Stelle beim Landkreis hilft allen Betroffenen

Wenn der Unterricht Angst auslöst und verweigert wird

Das Team der Koordinierungsstelle Schulverweigerung, von links: Martin Blömer, Daniela Deckers und Insa Sanders. - Foto: Hemmen
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Das Team der Koordinierungsstelle Schulverweigerung, von links: Martin Blömer, Daniela Deckers und Insa Sanders.

Landkreis Verden - Schulverweigerung – es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht auf die eine oder andere Weise mit diesem Thema konfrontiert war. Auch hiesige Schüler, Eltern und Lehrer kennen das.

Seit 2009 gibt es beim Landkreis Verden im Fachdienst Jugend und Familie die Koordinierungsstelle Schulverweigerung, die im Rahmen des Programms „Jugend Stärken im Quartier“ vom Familien- und Umweltministerium des Bundes und dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Deutschland verfügt bisher über keine systematische Erfassung der Schulversäumnisse schulpflichtiger Kinder und Jugendlicher. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nimmt an, dass von den insgesamt zwölf Millionen Schülern in Deutschland etwa zehn Prozent den Besuch der Schule über mehrere Wochen und teilweise über Monate hinweg verweigern. An den allgemeinbildenden Schulen wird von ein bis zwei Prozent der Schüler ausgegangen, die dem Unterricht komplett fernbleiben.

Unentschuldigtes Fehlen als erstes Anzeichen

Daniela Deckers und Martin Blömer aus der Koordinierungsstelle Schulverweigerung des Landkreises haben über die Jahre ein Beratungs- und Hilfeangebot für Betroffene zusammen mit den Schulen aufgebaut.

„Deutliche Anzeichen für eine Schulverweigerung sind unentschuldigtes Fehlen an ganzen Tagen oder in bestimmten Schulstunden sowie dauerhaftes Zuspätkommen“, erklärt Daniela Deckers. Aber auch entschuldigte Fehltage mit undifferenzierten Diagnosen könnten ein Hinweis darauf sein, dass das Kind sich in der Schule nicht wohlfühle und versuche, dieser Situation auszuweichen.

„Außerdem gibt es Formen passiver Schulverweigerung“, ergänzt Martin Blömer. Die Schüler seien zwar körperlich anwesend, zeigten aber kaum Interesse oder Beteiligung am Unterricht. Wenn dieses Verhalten sich auf mehrere Fächer ausdehne, sei dies ein Warnsignal.

Frühe Reaktion ist wichtig

„Bei Schulverweigerung ist es wichtig, möglichst früh zu reagieren“, betont Deckers. Je länger ein Schüler fehle, desto schwieriger werde es für ihn, den Wiedereinstieg zu schaffen. Denn ihm fehle nicht nur das Schulwissen, das er versäumt habe. Er müsse sich oft erst wieder im Klassenverband zurechtfinden und dabei vielleicht sogar feststellen, dass der ehemals beste Freund seine Pausen jetzt lieber mit jemandem verbringe, der zuverlässig in der Schule sei.

Die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle unterscheiden zwischen Schulangst, Schulphobie und Schulverweigerung. „Eine Schulangst kündigt sich meistens langsam an“, wissen Deckers und Blömer.

Das Kind fühle sich nicht ganz glücklich in der Schule, würde lieber zu Hause bleiben oder immer wieder Entschuldigungen, beispielsweise wegen Kopfweh oder Bauchschmerzen, benötigen. Wichtig sei es dann, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen.

Als Eltern sollte man eine Gelegenheit abwarten und sich in einer ruhigen, entspannten, Situation zusammen mit dem Kind dem Thema vorsichtig und in kleinen Schritten nähern. Auch ein Gespräch mit der Lehrkraft oder der Schulleitung könne hilfreich sein.

Bei einer Schulphobie sei die Schule nur das Umfeld, in dem sich ein anderes Problem ausdrücke. So könnten beispielsweise bedrückende familiäre Probleme, schwere Krankheiten im Umfeld der Schüler oder Angstzustände, die ein Verlassen der häuslichen Umgebung unmöglich machen, eine Schulphobie auslösen. In diesen Fällen ist eine therapeutische Behandlung ratsam.

Vielfältige Gründe für Schulverweigerung

Die Gründe für eine Schulverweigerung sind vielfältig. Sie reichten von Schwierigkeiten im häuslichen Umfeld über Wohnungs- und damit verbundene Schulwechsel sowie Problemen beim Übergang zur weiterführenden Schule bis hin zu Mobbing, Suchtverhalten oder die zu hohe oder zu niedrige Erwartungshaltung der Eltern, so die Experten.

Die Koordinierungsstelle Schulverweigerung bietet in solchen Fällen eine erste vertrauliche Beratung für betroffene Schüler, Eltern, Lehrer, Schulsozialarbeiter oder Verwandte, die diese Problematik erkennen. Die Beratung kann auch anonym in Anspruch genommen werden. Längerfristig können Schüler von der Koordinierungsstelle Unterstützung in allen Lebensbereichen erfahren, die im Zusammenhang mit dem Schulbesuch stehen.

Die Koordinierungsstelle macht Gruppenangebote, in denen sich die Schüler gegenseitig unterstützen und helfen, in denen sie lernen, Vertrauen aufzubauen und sich nicht mit ihrem Problem alleingelassen zu fühlen.

Zugleich wird in Gruppentreffen der versäumte Unterrichtsstoff aufgeholt. Schulwissen soll auch über praktische Arbeiten in speziellen Angeboten vermittelt werden, um den Schülern zu zeigen, dass Erlerntes praktisch anwendbar ist. Darüber hinaus gibt es für die Programmteilnehmer Ferien- und Aktionswochen, in denen vormittags unterstützender Unterricht und nachmittags Sport, Spiel und Spannung auf dem Programm stehen.

hem

Die Koordinierungsstelle Schulverweigerung ist wie folgt zu erreichen: 

Daniela Deckers, Telefon 04231/15184, E-Mail daniela-deckers@landkreis-verden.de und Martin Blömer, Telefon 04231/15547, E-Mail martin-bloemer@landkreis-verden.de.

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