Wandel Chinas ein Thema am Cato-Gymnasium: Dr. Michael Waibel von der Uni Hamburg präsentiert dazu eine 46-Plakate- Ausstellung

Bahnhöfe in Flughafengröße, aber auch Straßen im Nichts

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Dr. Michael Waibel neben einem von 46 Plakaten seiner Ausstellung über das aktuelle China im Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium.

Achim - Skateboards, natürlich Smartphones, bunte Haare, lässige Kleidung, auch Untergrund-Kultur. Jugendliche im heutigen China hätten mehr gemeinsam mit Gleichaltrigen bei uns als mit der Generation ihrer im streng kommunistischen Mao-China aufgewachsenen Eltern, berichtete Dr. Michael Waibel vom Institut für Geographie an der Universität Hamburg.

Der China-Kenner ist an Forschungsvorhaben im „Reich der Mitte“ beteiligt und kennt das 1,3 Milliarden Einwohner starke Land von regelmäßigen Reisen her ziemlich gut.

Jetzt war er im Achimer Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasium zu Gast, wo die von ihm konzipierte Ausstellung „Chinas Metropolen im Wandel“ auf 46 Plakaten samt reichhaltigen Informationen zu sehen ist. Gymnasiumslehrer Matthias Kowasch und Waibel sind gute Bekannte, und so entwickelten sich die Kontakte.

„Es ist mir egal, ob eine Katze schwarz oder weiß ist. Hauptsache, sie fängt Mäuse“. Mit diesem Spruch hatte der frühere Staatschef Deng Hsiao Ping die Einführung von Verwaltungssonderzonen begründet, in denen die planwirtschaftliche Kontrolle der Wirtschaft aufgelockert ist. Später kamen die westlichen Kolonien Hongkong und Macao hinzu, in denen weiter kapitalistisch gewirtschaftet wurde. Hongkong gehört heute zu den Welt-Finanzzentralen. Macao bleibt die einzige chinesische Provinz, in der Glücksspiel erlaubt ist. Der Umsatz sei dort inzwischen größer als in Las Vegas, so Dr. Waibel.

Der enorme Wirtschaftsboom brachte China eine enorme Erhöhung des Lebensstandards – mit der zweithöchsten Anzahl von Milliardären nach den USA. Aber es hat sich auch die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert, erfuhren die Achimer Oberstufenschüler und Neuntklässler beim Gast-Vortrag.

Die Luftverunreinigung in Peking sei heftig. Ein Künstler demonstrierte das, indem er aus angesaugter Luft Briketts fabrizierte.

Alt und neu gibt es in den Megastädten bruchlos nebeneinander. Auf Erhalt historischer Bausubstanz wird meist wenig Wert gelegt. Riesige Hochhauskomplexe entstanden, aber auch Einfamilien-Idyllen für die neu Mittelklasse. Am Reißbrett sind komplette Großstädte fertig, von denen manchmal real nur Straßen im Nichts existieren, aber noch kein einziges Gebäude.

Eine Aufnahme des Bahnhofs in Shanghai erinnert an ein Flughafen-Terminal, sowohl von den Ausmaßen als auch von der luftig-modernen Gestaltung her.

Schlimme Arbeitsbedingungen und geringe Löhne in Großunternehmen mit bis zu 400 000 Beschäftigen verschwieg der China-Kenner nicht. Nach heftigen Protesten habe sich hier die Lage aber schon verbessert.

Mit Billiglohnländern wie Bangla Desh, Kambodscha oder Myanmar könne China heute im Textilbereich gar nicht mehr konkurrieren. Das Land bemühe sich daher um Weiterentwicklung hin zur höherwertigen Produktion – vom „Made in China“ zum „Designed in China“. Schwierigkeiten beim Wandel drückten sich gerade an der Börse aus.

Weniger bekannt dürfte sein, das die fernöstliche Großmacht nach absoluten Zahlen Weltmeister der Windenergienutzung ist, bei Solartermik vorn liegt, dass es ein umfangreiches Bike-Sharing-Network gibt, und dass Shanghai über das größte U-Bahn-und Busnetz der Welt verfügt. „Grünes Wachstum“ hat die Regierung als offizielle Strategie ausgegeben.

Nur mit der Demokratie hapert es weiterhin. Im Inselstaat Taiwan – dem zweiten China – gab es hingegen gerade freie Wahlen, und der Lebensstandard dort liegt noch immer um das Vierfache höher als in der Volksrepublik.

Das durch Ausstellung und Vortrag aufgebesserte Wissen wird einigen aus der Oberstufe des Cato auch hierzulande helfen: Sie beschäftigen sich mit China als Abiturthema.

la

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