„Es wächst kein Gras mehr“

Landwirt gibt unter anderem Trinkwasserverband Schuld an Trockenheit

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Vertrocknete Weiden: Der Badener Landwirt Johann Meyer sieht den Grund dafür nicht nur in den trockenen Sommern, sondern auch in der Förderung des Trinkwasserverbands Verden. 

„Es ist ein Trauerspiel, wenn man dort hineinguckt: Jeder zweite Baum stirbt, das ist fatal“, sagt Landwirt Johann Meyer aus Baden. Er sorgt sich um den Wald.

Achim - Am Nordhornsberg stünden abgestorbene Bäume, die umzukippen drohten, und neues Grün wachse nicht nach. Die Gründe dafür liegen für den Landwirt auf der Hand: die trockenen Sommer des vergangenen und dieses Jahres sowie der Trinkwasserverband, der seiner Meinung nach immer mehr Grundwasser fördere, sodass der Wasserspiegel kontinuierlich sinke. „Neun Millionen Kubikmeter Wasser darf er fördern, in den 1990er-Jahren war es gerade mal die Hälfte“, sagt Meyer.

Die alten Brunnen führten maximal 50 Meter ins Erdreich, heute seien 150 Meter keine Seltenheit, weiß der Landwirt. „Bevor das Wasserwerk kam, lag der Grundwasserspiegel hier bei sechs Metern.“ Zudem habe es in den vergangenen zwei Jahren während der Sommermonate nur halb so viel geregnet wie üblicherweise. Es sei deutlich zu sehen: Die Weiden, auf denen seine Kühe grasen, seien vertrocknet. „Das hat es in diesem Bereich so noch nicht gegeben, es wächst kein Gras mehr.“

Früher habe er seine Tiere aus der Marsch ins Schäfmoor geholt, weil es dort selbst im Jahrhundertsommer 2003 sehr nass war. „Dieses Jahr war es am Schäfmoor aber so trocken, dass dort bereits Anfang Juni nichts mehr wuchs.“

Nun gebe es Gerüchte, der Trinkwasserverband wolle im Bereich Nordhornsberg, wo sich Meyers Weiden befinden, zu den bereits vorhandenen Brunnen vier weitere bauen. Es könne nicht sein, dass Achim immer weiter wachse und aus diesem Grund immer mehr Grundwasser gefördert werden müsse, um die neuen Baugebiete zu versorgen, kritisiert der Badener Landwirt. „Da muss doch auch mal die Politik aktiv werden!“

Stefan Hamann, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands, bestätigt, dass es Erkundungsbohrungen gibt. „Wir planen zwei bis drei Brunnen im Bereich Wittenkoppenberge und schauen zurzeit nach geeigneten Standorten“, sagt der Geschäftsführer auf Anfrage. Allerdings gehe es nicht darum, die Grundwasserentnahme, die derzeit bei sechs Millionen Kubikmeter pro Jahr beim Wasserwerk Wittkoppenberg liegt, zu erhöhen. Vielmehr sei das Ziel des Trinkwasserverbands, die Leistung pro Stunde zu steigern und dadurch die Versorgung mit Trinkwasser zu gewährleisten, denn die habe Vorrang vor allem anderen.

Jeder Brunnen habe Kapazitätsgrenzen, und besonders während der heißen und trockenen Sommermonate könne es schon mal zu Engpässen kommen. „An der Gesamtfördermenge ändert sich nichts, wir wollen nicht die Jahresmenge hochschrauben. Wir werden mit mehr Brunnen die gleiche Menge fördern wie jetzt.“

Zurzeit verrichten 15 Brunnen für das Wasserwerk Wittkoppenberg im Bereich zwischen Golfplatz, Nordhornsberg und Ueserdicken ihre Arbeit. „Grundwasserförderung wirkt sich immer auf den Wasserspiegel aus, und in diesem Gebiet war der Stand schon immer tief“, erklärt Hamann. Seinen Angaben zufolge liegt der Grundwasserspiegel bei rund 15 Metern und war in der Vergangenheit lediglich den natürlichen Schwankungen ausgesetzt. „Es gab keine gravierenden Absenkungen.“

Wegen der geplanten Brunnenstandorte habe es bereits Gespräche mit den betroffenen Landwirten gegeben, sagt Hamann. Er glaubt, dass die Kritik der Bauern in der Sorge begründet ist, höhere Trinkwasserschutzauflagen zu bekommen. Zwar ist der Bereich als Trinkwasserschutzgebiet ausgewiesen, wie ein Schild besagt, aber laut Hamann nicht optimal ausgelegt. „Die Trinkwasserschutzzonen sind nicht ideal, die müssen sowieso neu betrachtet werden, unabhängig von neuen Brunnen.“

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