Neues Buch von Ulf Suchantke

Von Herzog auf Weserfähre bis Enthauptung

Ulf Suchantke präsentiert sein voraussichtlich letztes Buch einer reichlich mit historischen Aufnahmen illustrierten fünfteiligen Reihe über Baden und benachbarte Weserorte.
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Ulf Suchantke präsentiert sein voraussichtlich letztes Buch einer reichlich mit historischen Aufnahmen illustrierten fünfteiligen Reihe über Baden und benachbarte Weserorte.

Baden – Herzog Johann August besteigt gerade inmitten eines Menschenauflaufs in Uesen die Weserfähre. Diese nicht genau datierte Aufnahme ist eine besondere Rarität, von Ulf Suchantke im Internet aufgespürt und erfolgreich ersteigert. Das Fundstück ist mit enthalten in seinem neuen Buch „Entlang der Weser – Geschichten und Geschichtliches aus Uesen und Baden“.

Dieses fünfte Werk Suchantkes wird voraussichtlich das letzte einer Reihe sein, die 2017 mit „Spaziergang entlang der Weser“ begann. Alte und aktuelle Aufnahmen aus den Ortschaften wurden darin nebeneinander gestellt, und es handelte sich mehr oder weniger um einen reinen Bildband. Im aktuellen Buch spielen auch insgesamt 14 Geschichten zu Bildmotiven eine wichtige Rolle.

Da gibt es die 1935 abgestempelte Postkarte mit einem Foto der Fähranlage am „Englischen Berg“ – auf der von Baden aus gesehen anderen Weserseite hinter der Ueser Brücke. Suchantke löste das Rätsel um den Namen „Englischer Berg“, indem er sich in den Wälzer „Das Amt Thedinghausen“ vertiefte. Demzufolge reicht die Benennung in den Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) zurück, als ein schottisches und englisches Regiment sich dort in Diensten des dänischen Königs auf die Bekämpfung der „katholischen Liga“ vorbereiteten.

Beeindruckende Aufnahmen gibt es von der ersten Ueser Weserbrücke, die von Weyhe aus an ihren neuen Standort verschifft, 1927 eingeweiht und im Zweiten Weltkrieg vor den heranrückenden englischen Truppen von Deutschen gesprengt wurde. Sogar von dem Trümmerhaufen existiert eine Aufnahme.

Doch auch Legenden wie die, dass der Freibeuter und Pirat Klaus Störtebeker möglicherweise aus Baden stammte und unweit der Hünenburg an der Weser Verstecke für seine Schiffe fand, greift Ulf Suchantke in Form einer Geschichte auf. Der 69-jährige pensionierte Achimer Hauptschullehrer wohnt selber seit etlichen Jahren in Baden.

1847 gab es hier an der Weser einen spektakulären Mordfall, dem eine in der Hünenburg wohnende Frau zum Opfer fiel, als offenbar ein Streit über Geldforderungen eskaliert war. Die beiden Täter wurden in Verden zum Tode verurteilt und 1850 öffentlich mit dem Schwert enthauptet. Diese Szene ist auf einer Zeichnung festgehalten worden. Daraus wird deutlich, dass viel Publikum das Ereignis verfolgte. „Hinrichtungen waren in jenen Zeiten oft ein Ereignis irgendwo zwischen Volksfest und Staatsakt, und der abschreckenden Wirkung wegen nahmen Eltern sogar ihre Kinder mit dorthin“, erläutert Suchantke.

Aufnahmen vom Badener Parkcafé, das 1986 abbrannte und im Volksmund als „Café Hemdhoch“ ein Begriff war, sind ebenso im neuen Band zu finden wie Abbildungen des schlossähnlichen Wohnsitzes der wohlhabenden Gebrüder Nößler aus Bremen. Wie Baden zu seinem Militärhafen kam, ist zu erfahren, ein Bild der „langen Treppe“ von der Weser hoch zum Ausflugslokal Badener Berg fehlt nicht, und auch das Kurhotel ist vertreten. Es brannte 1971 ab, als es Kulisse bei Dreharbeiten für die Fernsehreihe „Aktenzeichen XY ungelöst“ war.

„Steckbriefe“ der bekannten Ausflugsschiffe „Walküre“ (bis 1932) und „Stadt Bremen“ (50er-Jahre) gibt es außerdem auf den insgesamt 80 Seiten. „Blocksberg“-Aufnahmen und das Abschlusskapitel über den Bau des Weserkanals runden das Werk ab.

Der Verfasser und leidenschaftliche Postkarten-Sammler entdeckte historische Fundstücke auch auf Flohmärkten oder Auktionen. Das Buch ist zum Preis von 19,90 Euro in den Achimer Buchhandlungen Hoffmann und Bücherwurm erhältlich.

Ulf Suchantke konzentriert sich bereits auf ein neues, anspruchsvolles Projekt. Gemeinsam mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen arbeitet er, wie berichtet, an einer Chronik der Achimer Hauptschule.

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