Von Hundefutter bis zur Katzentoilette

Achimer Tiertafel bezieht Ladengeschäft in Bahnhofsnähe

Betreiben seit vergangener Woche eine Tiertafel in dem Ladengeschäft Zum Achimer Bahnhof 29: Sabine Puvogel (l.) und Nicole Asendorf. Mit ihrem Verein „Lost and Found Animals“ möchten sie darüber hinaus für Tiere innerhalb der gewohnten Umgebung ein artgerechtes Umfeld schaffen.
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Betreiben seit vergangener Woche eine Tiertafel in dem Ladengeschäft Zum Achimer Bahnhof 29: Sabine Puvogel (l.) und Nicole Asendorf. Mit ihrem Verein „Lost and Found Animals“ möchten sie darüber hinaus für Tiere innerhalb der gewohnten Umgebung ein artgerechtes Umfeld schaffen.

Achim – Sie wollen Tieren helfen, aber auch Menschen für die Not verlassener und streunender Haustiere sensibilisieren – zu diesem Zweck haben Sabine Puvogel und Nicole Asendorf Anfang Januar ihren Verein „Lost and Found Animals“ aus der Initiative „Tierhilfe Achim“ heraus gegründet. Rund zehn Mitglieder und Unterstützer konnten sie bisher für ihr Engagement begeistern, das auf drei Säulen basiert:

Unterstützung von gemeinnützigen Tierschutzeinrichtungen und bedürftigen Tierhaltern mit Futter, Tierzubehör und bei Bedarf mit Beratung in Haltungsfragen. Einrichtung von Futterstellen für Streuner und Sicherungsmaßnahmen zwecks Kastration sowie medizinische Versorgung. Und als dritte Säule eine Umweltschule, die Kindern ein Bewusstsein dafür vermitteln soll sowie einen respektvollen und wertschätzenden Umgang mit Tier und Natur.

Für ihr Tiertafel-Projekt haben die beiden Frauen in der vergangenen Woche das Ladengeschäft Zum Achimer Bahnhof 29 bezogen. „Das war ein echter Glücksfall“, freut sich Sabine Puvogel über den Coup, „der Vermieter ist uns im Preis etwas entgegengekommen.“ Die Miete zahlen die überzeugten Tierschützerinnen aktuell aus der eigenen Tasche, perspektivisch soll die Finanzierung aber möglichst bald über Spenden oder Mitgliedsbeiträge gelingen. In der neu eingerichteten Ausgabestelle erhalten Tafelkunden nicht nur Futterspenden, sondern allerhand Zubehör wie Katzenkratzbäume und -toiletten, Schlafboxen oder auch Spielzeug. Bevor Kunden die Spenden entgegennehmen können, müssen sie ihre Bedürftigkeit allerdings nachweisen, dazu diene ein Sozialhilfebescheid oder ein vergleichbares Dokument. „Das verlangt das Finanzamt von uns laut unserer Satzung“, erklärt die 38-jährige zweifache Mutter, ansonsten drohe der Verlust der Gemeinnützigkeit. In der Regel erfolge darüber hinaus ein Erstbesuch bei den Tierhaltern. Anschließend können Futterrationen an der Ladentür abgeholt werden. In Ausnahmen, wenn die Klienten nicht mobil sein sollten, sei auch eine Anlieferung möglich.

Ein besonderes Anliegen ist den Vereinsgründerinnen die Versorgung streunender Haustiere ohne festen Wohnsitz. „Wir möchten erreichen, dass die Leute aufmerksam sind und uns auf entlaufene oder zurückgelassene Tiere hinweisen, bevor das Veterinäramt aktiv wird“, erklärt die Vereinsvorsitzende Puvogel die Zielsetzung. Zunächst belassen die zwei Frauen die Tiere an ihrem gewohnten Ort und richten eine Futterstelle ein. Erst wenn beispielsweise eine streunende Katze zutraulich geworden ist, wird sie in Obhut genommen und anschließend medizinisch durch einen Tierarzt versorgt, gegebenenfalls kastriert und an ein neues Zuhause vermittelt. Nur sogenannte Fundtiere mit einem Chip werden einem Tierheim übergeben. Wird ein Tier hingegen nicht zutraulich, bleibt es beim Überwachen der Entwicklung und seiner Versorgung an der kontrollierten Futterstelle.

Für den Fang solcher Vierbeiner haben die Tierschützerinnen mit einfachen Mitteln Lebendfallen entwickelt, die sie per Videokamera und Smartphone in Echtzeit kontrollieren und auslösen können. Die Streuner können so möglichst schonend und tiergerecht eingefangen werden. „Wichtig ist, Stress für die Tiere zu vermeiden“, betont Nicole Asendorf.

Der Bedarf sei groß, erklärt die 37-Jährige, und Anfragen kämen aus dem gesamten Landkreis. Ihre Klienten seien zum Beispiel Nachbarn verlassener Wohnungen, wo unbedacht zurückgelassene Tiere durch die Gärten streifen oder etwa Nachkommen verstorbener Tierhalter, die keinen Zugriff auf die Vierbeiner bekommen.

Sabine Puvogel und Nicole Asendorf suchen noch Mitstreiter, insbesondere der Bereich der Umweltbildung könne zurzeit noch gar nicht bedient werden. Wer das Team unterstützen möchte oder Beratung in Tierfragen benötigt, kann unter der Telefonnummer 0170 / 487 72 32 mit Sabine Puvogel in Kontakt treten oder unter 0176 / 20 61 19 22 mit Nicole Asendorf. Die Tiertafel ist zu Marktzeiten in Achim am mittwochs und samstags von 8.30 bis 12 Uhr geöffnet oder nach telefonischer Absprache.

Von Ingo Schmidt

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