„Bin großer Verfechter des Ortsausschusses“

Werner Wippler (SPD) ist neu im Achimer Rat und vertritt den Bürgermeister

Einer von zwei stellvertretenden Bürgermeistern: der Sozialdemokrat Werner Wippler.
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Einer von zwei stellvertretenden Bürgermeistern: der Sozialdemokrat Werner Wippler.

Achim – Getreu dem Motto „Aller guten Dinge sind drei“ ist Werner Wippler kürzlich in seine erste Amtszeit als Mitglied im Rat der Stadt Achim gestartet. Zweimal zuvor hatte der Sozialdemokrat bereits Anlauf genommen, nun ist er Teil des Gremiums. Und: Wippler ist neben Rüdiger Dürr (CDU) zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt worden. Grund genug, den Neuzugang, der politisch aber längst ein alter Bekannter für die Achimer ist, zu interviewen. Die Fragen stellte Juliane Klug.

Bisher waren Sie beratendes Mitglied im Ortsausschuss, zuletzt im Sozialausschuss. Jetzt sind Sie nicht nur in den Stadtrat gewählt worden, sondern auch gleich noch zum stellvertretenden Bürgermeister. Wie fühlen sich diese neuen Ämter auf den ersten Metern an?

Das ist eine spannende neue Erfahrung für mich. Ich hatte ja auch nach drei Tagen im Amt einen größeren Auftritt. Völlig unbedarft wie ich war, durfte ich den Bürgermeister beim Kreislandfrauentag mit 200 Frauen bei Meyer-Bierden vertreten. Das war schon interessant für mich, weil das ein großer Auftritt war und ich noch gar nicht wusste, wie die Aufgaben en détail sind.

Kommen wir mal zur Politik. Welche Themen liegen Ihnen als Ratsmitglied für Achim und Bierden besonders am Herzen?

Mir geht es in erster Linie darum, dass es eine stärkere Bürgerbeteiligung gibt als in der Vergangenheit. Bürger müssen sich mehr zu gewissen Prozessen äußern dürfen, das muss mehr wahrgenommen werden – ernsthaft wahrgenommen werden. Insofern bin ich ein großer Verfechter des Ortsausschusses, bei dem viele Parteien Änderungsbedarf sehen. Ich sehe den nur in der Form, als dass die Bürger in Ortsausschusssitzungen stärker vertreten werden müssen, dass sie dort mehr Mitspracherecht haben bei Prozessen. Zum Beispiel bei Bauprozessen. Da ist wichtig, allen die Möglichkeit zu geben, an Informationen zu kommen, dass man das nicht erst abfrühstückt und dann sagt: Jetzt dürft ihr „Ja“ oder „Nein“ sagen, sondern dies im Vorfeld tut. Wenn ein Investor sagt, ich möchte dort etwas bauen, dann sollte man die Bürger bei öffentlichen Veranstaltungen davon in Kenntnis setzen.

Der zweite Punkt, der mir wichtig ist, sind Kinder. Ich bin Großvater und darum sind mir Themen wie das Kita-Angebot und die Grundschule als Ganztagsschule wichtig – und dass darüber hinaus auch an gesundes Essen gedacht wird.

Sie haben im Wahlkampf mit dem Slogan geworben „Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen“. Wie wollen Sie Menschen erreichen, die der Politik immer vorwerfen, dass sie von alten grauen Herren in Hinterzimmern betrieben wird?

Ich bin zwar auch ein alter grauer Herr, aber ich möchte Politik nicht im Hinterzimmer machen, deswegen ist Bürgerbeteiligung wichtig und da haben wir noch ganz viel zu tun. Wir als Achimer SPD bieten an jedem ersten Donnerstag im Monat einen Stammtisch für alle Bürger in einem Restaurant an. Im Regelfall ist das ein Treffen bei Abo im Hallenbad. Dort unterhalten wir uns in lockerer Runde über Themen, die in Achim gerade en vogue sind. Wir versuchen, die Themen von dort auch immer aufzugreifen. Das ist uns ab und an auch schon gelungen – etwa bei den Radwegen. Da war das Interesse groß. Wir sind auch als SPD mit „öffentlichen Fraktionssitzungen“ in die Ortsteile Uphusen, Bierden oder Baden gegangen, wenn es eine Neuigkeit gab, und haben gesagt: Lasst uns drüber sprechen. Die SPD ist da immer nur der Initiator gewesen, das waren keine parteipolitschen Veranstaltungen nach dem Motto: Wir haben alles richtig gemacht oder wir machen alles richtig. Sondern wir wollen die Bürger hören, bevor etwas passiert.

Wir müssen noch einmal kurz zurückspringen. Sie haben eben von dem SPD-Stammtisch erzählt. Das klingt aber doch wieder danach, als spreche das nur ein ganz bestimmtes Publikum an. Wie schaffen Sie es, auch mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Ich habe gesehen, Sie sind bei Facebook...

...ganz wenig. Ich habe das auch erst kurz vor der Wahl aktiviert. Da tue ich mich ein bisschen schwer, muss ich ehrlich zugeben. Es tun sich alle Parteien schwer damit, junge Leute zu generieren. Da machen auch wir sicherlich nicht alles richtig. Bei den Stammtischen sind auch mal junge Leute dabei – aber es kommt immer darauf an, um welches Thema es sich handelt. Als wir über Radwege gesprochen haben, da waren junge Leute da, oder über Schule. Es ist auch schon mal eine andere Ratsfrau zu uns gekommen, um zu erfahren: Was machen die denn da? Das ist eine jüngere Frau in den Dreißigern. Damals haben wir über Ganztagsschulen geredet.

Können Sie zum Abschluss noch ein paar erste Eindrücke aus dem Stadtrat schildern? Ich weiß, da ist bisher noch nicht viel passiert, aber vielleicht haben Sie ja doch schon etwas mitgenommen bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums.

Es ist wirklich noch nicht viel passiert bei der Sitzung in der Realschule. Die ganze Erfahrung ist in Zeiten von Corona allerdings eine andere, man sitzt anders als im Ratssaal, hat andere Menschen um sich herum. Die Mischung des Rates hat sich ja völlig verändert im Vergleich zu vorher. Wir haben das erste Mal die AfD im Rat, wir haben einen Freien Wähler drin, das war vorher auch nicht der Fall. Insofern muss man mal schauen, wie die einzelnen Personen ticken und wie wir miteinander klarkommen. Das wird sich erst in der Arbeit zeigen.

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