Wäldchen bleibt trotz Neubauten erhalten 

Fast 400 Jahre alter Hof weicht Häusern für 20 Mietparteien

Der alte Hof Götje ist in den vergangenen Jahren verfallen und wird abgerissen.
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Der alte Hof Götje ist in den vergangenen Jahren verfallen und wird abgerissen.

Achim-Uesen – Ein fast 400 Jahre altes Bauernhaus verschwindet aus dem Ortsbild von Uesen. Der Hof Götje an der Brückenstraße steht vor dem Abriss. Noch im März will ein Immobilienunternehmen dort den Grundstein für neue Wohnhäuser legen. Der parkähnliche Charakter des weitläufigen Grundstücks neben der Feuerwehr und schräg gegenüber der Schule soll jedoch erhalten bleiben. Und damit auch das ortsbildprägende Eichenwäldchen samt der Feldsteine, die den Weg zum Haus säumen. Der neue Baukörper wird jedoch mehr Raum einnehmen als der alte.

„Wir werden zwei eng nebeneinander stehende Häuser mit insgesamt 20 Mietwohnungen bauen“, informierte Amer Sandawi, Geschäftsführer von AMM Immobilien in Bremen, auf Nachfrage. Die verklinkerten Gebäude mit jeweils zwei Vollgeschossen und einem etwas kleineren, zurückversetzten Staffelgeschoss sowie Flachdächern würden optisch wie eines wirken. Ein Investor werde anschließend die Wohnungen zum Kauf anbieten, verriet der Bauherr.

Stellplätze für die Autos der 20 Mietparteien sind auf dem Grüngelände nicht vorgesehen. Die Fahrzeuge sollen laut Sandawi in einer Tiefgarage, deren Bau mit zum Projekt dazu gehört, Platz finden. Die Zufahrt ist von der Brückenstraße aus geplant.

Ein kleines Idyll ist das Wäldchen samt der von Feldsteinen gesäumten Zuwegung zum Haus.

„Wir nutzen das Baufeld im Bereich des alten Hauses. Der kleine Wald bleibt bestehen“, versichert Sandawi. Vor dem Kreisen der Abrissbirne und vor Beginn der Arbeiten für die Neubauten seien lediglich zwei kranke Bäume, eine Eiche und eine Kastanie, mit Genehmigung der Stadt gefällt worden. „Mehr passiert da nicht.“

Anders verhält es sich mit dem historischen Bauernhaus, das seit Jahren leersteht und wo ein Bagger bereits vorgefahren ist. Der erstmals 1647 urkundlich erwähnte Hof Götje wird schon in wenigen Tagen Geschichte sein.

Einzelheiten dazu sind im Buch „Die Bauleute und Köthner im alten Dorf Uesen“, das Ulrich Budler vom Heimatverein Achim 2005 herausgegeben hat, zu finden. „Die erste Nachricht vom Hof Nr. 2 in Uesen“ hat der Autor „in der Landbeschreibung von 1647“ entdeckt. Der Baumann Götje Meiniken bewirtschaftete seinerzeit das Anwesen für den Gutsherrn Alverich Clüver. Lediglich zwei Kühe und zwei Pferde gehörten zum Betrieb.

Die grüne Lunge mitten in Uesen von der Eichenstraße aus gesehen.

1780 war die Landwirtschaft dort beträchtlich gewachsen. Das damalige Feuerstellenverzeichnis listete auf: „1 Wohnhaus, 3 Nebengebäude (Scheunen und Schafställe), 3 Mann und 4 Frauenspersonen, 1 Webstuhl, 5 Pferde, 17 Stück Hornvieh, 12 Schweine, 12 Schafe, 82 Hbt. Ackerland zur Marsch und 120 Hbt. Ackerland zur Geest, 14 Tagwerk Wiesenland“.

Über Jahrhunderte gehörte der Hof dem Quellenstudium von Budler zufolge der Familie Meinken. Mehrere männliche Nachkommen trugen den Namen Gähtje oder Gödje. Eine Erbin verkaufte das historische Anwesen vor zehn Jahren an ein Ehepaar. Seitdem verfiel das alte Bauernhaus zusehends.  mm

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