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„Winzige Abflussrinnen in Achim verstoßen gegen Gesetze“

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Von: Michael Mix

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Die Abflussrinne sei für den großen, zubetonierten Parkplatz An der Lehmkuhle viel zu klein, sagt Ingenieur Neumann.
Die Abflussrinne sei für den großen, zubetonierten Parkplatz An der Lehmkuhle viel zu klein, sagt Ingenieur Neumann. © Mix

Achim – Viele Leute stören sich an neuen „fetten“ Hochbauten, aber auch daran, dass die Außenflächen oft radikal versiegelt werden. Eine Entwicklung, die dem Klima und der Umwelt schadet – doch nicht nur das. „Architekten und Bauherren handeln häufig fahrlässig und verstoßen gegen bestehende Gesetze“, sagt der Achimer Diplom-Ingenieur Georg Neumann.

Denn die Abwassersatzung der Stadt schreibe vor, dass Niederschlagswasser grundsätzlich auf dem Grundstück zu versickern sei. Zudem verpflichte das niedersächsische Wasserhaushaltsgesetz jeden, sorgfältig mit dem anfallenden Nass umzugehen.

Als Beispiel für Umweltfrevel und Gesetzesverstöße führt Neumann einen Neubau am Rand der Innenstadt, An der Lehmkuhle 9, an. Neben dem mehrstöckigen Haus befinde sich ein Parkplatz mit 15 Stellplätzen, „und die Fläche ist mit Betonsteinpflaster völlig versiegelt“. An der Straßengrenze sei eine „winzige Abflussrinne“ eingebaut, die das Niederschlagswasser ableiten soll. „Das ist technisch unmöglich und völliger Unsinn“, urteilt Neumann. Auch sei die Rinne nach zwei, drei Jahren verstopft. „Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn bei Starkregen die Straße überflutet wird.“

Und was sagt die Stadt dazu? „Wir werden prüfen, ob da ein Fehlverhalten vorliegt“, antwortet Steffen Zorn, Leiter des Fachbereichs für Bauen und Stadtentwicklung, auf Nachfrage.

Georg Neumann hat ein Substrat-System entwickelt.
Georg Neumann hat ein Substrat-System entwickelt. © Mix

Georg Neumann bringt Alternativen ins Spiel. „Eine Lösung wäre, Kunststoffmulden in den Boden zu setzen und diese mit Substrat zu füllen, in dem das Wasser gereinigt wird und vor Ort versickert.“ Dieses System habe er vor 30 Jahren entwickelt und ein Patent darauf bekommen. Das von einer Firma aus Hamm vertriebene Geflecht halte sogar Öle und Schwermetalle, selbst den Reifenabrieb, zurück. Bei riesigen Parkplätzen, etwa in Einkaufszentren, könnten die „zertifizierten Substrate“ auch unterirdisch zum Einsatz kommen.

Für die Lehmkuhle-Fläche schlägt Neumann vor, eine Zufahrt zu schaffen, die aus Steinen mit Öffnungen besteht. Diese könnten dann mit Substrat gefüllt werden.

Dem 85-Jährigen fällt aber auch ein positives Beispiel bei dem Thema in Achim ein, nämlich den Ausbau der Bruchstraße, den die Anlieger ja in Eigenregie betrieben hätten. Neben der asphaltierten Fahrbahn seien auf jeder Seite begrünte Streifen übriggelassen worden, wo Niederschläge nun versickern könnten. Eine einfache, aber vorbildliche Lösung, lobt Georg Neumann und betont: „Denn Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel.“

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