Feuerwehr bestürzt über drohende Abschiebung

„Wir wollen Bamba behalten“

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Der Achimer Feuerwehrmann Ibrahim Bamba zwischen den Feuerwehr-Chefs Thomas Köster und Ralf Mühlenstedt. Muss der Ivorer Achim und Deutschland verlassen? 

Achim - Von Manfred Brodt. „Nun ist es soweit: Unser ,Bamba', wie wir ihn liebevoll nennen, soll abgeschoben werden. Wir, die Kameraden der Ortsfeuerwehr Achim, in der sich Bamba seit Oktober 2016 engagiert, können das nicht glauben“, heißt es verzweifelt auf einer neuen Facebook-Seite der Aktiven der Achimer Feuerwehr.

Der Schwarzafrikaner Ibrahim Bamba war 2003 als 15-Jähriger vor dem Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste geflohen, über Mali, Algerien und Marokko nach Spanien gekommen, wo er ebensowenig internationalen Schutz beziehungsweise Asyl erhielt wie später in den Niederlanden. 2015 erreichte er Deutschland, wo sein Asylantrag unter Verweis auf das Dubliner Abkommen abgelehnt wurde.

Nach Kirchenasyl zu seinem Schutz durch die Freikirchliche Gemeinde in Achim arbeitet Ibrahim Bamba nun in Vollzeit und Schicht in der Verdener Keks- und Waffelfabrik und ist seit einem Jahr in den Reihen der Achimer Feuerwehr aktiv, die voll des Lobes für ihn ist. Wir berichteten.

Trotz bester Integration hat ihn nun das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aufgefordert, innerhalb einer Woche Deutschland zu verlassen. Andernfalls werde er abgeschoben. Zweieinhalb Jahre nach der Ausreise/Abschiebung darf er dann deutschen Boden nicht mehr betreten. Das Bundesamt begründet seine Entscheidung damit, dass es nach dem Ende des Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste die Bedrohung des Ivorers durch Rebellengruppen nicht mehr gebe. Das Land sei stabil und auf gutem wirtschaftlichen Kurs.

„Einer für alle, alle für einen“

Eine Abschiebung sei nur auszuschließen, wenn bei ihm eine Gefahr vorliege, die über die allgemeine Gefahr für die Bevölkerung hinausgehe und wenn die drohende Misshandlung ein Mindestmaß an Schwere erreichen würde, heißt es in emotionslosem Juristendeutsch.

Die Achimer Feuerwehr stellt entsetzt fest: „Ein junger Mann, der seit nunmehr einem Jahr unser aller Kamerad geworden ist, mit dem wir feiern und durch dick und dünn gehen, der mittlerweile gutes Deutsch spricht, der sich so engagiert und niemandem zur Last fällt, dieser Kamerad soll nun in ein Land zurück, zu dem er außer seiner Staatsangehörigkeit keinerlei Verbindung hat.“

Alle Vorurteile oder Probleme, die auf beide Seiten hätten zukommen können, hätten sich für die Wehr als nichtig herausgestellt. Sie hat ihn mit offenen Armen empfangen, und der Ivorer hat viel zurückgegeben.

„Lasst diesen jungen Mann nun doch endlich ankommen. Lasst ihn eine neue Heimat finden und ihn hier am Leben teilhaben“, appelliert die Feuerwehr. „Unseren Bamba jetzt abzuschieben, empfinden wir als schlichtweg unmenschlich.“

Unerträglich ist den Achimer Rettungskräften der Gedanke, sich von ihm an einem Flughafen verabschieden zu müssen. Sie wollen das nicht einfach so hinnehmen. „Wir wollen Bamba behalten, unsere Menschlichkeit und den Glauben in das Gute in unserem Staat nicht verlieren“, erklären die Floriansjünger. Für sie gilt mehr denn je: „Einer für alle, alle für einen.“

Siehe www.facebook.com/Menschlichkeit-für-Ibrahim-Bamba

Angemerkt von Manfred Brodt

Es ist absurd: Kriminelle Ausländer, Intensivtäter und gewaltbereite Hassgesichter können kaum abgeschoben werden. Einen Flüchtling aus der Elfenbeinküste, der Arbeit und Freunde gefunden hat, bei der Achimer Feuerwehr sich ehrenamtlich für seine Mitmenschen einsetzt, will man jetzt jedoch innerhalb einer Woche aus dem Land jagen. 

Ein junger Auszubildender, ein Mechatroniker, ist jüngst nach Afghanistan zurückgeflogen worden. Alle Entscheider werden sagen: „Ich habe doch meine Bestimmungen!“ Diese Geisteshaltung hat auch zur bekannten Tragödie des Hauptmannes von Köpenick und der Unterwürfigkeit im barbarischen Nationalsozialismus geführt.

Dann müssen die Bestimmungen beziehungsweise ihre Auslegung eben geändert werden, mit Sinn, Verstand und Menschlichkeit statt kalter abstrakter Logik gefüllt werden. In einer Zeit, in der Flüchtlinge auch als Arbeitskräfte geschätzt werden und ein Einwanderungsgesetz naht, muss nicht noch ein Exempel der Unmenschlichkeit statuiert werden.

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