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Spritpreise führen zu Existenzängsten bei Achimer Unternehmern

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Von: Marvin Wennhold

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Die Spritpreise sind aktuell auf einem Rekordhoch. Das löst Unmut aus – vor allem bei Unternehmern, die auf tägliche Fahrten angewiesen sind.
Die Spritpreise sind aktuell auf einem Rekordhoch. Das löst Unmut aus – vor allem bei Unternehmern, die auf tägliche Fahrten angewiesen sind. © PRIVAT

Achim – Die Fahrt zur Tankstelle gleicht bei den aktuellen Preisen einem Albtraum – weit über zwei Euro werden für den Liter Diesel fällig. Bei E10 sieht es natürlich noch unschöner aus. Doch nicht jeder kann das Auto stehen lassen und sich auf das Fahrrad schwingen, um so den Geldbeutel zu schonen – vor allem Unternehmen sind häufig auf regelmäßige Touren mit Auto & Co.

angewiesen. In lediglich gut einer Woche, also seit Monatsbeginn, sind Diesel- und E10-Preise in die Höhe geschnellt. Jeweils um satte 56,5 beziehungsweise 37,5 Cent. Das hat der ADAC in einer Sonderauswertung bekannt gegeben. Eine nie da gewesene Preisentwicklung und ein Schock für Verbraucher – vor allem aber für diejenigen, die ihr täglich Brot mit Fahrten von A nach B verdienen. Wir haben daher bei Vielfahrern in Achim nachgefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

Einer davon ist Mahmut Göc. Er ist Inhaber des Taxiunternehmens Schierloh in Achim. Seine Flotte besteht aus insgesamt zwölf Fahrzeugen – und die müssen alle regelmäßig an die Zapfsäule. „Wir tanken etwa 5000 bis 6000 Liter Diesel im Monat“, sagt Göc. Bei den aktuellen Preisen sei das finanziell kaum noch zu stemmen.

„Wir fahren zwar weiter für unsere Kunden. Aber wir verdienen kein Geld“ – ganz im Gegenteil. Er mache Verluste, wie er im Gespräch verdeutlicht. „Wir machen aktuell ein Minusgeschäft. Die Preise müssen so schnell wie möglich angepasst werden. Ansonsten können Unternehmen wie wir es sind nicht lange durchhalten.“

Auch die Achimer „ABF Spedition“ spürt täglich die Auswirkungen der hohen Diesel-Preise. „Wir haben etwa 10 000 Euro Mehrkosten im Vergleich zum Vormonat – und das bei einer geringeren Laufleistung“, sagt Manuel Schendel, Disponent bei der Achimer Spedition.

Diese Kosten könnten demnach nur aufgefangen werden, indem man die Preise anhebe: „Wir haben unsere Preise an die Erhöhungen angepasst.“ In den vergangenen zwei Jahren habe es das kaum bei der Achimer Spedition gegeben. „Nun gab es für uns aber keine Alternative mehr. Unsere Branche ist dafür einfach zu abhängig vom Dieselpreis.“

Insgesamt bestünde die hauseigene Flotte laut Manuel Schendel aus etwa 25 Lkw. „Im Februar ist jedes unserer Fahrzeuge im Schnitt 7900 Kilometer gefahren.“ Dabei verbraucht ein Lkw in etwa 33 Liter pro 100 Kilometer, wie Schendel im Gespräch erklärt – ein Vielfaches mehr als bei einem normalen Auto. Gute Mathekenntnisse sind in dieser Rechnung nicht erforderlich, um nur zu erahnen, welche Kosten da zusammenkommen. Daher arbeite das Unternehmen auch gerade daran, sogenannte Leerfahrten, also Fahrten ohne geladene Transportgüter, zu verhindern. „Wir versuchen, das mit einer guten Planung weitestgehend zu verhindern.“ Das Achimer Logistikunternehmen steht dabei beispielhaft für die Branche, die durch die Preise an den Zapfsäulen unter Druck steht.

Erst kürzlich warnte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL): „Es droht schlicht und ergreifend eine Insolvenzwelle im deutschen Transportlogistikgewerbe.“ Demnach sei die finanzielle Belastungsgrenze vieler Transportunternehmen erreicht.

Doch nicht nur privaten Unternehmen treiben die Preise den Schweiß auf die Stirn – auch der öffentliche Nahverkehr ist größtenteils noch mit fossilen Brennstoffen unterwegs. Auch die Busse vom Achimer Bürgerbus-Verein müssen aufgetankt werden. Das geschieht nach der Schicht: „Jeden Abend machen wir den Tank bei unseren beiden Kleinbussen wieder voll. Das sind jedes Mal 30 bis 35 Liter im Schnitt“, sagt der Bürgerbus-Vorsitzende Herfried Meyer. Man merke die finanziellen Auswirkungen sehr. „Wir haben trotzdem weiterhin den Ehrgeiz, mit dem Geld, welches wir täglich einnehmen, die Kosten zu decken.“ Doch der Bürgerbus-Verein hat bekanntlich noch die Stadt Achim und einige Sponsoren im Rücken.

Die sorgen notfalls dafür, dass die Busse weiterrollen. Das sei laut Meyer auch wichtig, denn viele Achimer sind auf das Angebot angewiesen. Er habe den Eindruck, dass seit des enormen Preisanstiegs der ein oder andere Gast mehr in den Bussen sitzen würde.

Er vermute, dass der Bürgerbus-Service in Zukunft an Kundschaft hinzugewinnen könnte, sollte die Sprit-Krise weiter andauern. „Wir sind in einer zweischneidigen Situation. Einerseits freuen wir uns über mehr Fahrgäste – andererseits trifft uns natürlich auch der erhöhte Spritpreis.“

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