„Wir Alte zählen doch nichts“

Gehbehinderte Achimerin beklagt sich über Mängel und Rücksichtslosigkeit in Fußgängerzone

Für Menschen wie Hannelore Meier ist es nicht nur an Markttagen in der Achimer Fußgängerzone mühsam. Foto: BRODT
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Für Menschen wie Hannelore Meier ist es nicht nur an Markttagen in der Achimer Fußgängerzone mühsam.

Achim - Von Manfred Brodt. „Auf uns Alte nimmt man doch keine Rücksicht. Wir zählen doch nichts“, sagt die 83-jährige Hannelore Meier aus Achim, die mit ihrem Rollator zum Achimer Kreisblatt gekommen ist, um sich deshalb einmal Luft zu machen.

Da ist sie wieder über die Langenstraße gekommen, wo auf und an einem begehbaren Laufband Stühle und Tische eines gastronomischen Betriebs stehen, sowie durch die Obernstraße, wo die bequemen Laufbänder weitgehend durch die Wagen und Stände der Marktbeschicker zuggestellt sind. Hannelore Meier, die nach einem Sturz schwere Bein- und Hüftverletzungen sich zugezogen hatte, muss mit dem Rollator über das fußgängerfeindliche grobe Pflaster ruckeln wie so viele andere Marktbesucher, die ebenfalls mit dem Rollator unterwegs sind.

Aber nicht nur an Markttagen haben die gehbehinderten Menschen hier Probleme. Hannelore Meier, die auch im Namen einer Freundin spricht, die sich bei einem Sturz Rippen gebrochen hatte, fehlen besonders auf dem Bibliotheksplatz und vor der Marktpassage solche Laufbänder, und es regt sie auf, dass die vorhandenen oft von Geschäftswerbung und Ständern und gerade in der Langenstraße von Stühlen für Gastronomiegäste zugestellt sind.

Bei der Stadt Achim hatte sie sich darüber beschwert und nach einigen Tagen die Antwort erhalten, zwei Laufbänder müssten doch ausreichen. „Diese freche Antwort regt mich noch heute auf.“.

Was wenn sich zwei Menschen mit Rollator begegnen oder wie jüngst bei der Hitze, ein Senior mit Rollator einfach lange auf dem Laufband verweilt, um sich auszuruhen? Von Radfahrern, die hier ihre Rennstrecke sehen, ganz abgesehen.

Die Seniorin findet, dass alte gehbehinderte Menschen in der Innenstadt einfach zu wenig berücksichtigt werden.

Nicht nur von den Stadtplanern, sondern auch von Kunden an den Kassen von Verbrauchermärkten, die Alten mit Rollatoren keinen Vortritt ließen.

Die Klagen über die fußgängerunfreundliche Fußgängerzone jedenfalls sind nicht neu. Schon nach dem Bau dieser autofreien Zone in den 90er Jahren gab es massive Proteste und sogar Demonstrationen von Behinderten wegen des groben Pflasters. In der Herbergstraße hat man dann später breite Streifen mit Verbundpflaster angelegt, über die auch Rollatoren glatt rollen. Große Teile der Obernstraße sind dagegen uneben mit an die 1000 Löchern und Lücken, die ein Achimer mal gezählt hatte, und in gewissen Bereichen ganz ohne die bequemeren Laufplatten.

Hätte man beim Bau der Fußgängerzone zudem die Laufbänder intelligenterweise in die Mitte der Straßen gelegt, dann wären sie auch an Markttagen zu benutzen.

Doch für solche Änderungen ist es heute zu spät und viel zu teuer.

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