„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“

Das Landgut Bollen verkauft Kartoffeln im Automaten

Kartoffeln aus dem Automaten: Geschäftsführerin Katja Schwede an einem der drei Automaten, hier in Bollen.
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Kartoffeln aus dem Automaten: Geschäftsführerin Katja Schwede an einem der drei Automaten, hier in Bollen.

Bollen – „Tante Emma war gestern, heute ist Onkel Bollen!“ Mit diesem Leitspruch wirbt das Landgut Bollen seit einiger Zeit für seine Produkte – und in erste Linie für die Bollener Knolle, die Kartoffel direkt vom Bauern. „Es wäre schön, wenn sich dieser Begriff künftig verselbstständigen würde“, sagt Geschäftsführerin Katja Schwede, wohlwissend, dass es diesbezüglich noch Nachholbedarf gibt.

Kürzlich im Supermarkt sei es ihr so gegangen: Als sie ihre Produkte dort verteilte, fragte eine Kundin nach einer anderen Kartoffel. „Warum wollen Sie diese denn nicht?“, habe sie gefragt. Die Antwort: „Weil ich sie noch nicht kenne.“

Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Dennoch ist es erstaunlich, was Katja Schwede und ihre Mitstreiter in kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben. Schwede, eigentlich Finanz- und Versicherungsmaklerin, hatte gemeinsam mit dem befreundeten Landwirt Marco Vogt darüber sinniert, was man tun könne, um die Kartoffeln des Bauern besser zu vermarkten, der diese auf mehreren Hektar anpflanzt. „Verkaufen ist verkaufen, und das kann ich“, sagte sich Schwede – und auch das schnelle Umsetzen liegt ihr. Nachdem die Idee im Oktober vergangenen Jahres geboren worden war, wurde das Landgut bereits im Dezember gegründet. Im Februar begann der Verkauf, und im März kamen mit den drei Verkaufsautomaten ganz wesentliche Bausteine hinzu. Denn: Kartoffeln im Automaten, wo gibt es das sonst?

Insgesamt sind es drei Automaten, die in Bollen, direkt in Achim und in Verden aufgestellt wurden. „Am Anfang hatten wir etwas Probleme mit der Technik“, räumt Schwede ein, da habe manches nicht so wie versprochen funktioniert, aber seit einiger Zeit liefen die Geräte wie geschmiert (wovon sich der Schreiber dieser Zeilen selbst überzeugen konnte). Und es sind beileibe nicht nur Kartoffeln, die sich der Kunde rund um die Uhr (auch sonntags) „ziehen“ kann: Fleisch gibt es ebenso zu erwerben wie Getränke, Süßigkeiten und sogar einen Mittagstisch. Schwede ist es wichtig zu betonen, dass das Unternehmen – das von den Familien Schwede und Vogt gemeinsam betrieben wird – ausschließlich mit regionalen Firmen zusammenarbeitet. Katja Schwede greift hierbei unter anderem auch auf ein Netzwerk von Frauen aus Verden zurück, in dem sie organisiert ist.

Die Automaten würden von den Kunden schon gut angenommen: Im April zählte Katja Schwede rund 900 Verkäufe – für den Anfang schon mal kein schlechtes Ergebnis. Zielsetzung ist es, so viel abzusetzen, dass das Landgut zwei Mitarbeiter einstellen kann, die die Automaten regelmäßig bestücken – im Moment machen die Familien dies noch selbst. Der große Vorteil des Verkaufs über Automaten: Durch den Direktverkauf fällt der Zwischenhändler weg, der Verdienst für den Landwirt ist dadurch größer – ein ganz wesentlicher Impuls für die Unternehmensgründung.

Die Automaten alleine würden indes nicht den gewünschten Effekt bringen, also werden auch die Supermärkte mit Kartoffeln beliefert. Neun sind es mittlerweile, von Bremen-Hastedt über Achim bis nach Oyten, auch der Weserpark wird beliefert – auch hier möchten Schwede und ihre Mitstreiter sich langfristig noch ausdehnen. Schwede, die nach wie vor noch ihren Hauptjob ausübt, strahlt einen unerschütterlichen Optimismus aus: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt sie.

Ein angenehmer Nebeneffekt sei, dass ihre zwei 11- und (fast) 14-jährigen Söhne einiges von der Wirtschaft mitbekommen würden: „Sie lernen, dass unendlich viel daran hängt und dass Einnahme nicht gleich Gewinn bedeutet.“ Den Optimismus schmälert das in keinster Weise. Und die Zuversicht wird schließlich auch noch von einer ganz einfachen Erkenntnis genährt, die da lautet: „Unsere Kartoffel schmeckt einfach.“

Von Frank Schümann

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