortplätze angeboten werden. Ob die Regelung beibehalten werden soll, war einer der Knackpunkte in der Diskussion.

Doch zunächst schilderte Ysker die angespannte Situation in Krippe, Kindergarten, Hort und Schule. 11 Krippenkinder und 13 Kindergartenkinder stehen im Ortsteil auf der Warteliste. Auch die Grundschule stoße an ihre Grenzen. Als Gründe nannte Ysker den Zuzug junger Familien durch Neubaugebiete, die Inklusion, also die Beschulung Heranwachsender mit Behinderung an Regelschulen, kleinere Klassen und den Zuzug von Flüchtlingen. 11 Inklusionskinder und 7 Flüchtlingskinder werden derzeit in Uesen beschult.

Um den Ausbau des Ganztagsangebots vorzubereiten, habe die Stadt bewusst zunächst die Horte räumlich an die Schulen gezogen. Es bestehe in vielen Teilen Niedersachsen eine Anwahl-Ganztagsschule, die gebundene (verpflichtende) GTS werde vielfach noch nicht bereitgestellt. Das Land müsse sich finanziell stärker an der Schaffung eines solchen Angebots beteiligen, so Ysker.

Hortbetreuung werde derzeit an mehreren Grundschulen angeboten, darunter Uesen, Baden und Bierden. Die Krux: Die Räume müssen Vorgaben des Landes entsprechen, also etwa geeignet sein, um dort Hausaufgaben zu erledigen. Das Hauptproblem jedoch stellen die Lehrerstunden dar.

„Da spielt die Landesschulbehörde nicht mit“, meinte Ysker. Falls man die Betreuungszeit um eine Stunde auf Kosten der Stadt verlängern würde, könnte das personellen Wechsel für die Schulkinder bedeuten – aus pädagogischer Sicht äußerst fragwürdig. Die gleiche Person könne rein rechtlich nicht „doppelt“ beschäftigt werden. „Es wird sich in diesem Jahr nichts tun“, verwies Ysker auf die klamme Haushaltslage der Stadt.

Karl-Heinz Lichter (CDU) plädierte dafür, die Beschränkung auf 40 Hortplätze für den Ortsteil Uesen aufzuheben. „Denn die Bedarfe haben wir auch in den Jahren 2017 und 2018 noch.“ WGA-Chef Wolfang Heckel unterstützte die Idee. Gabriele Sommer (Bündnis 90/Die Grünen) fand, dass Hortplätze den Eltern nicht weiterhelfen würden: „Wir brauchen eine Ganztagsschule in Uesen.“

Auch Petra Geisler (SPD) sprach von steigendem Bedarf: „Mama wartet heute nicht mehr mit dem Mittagessen.“ Sie forderte die Verwaltung auf, „unkonventionelle Lösungen“ zu finden. Die Kosten für Neubauten im Hortbereich könne man sich sparen, um stattdessen mit voller Kraft das Ganztagsangebot auszubauen.

Ysker gab zu, dass die heutige Familienrealität längere Betreuungszeiten erfordere, aber im Unterschied zum Kita- und Krippenbereich bestehe kein Rechtsanspruch auf einen Hortplatz.

Richtig emotional wurde Bürgermeister Rainer Ditzfeld beim Thema Nachmittagsbetreuung in der Schule. Dies sei aber nicht die einzige Ausgabe, die die Stadt zu tätigen habe. Und letztlich sei die Kommune nur für die „Hardware“, also Räume und Infrastruktur, zuständig, die „Software“ in Form von Lehrerstunden müsse das Land gewährleisten. Denn eine verlässliche Ganztagsschule erfordere, dass die Nachmittagsstunden von qualifizierten Kräften gestaltet würden.

Das Thema soll zunächst in den Fraktionen besprochen werden und kommt beim nächsten Fachausschuss wieder auf die Agenda. - ldu

Rubriklistenbild: © dpa

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