Thorsten Hamer beglückt Achimer Landfrauen mit Heinz-Erhardt-Revue

„Was bin ich für ein Schelm“

Thorsten Hamer in Heinz-Erhardt-Manier.

Achim/Bassen - Von Bernd Hägermann. Heinz Erhardt war der Humorarbeiter des Wirtschaftswunders. Er lieferte im Wiederaufbau und noch danach Pointen und Zerstreuung. Weniger geschliffen, poetisch oder gar so tiefgründig wie Jahrzehnte zuvor Ringelnatz, dafür massentauglich. Erhardt kultivierte seine Tolpatschigkeit, provozierte gleichermaßen Schadenfreude und Mitgefühl, perfektionierte Knittel-Reime, aber verlor dabei niemals seinen Unterhaltungsauftrag aus dem Sinn: „Was bin ich für ein Schelm.“ Nur auf der Bühne und im Film. Im wahren Leben galt Erhardt als vielschichtige, bisweilen schwierige Persönlichkeit, die es mit sich selbst und mit anderen nicht immer leicht hatte.

Am Sonnabend hatten die Achimer Landfrauen zu ihrer Frühstücksveranstaltung im Bassener Gasthaus Segelken einen Erhardt-Fan eingeladen, der ebenfalls über nachgewiesene darstellerische Fähigkeiten verfügt. Thorsten Hamer ist Ensemblemitglied des Weyher Theaters. Für die Landfrauen spielte er seine „Heinz Erhardt Revue“.

Das Interesse geweckt für den Humoristen hatte Hamers Großmutter. Immer wenn Klein-Thorsten bei ihr übernachtete, las Oma nicht aus Kinderbüchern vor, sondern aus dem Erhardt-Gesamtwerk. „Meine Oma fand das immer sehr lustig – und ich auch. Viel geschlafen wurde in solchen Nächten nicht. Meine Mutter war am nächsten Morgen immer überrascht, dass meine Oma und ich immer so gerädert waren“, gestand Hamer, der die Revue vor mehr als einem Jahrzehnt geschrieben hatte.

Auf der Bühne ist der Schauspieler häufig dem Vorbild ganz nah. Hamer übernimmt Gestus und Tonfall von Erhardt, übt sich in dessen berühmten körperlichen Verrenkungen und schaut dabei meistens treuselig aus der Wäsche. Doch Vorsicht! Kleine Spitzen sind seine Spezialität. Er nennt das Gedicht über Uli Hoeneß „Zellen“, die Verse über den HSV „Fußball“, mit dem der HSV bekanntlich nichts zu tun habe.

Hamer fabuliert vom lesenden Buchfink, erfreut sich am Paradoxon des eingefleischten Vegetariers, flirtet zwischendurch mit den Frauen im Saal, erklärt, warum die Zitronen sauer wurden und hat immer „noch´n Gedicht“. Zum Beispiel dieses: Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit. 

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