Tat liegt mehr als 15 Jahre zurück

Wegen Totschlags angeklagter Mann freigesprochen

Achim - Von Wiebke Bruns. Chancenlos war das Landgericht Verden bei dem Versuch, eine mehr als 15 Jahre zurückliegende Tat in Kirgisistan aufzuklären. Weil der 36 Jahre alte Angeklagte zum Tatzeitpunkt in Achim lebte, fand die Verhandlung in Verden statt. Donnerstag wurde der wegen anderer Delikte in Haft sitzende deutsche Staatsbürger vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Aus Mangel an Beweisen hatte zuvor auch die Staatsanwaltschaft Verden Freispruch beantragt.

In Novopavlovka, dem Geburtsort des Angeklagten, soll sich die Tat während seines Urlaubs in der Nacht vom 28. auf den 29. Oktober 2003 ereignet haben. Vorgeworfen wurde dem damals 21-Jährigen, gemeinsam mit zwei Männern mit einer Eisenstange auf das Opfer eingeprügelt zu haben. Die Tat habe sich auf dem Gelände einer Milchfabrik ereignet, wo die Leiche dann in eine Grube geworfen worden sei.

Vorausgegangen sei dem Ganzen ein Trinkgelage. In der mündlichen Urteilsbegründung fand auch eine Vergewaltigung der Mutter des Opfers Erwähnung. Hintergrund des Totschlags soll die Rückforderung von Schweigegeldern im Zusammenhang mit dieser Tat gewesen seien. Angeblich 550 Euro soll ein Mitarbeiter der Miliz erhalten haben.

Am 14. Oktober 2010 habe er die Anklageschrift bekommen, berichtete der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk. „Es ist die Akte, die am längsten bei uns in der Kammer gewesen ist.“ Und in seiner beruflichen Laufbahn habe er „keine Akte häufiger angefasst als diese“, merkte der langjährige Vorsitzende der Schwurgerichtskammer an. Dennoch habe die Kammer keinerlei Verfahrenverzögerungen zu verantworten.

Kernproblem im Rechtshilfeersuchen

Sofort sei ihm klar gewesen, dass er ein Rechtshilfeersuchen verfassen müsse. Doch genau dort lag das Kernproblem. „Mit Kirgisistan gibt es kein Rechtshilfeabkommen “, so Stronczyk. Das Justizsystem dort scheine zudem ziemlich marode zu sein.

Stronczyk nannte zahlreiche einzelne Probleme: vernichtete Akten, unglaubwürdige Aussagen, ungeklärte Foltervorwürfe. Angefordert worden sei die Kleidung des Angeklagten, um diese hier mit besseren Methoden auf Blutspuren untersuchen zu können. „Aber die Kleidung wurde vernichtet“, so Stronczyk. Zwei Rechtsmediziner waren mit dem Fall befasst. Einer ist inzwischen verstorben, der andere schwer erkrankt. Fotos von der Obduktion und dem Tatort gibt es nicht mehr. Die als Nebenklägerin zugelassene Mutter des Opfers ist nicht mehr auffindbar. Sie soll 550.000 Euro für Beerdigungskosten und zwei Millionen Euro Schmerzensgeld gefordert haben. „Wir vermuten, dass sie nicht mehr lebt“, so der Vorsitzende. Wo sich ihr Anwalt und die gesondert verfolgten Männer aufhalten, sei ebenso wenig bekannt.

„Wir haben keine Beweismittel, die uns zur Verfügung stehen, um den Sachverhalt aufzuklären“, fasste Stronczyk zusammen und stellte fest: „Das Verfahren hat uns klar gezeigt, wie man an Grenzen stoßen kann, wenn man über viele Grenzen hinweg versucht, etwas aufzuklären.“

Rubriklistenbild: © dpa

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