Walter Meyer geht seit 20 Jahren von Baden nach Bremen

Immer wieder mittwochs

Jeden Mittwoch macht sich Walter Meyer auf den Weg nach Bremen.
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Jeden Mittwoch macht sich Walter Meyer auf den Weg nach Bremen.

Baden - Von Inka Sommerfeld. Er läuft und läuft und läuft. Seit seiner Rente. Anders ausgedrückt: Als er in den Ruhestand trat, ging es los. Wortwörtlich.

Er – das ist Walter Meyer. Seit mehr als 20 Jahren geht er jeden Mittwoch nach Bremen. Bei jedem Wetter. Dort kommt der Badener mit ehemaligen Kollegen zusammen, allesamt Banker im Ruhestand. Zwei Stunden lang wird gefachsimpelt, geplaudert und geklönt. Immer in ihrem Stammlokal in der Innenstadt.

An einem Mittwoch im November vor 20 Jahren kam Walter Meyer die Idee. „Soll ich mal zu Fuß nach Bremen gehen?“, fragte seine Ehefrau Irmgard. – „Ja, mach das“, antwortete sie. Gesagt, getan. Meyer zog seine Schuhe an und marschierte los.

Der Weg führte ihn an der Hauptstraße entlang nach Achim, weiter durch Uphusen, Mahndorf, Arbergen und Hemelingen in die Innenstadt. Insgesamt rund 25 Kilometer. „Ich habe unterwegs von drei Telefonzellen aus zuhause angerufen und mitgeteilt, wo ich bin, damit meine Frau weiß, dass alles in Ordnung ist“, erzählt der „Wandervogel“. Nebenbei: Ein Handy besaß er damals noch nicht.

Für Irmgard Meyer war es klar, dass ihr Walter gut in der Hansestadt ankam. Denn gemeinsam unternahm und unternimmt das Paar ausgedehnte Spaziergänge, beispielsweise im ehemaligen Öllager und in Badenermoor. Außerdem arbeiten beide gern in ihrem großen Garten. „Bewegung an der frischen Luft tut gut und ist gesund“, ist Meyer überzeugt. Und: „Um im Alter fit zu bleiben, muss man rechtzeitig anfangen, dafür zu sorgen.“

Der 82-Jährige ist der Beweis dafür: Er ist gesund und rüstig. „Außerdem passe ich in Anzüge, die ich vor 40 Jahren getragen habe“, sagt er lachend.

Flott ist Meyers Wandertempo: Fünf Kilometer pro Stunde legt er im Durchschnitt zurück, so dass er in fünf Stunden am Ziel angekommen ist. Unterwegs eine Pause machen? Fehlanzeige. Der Badener wandert ohne Zwischenstopp. In den ersten Jahren hatte er seinen kleinen Rucksack mit Wasserflasche dabei. Inzwischen kauft er in Bierden eine kleine Flasche Wasser – das Leergut gibt er in Mahndorf ab.

„Ich schaue nur geradeaus, sonst komme ich nie nach Bremen“, sagt Meyer schmunzelnd. Denn inzwischen wissen viele Anwohner, dass mittwochs ein Badener auf dem Weg nach Bremen ist. Ein guter Grund zu versuchen, mit ihm zu plaudern.

Eine Ausnahme macht Meyer nur auf dem Achimer Wochenmarkt. Denn da muss er durch – auch das wortwörtlich. „Man kennt ja den einen oder anderen und wechselt ein paar Worte“, sagt er. Zur besten Wochenmarktzeit ist er mitten in Achim, bricht er doch in der Zeit von 9.30 bis 10.30 Uhr zu Hause auf. Auf die Minute kommt es ihm nicht an, und hetzen lässt er sich schon gar nicht.

Seine Spaziergänge nutzte Meyer, um verschiedene Wege nach Bremen zu erkunden. So lief er auch mal über Clüverswerder und Bollen und anschließend auf dem Deich bis nach Hemelingen. Manchmal ging er über Oyten, durch Meyerdamm und um den Behlingsee, weiter nach Blockdiek, Oberneuland und die Neue Vahr in die Innenstadt. Die Länge der letztgenannten Strecken beträgt 30 bis 35 Kilometer. Aber auch die legte Meyer in „seinem“ Tempo von fünf Stundenkilometern zurück. „Es gibt östlich von Bremen keinen Weg in die Stadt, auf dem ich nicht schon gelaufen bin“, sagt er.

Feste Schuhe reichen aus. „Darin bekomme ich keine Blasen“, sagt Meyer. Dafür, dass er bei bedecktem Himmel einen Regenschirm dabeihat, sorgt seine Irmgard. Doch den brauchte er nicht. „Mittwochs regnet es nicht“, hat er beobachtet. Nur einmal goss es derartig, dass er in wenigen Minuten bis auf die Haut durchnässt war. Da holte ihn ein Nachbar ab. Das einzige Mal übrigens, dass er mit dem Zug nach Bremen fuhr – aus Zeitgründen.

Einige Male begleitete Meyer der ehemalige Badener Dachdeckermeister Ernst-August Wiedekamp in die Hansestadt. Die beiden fuhren auch mal nach Vegesack und gingen von dort aus in die Innenstadt.

Seit dem Sommer tritt Meyer kürzer – ebenfalls wortwörtlich. Jetzt geht er „nur“ noch von Baden bis nach Mahndorf. Das ist die halbe Strecke, zwölfeinhalb Kilometer. In Mahndorf steigt er in die Straßenbahnlinie 1, die ihn bis zum Hauptbahnhof bringt.

Meyers neuer Weg hat in Arbergen für Irritationen gesorgt. „Geht es dir gut?“ und „Läufst du nicht mehr?“ fragten ihn viele Arberger auf dem Schützenfest im Sommer. Denn sie vermissten den wöchentlichen Wanderer.

Übrigens: Der tritt den Rückweg nach Baden immer mit dem Zug an. Aber Walter Meyer wäre nicht Walter Meyer, wenn es auch dabei nicht eine Ausnahme gäbe: Einmal ging er den ganzen Weg auch zurück. „Da sieht die Welt anders aus“, stellte er damals erstaunt fest.

Zum Abschluss präsentiert Meyer noch eine kleine Rechnung: „Wenn wir für das Jahr 40 Wochen ansetzten, an denen ich 25 Kilometer laufe, dann sind das 1000 Kilometer im Jahr. Das multipliziert mit 20 Jahren macht 20 000 Kilometer – also habe ich zu Fuß den halben Erdball umrundet.“

Bisher. Denn Walter Meyer läuft und läuft und läuft.

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