Ware wird ans Haus gebracht

Einkaufen für die Risikogruppen: Vereine und Unternehmen bieten Lieferservice an

Einkaufsservice für Bedürftige in Krisenzeiten: Dennis Frenzel und Markus Hauptig kooperieren. Foto: mix
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Einkaufsservice für Bedürftige in Krisenzeiten: Dennis Frenzel und Markus Hauptig kooperieren. 

Achim - Schlechte Zeiten haben auch ihre guten Seiten. In der auf Spaß, Erfolg und Kommerz getrimmten Gesellschaft feiern gerade scheinbar verloren gegangene Tugenden wie Hilfsbereitschaft und Solidarität mit benachteiligten, gebeutelten Bevölkerungsgruppen eine Wiederauferstehung. So bieten beispielsweise heimische Vereine und Unternehmen älteren Menschen und anderen, die Unterstützung benötigen, während der Corona-Pandemie einen Einkaufs- und Lieferservice an.

Der Turnerbund Uphusen (TBU) zählt auf diesem Feld zu den Vorreitern in Achim. „Der jetzt gestartete Einkaufsservice richtet sich an alle bedürftigen Einwohner der Stadt, aber besonders an die älteren Mitglieder unseres Vereins“, erläutert Leandro Bruns, der ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der TBU ableistet. „Und nicht zuletzt auch an Risikogruppen wie Immungeschwächte oder Lungenkranke.“

Die Idee dazu habe sein Vater Marco Bruns, zweiter Vorsitzender des TB Uphusen, mit Blick auf die zahlreichen Seniorinnen und Senioren im Verein gehabt, denn die gelte es jetzt besonders zu schützen. „Unser Vorsitzender Helmut Kutz ist ja auch schon 74“, fällt Leandro Bruns, 19 Jahre jung, dazu ein.

Liefert im Auftrag des TBU: FSJler Leandro Bruns. 

Der FSJler erledigte bisher die Büroarbeit beim TBU und betreute eine Jugendmannschaft. Doch Corona und die Schutzmaßnahmen dagegen lassen in diesen Wochen weder das eine noch das andere zu. Also steht Leandro Bruns nun für den Einkaufsservice bereit. „Ich habe ja jetzt im Verein sonst nichts zu tun.“

Interessenten, die das Angebot in Anspruch nehmen wollen, sollten sich bei ihm melden. Bruns ist montags bis freitags von 10 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 0178/9325426 zu erreichen. „Geben Sie einfach an, welche Waren ich in welcher Menge besorgen soll“, erläutert der junge Mann. Ein vorher geschriebener Einkaufszettel könne bei dem Telefonat hilfreich sein.

Leandro Bruns: "Hamsterkäufe sind tabu" 

Ist alles geklärt und notiert, setzt sich Leandro Bruns in seinen Privatwagen und fährt los. In der Regel werde er den zur Wohnung des Kunden nächstgelegenen Verbrauchermarkt ansteuern.

Hamsterkäufe sind für ihn tabu. Fünf Pakete Toilettenpapier oder die gleiche Menge Mehl in den Einkaufswagen zu legen, kommen für den Vereinsmitarbeiter also nicht infrage. In Ordnung seien „haushaltsübliche Mengen“. Auf Wunsch mache er gerne einen „ganz normalen Wocheneinkauf“.

In Sachen Bezahlung der Ware, ob vorher oder nachher, lasse sich sicherlich auch ein passender Weg finden. Das Verfahren wolle er mit den Auftraggebern persönlich am Telefon klären, sagt Bruns und versichert: Der Einkaufsservice sei für die Betroffenen weitgehend kostenfrei. „Es fallen höchstens geringe Spritkosten an.“

Rewe-Hauptig und Kojote bieten ähnliche Dienstleistung

Eine ähnliche Dienstleistung haben in dieser Woche auch Rewe-Hauptig an der Ueser Kreuzung und das Unternehmen Kojote, Verdener Straße, auf die Beine gestellt. „Wir liefern Ihnen während der Corona-Zeit Ihre Einkäufe“, lautet die Parole der Kooperationspartner.

„Es gibt viele ältere Leute, die keine Verwandten haben, die ihnen bei den Besorgungen helfen können“, weiß Markus Hauptig, der den Supermarkt betreibt. Mit Kojote, das auf das Ausliefern von Pizza, Pasta, Wraps oder Salaten spezialisiert ist, sei ein „gutes Zusammenspiel“ möglich. Hauptig verspricht sich davon einen besseren Service für die Kunden als ihn die Rewe über ihre Zentrale in Köln mit der „oftmals überlasteten“ Hotline biete.

Junge Mitarbeiter erledigen Lieferungen

Auch Jochen Lohmann, Geschäftsführer der Kojote-Standorte Achim, Rotenburg und Verden, sieht eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. „Unsere knapp 20 Mitarbeiter in Achim sind derzeit nicht ausgelastet“, berichtet er. Die meist jungen Kräfte, oftmals Schüler und Studenten, hätten nun freie Kapazitäten, um ältere oder kranke Leute mit Lebensmitteln aus dem Hauptig-Markt zu beliefern. Dafür stünden zwei Lieferfahrzeuge, aber auch die privaten Autos der Mitarbeiter zur Verfügung.

Die Liefergebühr beträgt für den Großteil des Achimer Stadtgebiets fünf Euro. Kunden in Badenermoor, Bollen und Uphusen sowie in benachbarten Gemeinden müssen für den Service 7,50 Euro bezahlen. „Wer bis 18 Uhr bestellt, bekommt die Ware am nächsten Tag spätestens um 22 Uhr geliefert“, informieren Hauptig und Lohmann.

Bestellungen

sind per E-Mail (rewe@kojote-achim.de) oder Telefon und Whatsapp (0176/87124033) möglich. Dennis Frenzel, Geschäftsführer von Kojote Achim: „Aber bitte nur diese Adresse oder Nummer wählen. Und die Lieferanschrift nicht vergessen.“

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