Achimer Geflügelzüchter bedauern erneute Stallpflicht

Vogelgrippe: „Wir müssen uns beugen“

Heinz-Hermann Huhs bedauert als Geflügelzüchter und Juror der Kleintierzuchtausstellung in Etelsen die erneute Stallpflicht.

Achim - Einen konkreten Fall der Vogelgrippe hat es in den Kreisen Verden, Rotenburg Osterholz, Stade und Cuxhaven bisher nicht gegeben, dennoch haben die jeweiligen Veterinärämter präventiv eine so genannte Aufstallung angeordnet: Um einen Kontakt mit Zugvögeln zu verhindern, müssen nun alle Geflügelhalter ihre Tiere wieder unter Verschluss halten. Achimer Geflügelzüchter betrachten das mit Sorge und Skepsis.

Die neue Regelung gilt bis zum 31. Januar 2017. Der Virus H5N8 gilt als hochansteckend und war vor wenigen Tagen in Schleswig-Holstein, am Bodensee sowie in Polen und Ungarn bei Wildvögeln nachgewiesen worden. In Schleswig Holstein sind deshalb bereits 30.000 Tiere gekeult worden.

Achimer Geflügelzüchter folgen schlechten Gefühlen der Stallpflicht. Schlimm sei die Situation vor allem für die Tiere: „Unsere Hühner, Zwerghühner, Enten, Gänse und Tauben wollen doch raus“, erklärt Heinz-Hermann Huhs, Präsident des Achimer Geflügelzuchtvereins. „Normalerweise gehen die nur nachts in ihre Ställe zum Schlafen oder zum Schutz vor Raubtieren und schlechtem Wetter.“

Experte ist skeptisch

Um sich wohl zu fühlen, bräuchten die Tiere frische Luft und Bewegung für ihr Wohlbefinden, für eine gute Legeleistung oder gegen Fettleibigkeit. Der Badener Zuchtexperte betrachtet die Maßnahme mit großer Skepsis: Es sei gar nicht nachgewiesen, dass die verendeten Wildvögel, die den Virus in sich trugen, auch tatsächlich daran gestorben seien.

„Bevor die Vogelgrippe 2005 entdeckt wurde, hat es den Virus mit Sicherheit auch schon gegeben“, vermutet Heinz-Hermann Huhs. „Tiere sterben nun einmal irgendwann.“

Außerdem bezweifeln die Züchter, dass ein Wildvogel mit Grippevirus große Strecken zurücklegen könne oder überhaupt flugfähig sei. Insbesondere Geflügelzüchter mit großen Rassetieren bereite die Stallpflicht Probleme, weil sie aus Platzgründen oft keine ausreichend großen Ställe vorhalten könnten.

Besonders leide Wassergeflügel wie Enten und Gänse, die ihrem natürlichem Drang nicht nachkommen könnten. Einen weiteren Nachteil führt Uwe Lohmann als Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Etelsen an: „Viele Züchter arbeiten das ganze Jahr für die Präsentation ihrer Tiere. Wenn nun die Veterinärämter bisher genehmigte Ausstellungen präventiv absagen, war die ganze Arbeit umsonst.“

Der Ausstellungsleiter befürchtet, dass viele Züchter deshalb ihr Hobby aufgeben könnten. Das wäre besonders bedauerlich, denn diese würden ihre Zuchttiere liebevoll aufziehen und sie lernten auch noch Gras kennen. „Aber wir müssen uns eben beugen“, sagt er resigniert.

Schließlich sollen an den bisherigen Vogelgrippen, auch Geflügelpest genannt, sich 800 Menschen angesteckt haben und die Hälfte davon soll gestorben sein, besonders in Afrika, Asien und dem Nahen Osten.

Bei dem jetzigen Virus soll diese Gefahr nicht bestehen, aber es könnte mutieren. 

sch

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