Für Wertsteigerungen durch Soziale Stadterneuerung im Magdeburger Viertel sollen sie Ausgleichsabgabe zahlen

Stadt präsentiert Eigentümern Rechnung

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Bild aus vergangenen Zeiten vor der Sozialen Stadterneuerung.

Achim - Von Manfred Brodt. Nach 15 Jahren ist die Soziale Stadterneuerung im so genannten Magdeburger Viertel abgeschlossen, und auch die rund 500 bis 600 Eigentümer in diesem Gebiet bekommen nun die Rechnung präsentiert, was bei vielen von ihnen nicht gerade Freude auslöst.

6,2 Millionen Euro haben Bund, Land und Stadt zu gleichen Teilen in dem Gebiet mit unwirtlichen Hochhäusern und hohem Ausländeranteil investiert, und laut Gesetz ist die Stadt verpflichtet, Bürger für den vermuteten Wertzuwachs ihrer Grundstücke durch die Investitionen in Form einer Ausgleichsabgabe finanziell heranzuziehen. Betroffen sind Grundstückseigentümer im Geschosswohnungsbau in der Magdeburger, Leipziger, Dresdner, Chemnitzer, Halleschen Straße und Teilen der Friedrichstraße.

Während einer Versammlung diese Woche im Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße informierten Stadtplanerin Angelika Steinbach sowie vom Sanierungsträger Baubecon die Vertreterinnen Dammann und Heitmann einen Teil der Eigentümer per Film und Wortbeiträgen über die zweifellos erreichten Verbesserungen in dem Gebiet. Die heruntergekommenen Hochhäuser Schwarzer Container und Servicehaus sind unter hohem Kostenaufwand auch nach einer für die Stadt fehlgeschlagenen Versteigerung abgerissen worden, das Bürgerzentrum wurde erweitert, modernisiert, zu einem Ort der sozialen Hilfe, Integration, Sprach- und Hausaufgabenhilfe ausgebaut.

Eine grüne Mitte mit Freizeit-, Spiel- und Sportparcours ziert die Fläche des ehemaligen Betonriegels. Die Astrid-Lindgren-Schule wurde aus anderen Programmen rundum saniert und zur Ganztagsschule mit Mensa entwickelt. Wohnungen und Balkons wurden saniert.

Experten des Gutachterausschusses für Grundstücke Sulingen/Verden hatten genau heute vor einem Jahr festgestellt, dass die dadurch erreichten Wertsteigerungen in dem Gebiet mit zwei oder drei Euro pro Quadratmeter Grundstück zu honorieren sind. Dies gilt nur für den Geschosswohnungsbau, nicht für Einfamilien- und Reihenhäuser.

Dies zum Beispiel fanden die diese Woche versammelten Eigentümer ungerecht, denn von den Vorteilen partizipierten auch die Bewohner der Einfamilien- und Reihenhäuser an der Nordseite der Leipziger Straße und an anderen Straßen in dem Gebiet.

Angelika Steinbach stellte klar, das gesamte Programm Soziale Stadterneuerung habe von vornherein nur den Geschosswohnungsbau betroffen und kleinere, niedrigere Häuser nie erfasst. Auch die Nordseite der Leipziger Straße ist außerhalb des Sanierungsviertels.

Von der sozialen Stadterneuerung profitiere natürlich die ganze Stadt weit über das enge Sanierungsviertel hinaus, räumte sie ein.

Einige Anwohner sehen dennoch keine großen Vorteile, sondern meinen, dass das früher Achim-Nord genannte Gebiet ein sozialer Brennpunkt bleibe, dass die Werte der Grundstücke und Häuser im Fallen begriffen seien. Das Geschäftszentrum an der Friedrichstraße sei in der früheren Form auch Vergangenheit. Also nichts von toller Aufwertung.

Die Stadtplanerin und die Vertreter der Baubecon unterstrichen, dass die Stadt verpflichtet sei, die Ausgleichsabgabe der Eigentümer zu erheben, wenn sie nicht die Zuschüsse von Bund und Land verlieren wolle. Bei einem Gesamtprogramm von über sechs Millionen Euro betrage der Anteil der Eigentümer auch nur 150 000 Euro, etwa zwei Prozent der Gesamtsumme, während bei anderen wertsteigernden Arbeiten die Eigentümer mit ganz anderen Prozentsätzen belastet würden. Die höchsten im nächsten Jahr zu zahlenden Ausgleichsabgaben liegen nach Stadtangaben für Eigentümer unter 500 Euro.

Beruhigen konnte das die Versammelten trotzdem nicht. Die Versammlung endete vorzeitig lautstark. Eine zweite für die zweite Hälfte der rund 600 Eigentümer soll in diesem Jahr noch folgen.

Manche Eigentümer im Magdeburger Viertel überlegen nun, ob sie durch Unterschriftenaktionen und juristische Schritte gegen ihren finanziellen Beitrag zur Aufwertung des Magdeburger Viertels und gegen die von ihnen kritisierten Ungerechtigkeiten vorgehen.

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