Willkommenscafé für Flüchtlinge lädt erstmals Achimer ein: Gespräche, engagierter HipHop, landestypische Speisen / Weniger Besucher als erhofft

Sie möchten auch zurückgeben und gern sofort arbeiten

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Landestypische Gerichte aus dem Sudan werden hier in den Räumen des „Generationentreff“ an de Langenstraße zubereitet.

Achim - Ins „Willkommenscafé“ des Gemeindezentrums Achim-Nord (GZN), wo sich ehrenamtliche Betreuer gemeinsam mit den nach Achim gekommenen Flüchtlingen jeweils mittwochs von 15 bis 18 Uhr treffen, war jetzt die gesamte Bevölkerung eingeladen, und es lockte ein volles Programm.

Beteiligt waren daran auch das Jugendprojekt „PerspektivWechsel“ im „Weser-Aller-Bündnis Engagiert für Demokratie und Zivilcourage“ (WABE) und nicht zuletzt das Musikerheim „Dröönläänd“. Dieses hatte sofort bei der Organisation des Abendprogramms zugesagt.

Im „Generationentreff“ an der Langenstraße waren Flüchtlinge aus dem Sudan damit beschäftigt, landestypische Speisen vorzubereiten. Sowohl auf dem Vorplatz als auch in den Räumen versammelten sich Menschen. Angeregte Gespräche wurden geführt. Die Show aber stahl allen an diesem Nachmittag die kleine, am 25. Dezember vorigen Jahres in Achim geborene Rajan.

Die Flüchtlinge und Helfer in Achim sind gut vernetzt. Sie helfen sich gegenseitig und geben Informationen weiter. Die seit Oktober angebotenen Sprachbegleitkurse sind gut besucht. Begleitung bei Arzt- und Behördenbesuchen sowie beim Einkaufen gibt es täglich.

Die Idee zum gemeinsamen Kochen und Essen ist hier entstanden, erläuterten Betreuerin Heidi Franz und Joachim Schweers vom GZN.

Regula Selbmann (WABE) freute sich, dass die Hip-Hopper „Refpolk“ aus Berlin und Daisy Chain aus Athen die Einladung nach Achim sofort angenommen hatten. Beide Gruppen entstanden aus einem einen grenzüberschreitenden Musikprojekt. Refpolks Songs wenden sich gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus, vermitteln Motivation, Durchhaltevermögen, Ängste, Hoffnung und Solidarität.

Daisy Chain leben im krisengeschüttelten Athen und machen aus dieser Realität heraus Musik: Laut, kämpferisch und voller Energie.

In einem Workshop mit interessierten Jugendlichen über „Nationalismus und Rassismus im HipHop“ tauschten sich beide Künstler aus.

Infostände lokaler Initiativen gegen Neonazismus und für die Unterstützung geflüchteter Menschen fehlten ebenfalls nicht.

Dies sei eine Premiere, betonten Joachim Schweers, Regula Selbmann und Heidi Franz. „Wir wollen Erfahrungen sammeln und diese Art von Treffen ausbauen“.

Am Ende ist dann leichte Enttäuschung zu spüren. Einige Achimer mehr hätten sie schon erwartet. „Wir wünschen uns aus der Bevölkerung mehr Unterstützung der Flüchtlinge im Bewältigen des Alltagslebens hier“, betonte Schweers. Auch seitens der Politik sei unbürokratische Hilfen zur besseren Kooperation wünschenswert.

Die Angst vor Ausweisung ist groß. Einige Flüchtlinge haben schon Angst, zum Briefkasten zu gehen. Die Furcht, ihre Familie nicht versorgen zu können, sei ein weiteres Problem, war in einem Gespräch mit dem aus dem Sudan kommenden Haustechniker Muhamed zu erfahren.

Er lernt Deutsch, hilft bei der Achimer Tafel, würde aber lieber heute als morgen gern eine Arbeitsstelle antreten.

Die Flüchtlinge haben nämlich auch den Wunsch, „etwas zurück zu geben“. so Heidi Franz. Den Anfang dazu hätten einige jetzt schon gemacht.

hem

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