Skulptur in einer Holzverkleidung

„Der Vorleser“ hält am Gericht Winterschlaf

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„Der Vorleser“ ist am neuen Standort nahe des Amtsgerichts zum Schutz vor Frost hinter einer Holzverkleidung versteckt.

Achim - Manch einer mag sich schon über den meterhohen schmalen Holzkasten an der Ecke des Amtsgerichts im Eingangsbereich der Fußgängerzone gewundert haben. Des Rätsels Lösung: Darin steckt die Skulptur „Der Vorleser“. Die Holzverkleidung diene als Frostschutz für das Kunstwerk, erklärt Bürgermeister Rainer Ditzfeld auf Nachfrage.

Erst vor kurzem war die Ton- und Bronzeskulptur, wie berichtet, im einstigen Lesegarten an der ehemaligen Stadtbibliothek abgebaut und am neuen Platz samt massivem Betonsockel aufgestellt worden. Denn am bisherigen Standort soll bekanntlich das Gasthaus „Alte Feuerwache“ samt Biergarten im kommenden Frühjahr eröffnen.

Künstlerin Helma Poschpiech-Klessinger hatte bei der Suche nach einem geeigneten Ort für ihre Skulptur mitgewirkt. Mit der gefundenen Lösung zeigt sie sich sehr zufrieden. Die „historisch geprägte und begrünte Umgebung“ harmoniere gut mit ihrem Werk, sagt Poschpiech-Klessinger. Der neue Standort biete auch ausreichend Platz für größere Gruppen bei Stadtführungen, wo die Skulptur auch als „Zigarrenmacherturm“ bezeichnet wird. Das hat seinen Grund.

Die Stadt veranlasste 1991 einen Ideenwettbewerb für eine Skulptur im öffentlichen Raum, die ein Stück Achimer Geschichte veranschaulichen sollte. Aus den eingereichten Entwürfen wählte eine Jury das 2,50 Meter hohe Denkmal aus hochschamottiertem Ton, analog der Klinkersteine der heimischen Bauweise, „Der Vorleser“ von Helma Poschpiech aus

Durch ihre damalige Recherche erfuhr die Künstlerin von der Achimer Zigarrenmacherindustrie, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Hochkonjunktur hatte. In Fabriken und in Heimarbeit gingen unzählige Personen ihrem Handwerk nach. Kinderarbeit war an der Tagesordnung, um den Familienunterhalt zu sichern. Die Zigarrenmacher waren Teil der Arbeiterbewegung. Um sich kulturell zu bilden, wählten sie aus ihren Reihen einen „Vorleser“, der ihnen während des Zigarrendrehens aus Büchern zu Politik und Kultur vorlas.

Die Skulptur wurde 1994 im Bibliotheksgarten eingeweiht. Am neuen Standort hält „Der Vorleser“ jetzt eine Art Winterschlaf und wird erst im Frühjahr zum Vorschein kommen.

mm

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