Weichenstellerin für die elterliche Bindung

Familienhebamme Dorothee Schlüter bietet Hilfe im präventiven Bereich

+
Dorothee Schlüter ist über die Sozialpädagogische Familienhilfe angestellt, und im ganzen Landkreis im Bereich Hilfen für Erziehung unterwegs. Aber auch präventiv steht die Familienhebamme Eltern zur Seite: Seit fünf Jahren ist Schlüter Ansprechpartnerin für Familien aus dem Nordkreis.

Achim/Landkreis - Von Lisa Duncan. In der Stadt Achim gibt es mehr Geburten als in Verden, dennoch wird das freiwillige, präventive Angebot der Familienhebammen im Landkreis Verden, das nun bereits seit fünf Jahren besteht, in dem Weserort viel weniger genutzt. Woran das liegt, darüber kann Dorothee Schlüter, für den Nordkreis zuständige Familienhebamme, nur spekulieren.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind häufig schreit? Welche gemeinsamen Spiele stärken die Bindung zum Kind? Mit diesen und ähnlichen Fragen rund um die Kindererziehung können sich Mütter und Väter im Landkreis Verden an eine Familienhebamme wenden – präventiv und freiwillig. Hintergrund: Nach der Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes von 2012 hat die Bundesinitiative der Frühen Hilfen ein Präventivprogramm mit Familienhebammen ins Leben gerufen. Im Landkreis Verden besteht das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Angebot seit fünf Jahren.

Da traditionelle Familienmuster mit drei Generationen in einem Haus der Vergangenheit angehören, und so die Rat gebende Großmutter jungen Eltern nicht mehr täglich zur Seite stehe, fühlten sich viele beim ersten Kind überfordert oder hätten Angst, etwas falsch zu machen, weiß Dorothee Schlüter. „Manche melden sich auch erst beim zweiten Kind, wenn es unruhiger ist als das erste.“

Hinzu komme, dass immer mehr Flüchtlingsfamilien im Kreis wohnten. Sie suchten oft Beratung aufgrund der Tatsache, dass Elternschaft in Deutschland anders gelebt werde als im Herkunftsland, stellt Schlüter fest. „In Syrien und Eritrea ist es beispielsweise üblich, dass die Kinder nach der Geburt ein halbes Jahr zu den Schwiegereltern gegeben werden“, so Schlüter. In dieser Zeit konzentrierten sich die Mütter auf Gesundheit und Haushalt. Eine Strategie, die ohne den familiären Rückhalt nicht umsetzbar sei. Schlüter arbeitet in diesen Fällen mit einem Dolmetscher, zeigt aber auch vieles nonverbal. „Wie mache ich eine Babymassage oder beruhige mein Kind, wenn es schreit? Das geht ohne Worte.“ Oft seien die Familien dankbar für die Unterstützung. Auch später hielten viele Eltern den Kontakt zur Familienhebamme, die in dieser Zeit für sie zu einer Vertrauensperson geworden sei.

Präventiv mit Familien zu arbeiten, ist auch für Dorothee Schlüter eine relativ junge Erfahrung. Die gebürtige Kölnerin schloss 1990 ihre Ausbildung zur Hebamme ab und blieb dann noch einige Zeit beruflich in der Heimatstadt. 1996 zog sie nach Quelkhorn, und beendete im Jahr 2007 ihre erste Ausbildung zur Familienhebamme – ein Berufsfeld, das sich damals erst entwickelte. Seit 2012 ist sie staatlich anerkannte Familienhebamme. Im selben Jahr begann der Landkreis damit, Familienhebammen präventiv einzusetzen.

Schlüter ist darüber hinaus seit 2007 für den gesamten Landkreis im Bereich Hilfe zur Erziehung (HZE) zuständig. Sofern das Jugendamt einen begründeten Verdacht auf Kindeswohlgefährdung hat, werden Familienhebammen im HZE-Bereich eingesetzt. Diese Kriseninterveniton übernimmt der Verein „Sozialpädagogische Familien- und Lebenshilfe“ (Sofa) für den Landkreis. Darum ist Schlüter auch bei „Sofa“ angestellt.

Betreuung von acht Familien

In Achim betreut die Quelkhornerin zur Zeit acht Familien präventiv, darunter größtenteils Geflüchtete. Sie weiß, ohne Zahlen nennen zu können, dass ihre beiden Verdener Kolleginnen von sehr viel höheren Fallzahlen berichten. „Vielleicht ist es die Nähe zu Bremen.

Viele Achimer fahren zum Entbinden in ein Bremer Krankenhaus, und sind dort dementsprechend bereits vernetzt“, vermutet Schlüter. Im Kontrast dazu stellt die 53-Jährige fest, dass das Jugendamt ihr im Nordkreis zunehmend Fälle zuweist. 20 Familien betreut sie derzeit im HZE-Bereich, neben Achim auch in Oyten und Ottersberg.

Das Präventivangebot der Bundesinitiative Frühe Hilfen setzt darauf, dass es gar nicht erst so weit kommt: „Wir wollen nicht nur schwierige Familien, sondern alle erreichen“, so Schlüter. Deswegen handle es sich um ein niederschwelliges Angebot, das am Bedarf der Familien orientiert sei. Ziel: Eltern ermöglichen, dass sie in ihre neue Rolle hineinfinden. Die Familienhebamme tritt beratend auf: Sie hilft, zu begreifen, was das Kleinkind will und vermittelt den Eltern, wie sie aktiv Bindungsarbeit leisten.

„Wir verstehen uns als Türöffner und Weichensteller“, erläutert Schlüter. So werde an weitere Angebote für Eltern vor Ort verwiesen. Kooperationen bestehen etwa mit der „Familienwerkstatt“, dem Babyschwimmen und dem „Café Kinderwagen“, einem Treffpunkt für Mütter, den es in den umliegenden Gemeinden, jedoch bisher nicht in Achim, gibt.

Wer das Präventivangebot der Familienhebammen wahrnehmen möchte, kann sich an Barbara Dedekind vom Fachdienst Jugend und Familie des Landkreises Verden unter Telefon 04231/15671 wenden. „Wir behandeln alles vertraulich, es gibt keine Antragstellung und keinen Hilfeplan“, so Schlüter.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

May verschiebt Abstimmung zum Brexit-Deal

May verschiebt Abstimmung zum Brexit-Deal

Magelser Winterlichter

Magelser Winterlichter

Ranking: Die elf besten Arbeitgeber Deutschlands 2019

Ranking: Die elf besten Arbeitgeber Deutschlands 2019

Wie zeitgemäß ist der Knigge heute noch?

Wie zeitgemäß ist der Knigge heute noch?

Meistgelesene Artikel

Ungewöhnlicher Flohmarkt: Schnäppchenjäger kommen in die Villa

Ungewöhnlicher Flohmarkt: Schnäppchenjäger kommen in die Villa

Nikolausmarkt in Dörverden lockt trotz Regens zahlreiche Besucher an

Nikolausmarkt in Dörverden lockt trotz Regens zahlreiche Besucher an

Heisenhof in Dörverden soll abgerissen werden

Heisenhof in Dörverden soll abgerissen werden

Weihnachtsmarkt mit Bischofsbesuch, Bastelkunst und Blasmusik

Weihnachtsmarkt mit Bischofsbesuch, Bastelkunst und Blasmusik

Kommentare