Arbeit im Landkreis Verden (ALV) will an einstiger Stadtwaldschule Geflüchtete schulen

Vorstufe zum Arbeitsmarkt

In der ehemaligen Stadtwaldschule an der Steubenallee will der kommunale Träger „Arbeit im Landkreis Verden“ (ALV) ein Schulungszentrum mit Sprachkursen und Berufsorientierung betreiben. - Fotos: Duncan

Achim - Ein Schulungszentrum der „Arbeit im Landkreis Verden“ (ALV) für Geflüchtete aus dem gesamten Landkreis entsteht gerade Stück für Stück im Haus der ehemaligen Stadtwaldschule an der Steubenallee 7 in Achim.

In Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule (KVHS) will die ALV dort, neben den üblichen Sprachkursen, auch Arbeitsberatung und -vermittlung anbieten. Das Pilotprojekt läuft unter dem Titel „Lernen und Zukunft“ (LUZ). „Wir wollen das am Achimer Standort erproben“, sagt Kerstin Wendt vom Vorstand der ALV.

Sprache muss im Arbeitszusammenhang angewendet werden

Das Besondere: Arbeitsberater und -vermittler stehen vor Ort zur Verfügung, um den Teilnehmern der Deutschkurse berufliche Orientierung zu bieten. „Das bedeutet für die Betroffenen kurze Dienstwege“, erklärt Wendt. Das umfasse zum einen die Betreuung von Personen ohne anerkannten Aufenthaltsstatus, zum anderen von Personen, deren Asylgesuch schon anerkannt wurde. Gemeinsam ist den beiden Gruppen, dass sie vor Aufnahme einer Erwerbstätigkeit – sprachlich wie fachlich – Bildungslücken schließen müssten. „In der Mehrzahl der Fälle sind wir noch nicht am Arbeitsmarkt angelangt“, stellt Wendt fest.

Wichtig sei, schon während der Deutschkurse einen Austausch zwischen den Bereichen Sprachförderung und Integration in den Arbeitsmarkt zu schaffen. „Oftmals geht der Sprachkurs sonst zuende und die Teilnehmer buchen gleich den nächsten. Stattdessen kann es sinnvoll sein, erstmal ein Praktikum aufzunehmen, um die Sprachkenntnisse im Arbeitszusammenhang anzuwenden.“ Denn Menschen, die im Herkunftsland Krieg und Verfolgung erlebt haben, falle es teilweise schwer, im schulischen Kontext zu lernen.

Berufliche Qualifikation soll nicht in Frustration enden

Ein weiterer Baustein am Standort Stadtwald sind Kurse im Bereich Berufsorientierung, sprich: die Teilnehmer üben, wie man Bewerbungen schreibt und es werden unterschiedliche Berufsbilder vorgestellt. Das hat laut Wendt keine bestimmte Ausrichtung, sondern umfasse alle Berufszweige. Hintergrund: „Wenn jemand beispielsweise Maurer oder Tischler gelernt hat, kann erfahrungsgemäß die Enttäuschung groß sein, wenn er dann im selben Bereich ein berufliches Praktikum beginnt“, so Wendt. Denn die Aufgaben deckten sich nicht immer, sondern könnten sich von Land zu Land unterscheiden. Ähnlich sei es mit den Vorkenntnissen: „Oft fehlen da Riesenblöcke von Wissen.“ Eine Eignungsprüfung soll die Einstufung sowohl für den Bewerber als auch für den Arbeitgeber erleichtern.

Unabhängig von der Teilnahme an einem Sprachkurs soll im Schulungszentrum „LUZ“ zudem eine Sprachstandsfeststellung möglich sein. Ein Test, der der Aufnahme eines Praktikums oder einer Ausbildung vorgeschaltet werden kann. „Landläufig sagt man zwar das Niveau B1 reiche aus, aber in vielen Fällen wären B2 und aufwärts hilfreich.“ Damit will die ALV sichergehen, dass die berufliche Qualifizierung nicht in Frustration mündet – und möglichen Folgen wie dem Abdriften in ungelernte Hilfsjobs, oder schlimmstenfalls in die Kriminalität, vorbeugen.

Spezielle Kurse für Frauen mit Tagesmutterangebot angedacht

Aktuell befinden sich im Landkreis Verden, nach Angaben von Gerd Depke, Leiter der Ausländerbehörde des Landkreises, rund 1100 Menschen im Asylverfahren. „Eine hohe Anerkennungsqote haben Asylbewerber aus Syrien, Irak, Iran, Eritrea und Somalia“, weiß Depke. Dementsprechend hätten höchstwahrscheinlich rund 40 Prozent eine Bleibeperspektive. Derzeit kommen im Landkreis pro Monat etwa 40 Zugewanderte an.

Die Herausforderung sei, die Menschen auch nach Abschluss eines Sprachkurses „im deutschsprachigen Kontext zu halten“, so Wendt. Denn im Wohnumfeld werde oft in der Herkunftssprache kommuniziert.

Angedacht sei zudem bald spezielle Kurse für Frauen anzubieten. Das soll mithilfe von Tagesmüttern, die bis zu fünf Kinder vor Ort betreuen könnten, ermöglicht werden. Die kindgerechte Umgebung der ehemaligen Schule bietet sich dafür geradezu an. Zudem waren, bis auf kleinere Renovierungsarbeiten, keinerlei Veränderungen am Gebäude notwendig, weil Klassen- und Büroräume schon vorhanden waren.

Finanziert wird das Pilotprojekt in einer Mischrechnung aus Bundes-, Landes- und kommunalen Mitteln. Zu den Kosten konnte Wendt wegen dieser komplexen Herleitung noch keine Angaben machen. „An diesem Beispiel sieht man, wie krank Integration in Deutschland organisiert ist“, findet Wendt, die es für sinnvoller erachten würde, wenn die Kommunen stattdessen Gelder pro zugewandertem Menschen erhielten.

ldu

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