Grüne ohne eigenen Kandidaten

„Wir sprechen keine Empfehlung für Bürgermeisterwahl aus“

Saskia Zwilling bekannte schon als Sprecherin des Stadtschülerrats, Bürgermeisterin werden zu wollen und nahm probeweise auf dem Chefsessel im Rathaus Platz. Die neue Vize-Vorsitzende der Grünen ist dafür noch zu jung.
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Saskia Zwilling bekannte schon als Sprecherin des Stadtschülerrats, Bürgermeisterin werden zu wollen und nahm probeweise auf dem Chefsessel im Rathaus Platz. Die neue Vize-Vorsitzende der Grünen ist dafür noch zu jung.

Achim – Bündnis 90 / Die Grünen treten bei der Bundestagswahl am 26. September erstmals mit einer eigenen Kanzlerkandidatin an. Annalena Baerbock will Angela Merkel (CDU) beerben. Wenn in Achim zwei Wochen vorher ein neuer Bürgermeister, eine neue Bürgermeisterin gewählt wird, sind die Grünen außen vor. Von den vier Kandidatinnen und Kandidaten geht niemand für die Ökopartei ins Rennen.

Warum die Achimer Grünen keinen eigenen Personalvorschlag für die Wahl des Stadtoberhaupts am 12. September anbieten und auch keine Empfehlung für einen der Aspiranten aussprechen, begründet Vorsitzender Dennis Reimers auf Nachfrage im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Wir wollten uns auf die Neuausrichtung konzentrieren“, sagt der 39-Jährige, der seit Mai den Ortsverband führt und Peter Bartram (80) auf diesem Posten abgelöst hat. Reimers, der von der ebenfalls neuen, erst 23-jährigen Stellvertreterin Saskia Zwilling bei der ehrenamtlichen Vorstandsarbeit unterstützt wird, spricht von einem „Generationenwechsel“, denn auch die langjährige Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Stadtrat, Silke Thomas, wird sich mit dem Ende der Ratsperiode Ende Oktober aus der Kommunalpolitik zurückziehen.

Ambitionen, selbst jemanden aus ihren Reihen für die Bürgermeisterwahl aufzustellen, hätten die Achimer Grünen allerdings dennoch gehabt. „Zwei Kandidaten wären in Frage gekommen“, verrät Reimers. „Aber sie haben aus beruflichen Gründen abgewunken.“

Dafür könnten die Grünen aber nun den einen oder die andere aus dem Quartett Rainer Ditzfeld (parteilos), Cornelia Schneider-Pungs (SPD), Dr. Nadine Fischer, die für die CDU antritt, und Marcel Dominic Bandowski (Freie Wähler) unterstützen? Machen sie jedoch nicht. „Wir verhalten uns komplett neutral“, betont Dennis Reimers. „Wir haben keine Wahlempfehlung ausgesprochen und werden das auch nicht machen.“

Für die Grünen sei es schwierig und unter Abwägung aller Argumente letztlich unmöglich gewesen, eine Präferenz für diese oder jene Person zu treffen. Alle Bewerberinnen und Bewerber hätten Positionen in ihren Programmen, „bei denen wir dafür oder dagegen sind“.

Reimers führt das Beispiel „Achim-West“ an. Ditzfeld und Schneider-Pungs sprächen sich klar für das Projekt aus, Fischer sei eindeutig dagegen; „bei Bandowski weiß ich es nicht so genau“. Viele der Gründe, weswegen die CDU-Kandidatin „Achim-West“ ablehne, „teilen wir“. Schwarz-Weiß-Malerei betrieben die Grünen aber auch in diesem Punkt nicht. „Achim muss sich weiterentwickeln“, sagt der Vorsitzende. Um ein gutes, ausreichendes Angebot etwa an Kindergärten und Schulen vorhalten zu können, benötige die Stadt Steuereinnahmen. Gradmesser beim Pro und Kontra in Sachen großes Gewerbegebiet „Achim-West“ sei für die Grünen neben der Frage der Finanzierbarkeit, „ob nachhaltig wirtschaftende Unternehmen angesiedelt werden. Die Logistikbranche wollen wir dort nicht.“

Bei der Bundestagswahl schicken die Grünen mit Annalena Baerbock, hier auf einem Plakat vor der Kreismusikschule an der Seite des Co-Vorsitzenden Robert Habeck, erstmals eine Kanzlerkandidatin ins Rennen. Die Achimer Parteigliederung hat keinen Anwärter für den ebenfalls im September neuzuwählenden Führungsposten der Stadt parat.

Bei der Bildungs- und Schulpolitik wiederum gebe es erheblich mehr Schnittmengen mit der SPD. Und das sei ja auch das Metier, in dem sich deren Kandidatin aufgrund ihrer bisherigen Jobs, unter anderem als Lehrerin, und aktuell als IT-Managerin für Digitalisierung an Schulen, gut auskenne. Leider habe Schneider-Pungs auf anderen Politikfeldern im Stadtrat „lange nicht mit großem Elan überzeugt“, bemängelt Reimers, fügt aber auch hinzu: „Immerhin hat sie sich in den letzten Monaten in alles schnell eingearbeitet.“

Die politische Newcomerin Fischer ist bisher im Stadtrat gar nicht vertreten und insofern für den Grünen ein „weitgehend unbeschriebenes Blatt“. Ihr bescheinigt er „Kompetenzen in Sachen Wirtschaft aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit“ in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Von Bandowski wisse er viel zu wenig. Ihn und seine politischen Vorstellungen kann Reimers „überhaupt nicht beurteilen“.

Neben inhaltlichen Fragen gehe es bei der Position des Bürgermeisters aber auch „um die Repräsentanz der Stadt nach außen“, zudem müsse der Chef der Verwaltung über Führungsstärke verfügen. In diesem Punkt sieht Dennis Reimers Amtsinhaber Ditzfeld „mit seiner Erfahrung auf diesem Posten“ und auch dem langjährigen kommunalpolitischen Engagement im Vorteil.

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