Eigenheimbesitzer versperren Landwirten den Weg

Wildwest im Steinweg

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Wenn Autos in den Engpässen des Steinwegs geparkt werden, kann es für große Fahrzeuge mehr als schwierig werden. 

Bierden - Von Manfred Brodt. High Noon am Freitagabend vor dem Deichfest in Bierden: Bierdener Landwirte, die eine Regenpause zum Ernteeinsatz genutzt haben, kommen abends gegen 21 Uhr bei der Rückkehr mit ihrem Mähdrescher und Traktor nicht mehr durch den neu und verkehrsberuhigt ausgebauten Steinweg, weil ein an einer Verengung geparktes Auto und ein kleiner Anhänger auf der anderen Seite von in der Neubausiedlung Kämpe wohnenden Anwohnern ihnen den Weg versperren.

Absichtlich sei das geschehen, meinen die beiden Nebenerwerbslandwirte Klaus Meyer und Klaus Mindermann. Jedenfalls gesellen sich zu der Blockade schnell der Autobesitzer und weitere Nachbarn aus der Neubausiedlung, und es folgt ein Wortgefecht.

Das sei ihre Straße, für die sie bezahlt hätten, und sie wollten sie nicht von den schweren Fahrzeugen der Landwirte kaputt fahren lassen, sagen Anwohner. Die Landwirte möchten wie in den vergangenen Jahrzehnten auch weiter ihrem Beruf nachgehen können und verweisen darauf, dass der Steinweg doch die allgemeine Hauptstraße nach Bierden sei. Das den Weg versperrende Auto wird trotz Aufforderung nicht weggefahren, und die Männer auf dem Mähdrescher müssen mit ihm wieder rückwärts auf die Bremer Straße rangieren und einen Umweg nach Hause suchen.

Es wurde nicht nur geredet an dem Abend, sondern von Kämpianern auch digital fotografiert. Und die Fotografen bringen die Fotos sowie die Meldung, die Bauern hätten sie beleidigt, auch zur Achimer Polizei.

Klaus Meyer dementiert gegenüber der Polizei, dass er ein mit A beginnendes Wort gebraucht habe. Der Mann ist hauptberuflich Gastwirt und Inhaber des bekannten Gasthauses „Zur Linde“ in Bierden und will doch Frieden im Dorf, wie er uns sagt.

Gegenseitige Rücksicht: Fehlanzeige

Auch Stefan Schuster, den Verkehrsplaner der Stadt, haben die Berichte und die Digitalfotos erreicht. Er stellt klar, dass auch landwirtschaftliche Fahrzeuge bis 3,50 Metern Breite durch den verengten Steinweg fahren dürfen. Mehr als 3,50 Meter gibt die Fahrspur an den sogenannten Nasen nämlich nicht her. Wenn nicht unnötig mit geparkten Autos die Stellen blockiert würden, sei das auch kein Problem weder für Landwirte noch für den Müllwagen oder den Schulbus. Von einem Parkverbot hält Schuster nichts und verweist auf Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung, der alle Verkehrsteilnehmer zu gegenseitiger Rücksicht auffordere. An der muss offensichtlich in Bierden noch gearbeitet werden.

Der Bierdener Landwirt Heinrich Hünecke ist deshalb auch sehr erbost. Es sei doch ein Unding, dass Neubürger alteingesessenen Landwirten aus Bierden, Embsen oder Etelsen den Weg und ihre Berufstätigkeit verwehren wollten. „Dann sollen sie doch dahin zurückgehen, wo sie herkommen“, schimpft er auf die Uneinsichtigen unter den Neuangesiedelten. Sie hätten im übrigen als Anwohner nur 46 Prozent der Straßenkosten von 550 000 Euro bezahlt. Den Rest bezahlten alle Achimer als Steuerzahler, weil es nun einmal die Hauptstraße nach Bierden sei.

Zerstörung für den Steinweg befürchtet

Hünecke fährt inzwischen nicht mehr über den Steinweg, weil er solchen Scherereien mit Mitbürgern aus dem Weg gehen will. Er benutzt statt dessen unbefestigte Straßen und Wege, die dadurch nicht besser werden.

Auch für den Steinweg befürchtet er Zerstörungen. Durch die von den Anwohnern durchgesetzten Verengungen führen nun alle schweren Fahrzeuge der Landwirte, der Müllabfuhr, der Holzhandlung Wilkens im Ort und der Schulbus über den gleichen Engpass. Bei dem dünnen Unterbau mit Schotter sei dann die neue Straße schnell wieder kaputt gefahren.

Das sieht der städtische Verkehrsplaner Stefan Schuster nicht so. Die Straße sei nach allgemeiner Norm gebaut worden, nicht mehr und nicht weniger.

Schuster sieht jedenfalls keinen Handlungsbedarf. Er wird auch nicht eine der neuen Laternen am Fußgängerüberweg und neuen Weg zur Schule abreißen lassen müssen, weil die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr dort nicht zur Schule durchkommen. Nach Gesprächen mit der Feuerwehr hat man sich geeinigt, für die Feuerwehr an der Stelle des alten Fußgängerüberwegs eine neue Zufahrt zur Schule zu schaffen. Da müssen nur Fahrradständer weg und Schotter aufgeschüttet werden. Bis Monatsende soll das erledigt sein.

Andere -menschliche - Zerrüttungen brauchen vielleicht länger.

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