Auch die Stadt bemerkt die Corona-Auswirkungen – im Schlechten wie im Guten

Weniger Steuern, aber mehr Bewerber

Spüren die Auswirkungen von Corona auf die Stadt: Kämmerer Peter Hollwedel (l.) und Bürgermeister Rainer Ditzfeld. Foto: Bischoff
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Spüren die Auswirkungen von Corona auf die Stadt: Kämmerer Peter Hollwedel (l.) und Bürgermeister Rainer Ditzfeld.

Achim - Von Sandra Bischoff. Die Auswirkungen der Corona-Krise spürt auch die Stadt Achim. Am deutlichsten bei der Gewerbesteuer. „Wir merken jetzt, dass die Unternehmen die Gewerbesteuervorauszahlungen reduzieren. Aber wir haben in Achim das Glück, dass wir eine große Branchenvielfalt haben“, sagt Bürgermeister Rainer Ditzfeld.

Bereits Ende April hatte die Stadt verkündet, die Ausgaben ab Mai um zehn Prozent zu kürzen. „Das bezieht sich nicht auf Investitionen oder Personalkosten“, erklärt Kämmerer Peter Hollwedel. Vielmehr gehe es darum, beispielsweise Kosten für Fortbildungen einzusparen, die zurzeit sowieso nicht stattfänden. Ähnliches gelte für Veranstaltungen, die die Stadt üblicherweise finanziell unterstütze wie etwa Aktionen für Kinder oder Feste. „Das, was wir bereits auf den Weg gebracht haben, ist nicht mehr rückgängig zu machen“, erklärt der Finanzfachmann. Geplante Bauvorhaben für Kindertagesstätten oder Feuerwehrhäuser seien somit nicht in Gefahr. „Wir benötigen diese Investitionen auch. Es hat ja schließlich einen Grund, warum wir Kitas bauen“, sagt Hollwedel und nennt den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Betreuungsplatz. Zudem sei es Aufgabe der Kommunen sich antizyklisch zu verhalten und vor allem dann zu investieren, wenn die Konjunktur schwächelt.

Doch trotz aller Versuche, die Ausgaben zu reduzieren, sieht es auf der Einnahmenseite zurzeit ebenfalls nicht gerade rosig aus. Denn wenn die Unternehmen weniger erwirtschaften, sinkt auch die größte Einnahmequelle der Stadt, die Gewerbesteuer. Unternehmen haben laut Hollwedel zurzeit die Möglichkeit, Steuernachzahlungen aus vergangenen Jahren stunden zu lassen.

Eine weitaus größere Lücke entsteht ihm zufolge jedoch durch die Herabsetzung der Gewerbesteuervorauszahlungen. Rechneten Hollwedel und seine Kollegen Mitte März noch mit Vorauszahlungen in Höhe von 17 Millionen Euro für das laufende Jahr, so seien diese bis Mitte Mai bereits um knapp fünf Millionen Euro gesunken. Zusammen mit den Nachzahlungen der vergangenen Jahre geht Hollwedel Ende des Jahres von einem Fehlbetrag in Höhe von acht Millionen Euro aus. Die Kommune hofft nun auf Unterstützung von Bund und Land, die an einem entsprechenden Papier arbeiten. „Die Frage ist natürlich: Was bleibt für uns als Kommune, die mit rund sechs Millionen Euro eher gering verschuldet ist, hängen?“, sinniert der Bürgermeister.

Nichtsdestotrotz stehe Achim nicht schlecht da. „Wir haben gut gearbeitet und mussten keinen Liquiditätskredit aufnehmen. Eine Maßnahme könnte aber sein, dass wir uns in Zukunft wieder über Kredite finanzieren müssen. Der Luxus, den wir aufgrund der guten Konjunktur hatten, ohne Kredite auszukommen, der ist vorbei“, sagt Hollwedel.

Richtiggehend vorbereiten könne sich die Verwaltung nicht auf Situationen, wie sie die Pandemie zurzeit mit sich bringt. „Ich glaube, wir gehen verantwortungsvoll mit unseren Haushaltsmitteln um. Davon abgesehen sind die Investitionen, die wir in unserem Haushalt haben kein Luxus, sondern notwendig“, sagt Kämmerer Hollwedel. Auch die darin aufgelisteten freiwilligen Leistungen wie zum Beispiel kulturelle Angebote hätten ihre Berechtigung. Diese zu streichen, um Geld zu sparen, hält der Bürgermeister für falsch. „Es kann nicht sein, dass wir nur noch verpflichtende Maßnahmen in Achim haben. Das funktioniert nicht.“

Trotz Corona und der noch nicht endgültig absehbaren Auswirkungen der Pandemie beginnen die einzelnen Fachbereiche in der Verwaltung in absehbarerer Zeit damit, den Doppelhaushalt 2021/2022 aufzustellen, berichtet Ditzfeld. „Allerdings werden wir ihn nicht dieses Jahr verabschieden, sondern erst im kommenden Frühjahr, weil wir dann verlässliche Zahlen haben, was zum Beispiel die Entwicklung der Gewerbesteuer angeht.“

Aber auch einen guten Aspekt bringe die derzeitige Krise für die Stadt mit sich, sagt Ditzfeld. „Bei unseren Stellenausschreibungen stellen wir fest, dass wir plötzlich mehr und ganz andere Bewerber ansprechen, die nun wertschätzen, welchen sicheren Arbeitsplatz eine Kommune bietet.“

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