Gegen jede Gewalt und Intoleranz

Bürgermeister Ditzfeld zum Volkstrauertag: Mehr als Ritual und Alibi

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Überschaubares Publikum bei der Feier zum Volkstrauertag im Achimer Rathaus.

Achim - Von Manfred Brodt. Nicht einmal 40 Menschen sitzen im Achimer Rathausfoyer, hören getragene Reden und Musik. Schützen, Reservisten, Feuerwehrleute, wenige Kommunalpolitiker, wenige Junge. Feier am Volkstrauertag. Ist der noch zeitgemäß? Die Weltkriege liegen doch schon 99 beziehungsweise 72 Jahre zurück?

Diese Frage stellt auch Bürgermeister Rainer Ditzfeld öffentlich, und er gibt eine klare Antwort. Für ihn ist dieser Feiertag kein Ritual, keine Alibiveranstaltung. „Wenn die Toten schweigen, beginnt immer wieder alles von vorne“, zitiert er einen französischen Philosophen, Damit die Toten nicht schweigen, damit wir ihre Worte hören, damit es nicht weiter Opfer von Kriegen, Terror und jeder Form von Gewalt gebe, sei dieser Gedenktag wichtig. 

Auch aktuell gebe es noch angesichts unserer Zivilisation unglaubliche Schrecken, die grenzenlose Anmaßung von Terrorgruppen, die über Tod und Leben anderer entschieden. Der Bürgermeister zitierte auch den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, viele junge Leute, die keinen Krieg miterlebt hätten, seien nicht schuldig und verantwortlich dafür, aber verantwortlich dafür, was in der Gegenwart und Zukunft daraus werde, Ditzfeld: „Ich wünsche mir, dass der Volkstrauertag 72 Jahre nach dem letzten Krieg hier zum Volksfriedenstag wird.“

Frieden keineswegs sicher

Pastor Ulrich Maaß erinnerte sich in seiner Ansprache an den Mauerfall Ende der 80er Jahre sowie den Glauben, dass nun Frieden einziehe. Vieles sei auch besser geworden, besonders in Ostdeutschland, wo er als Student bei Grenzkontrollen schikaniert worden war, aber die Kriege, Terroranschläge weltweit, der neue amerikanische Präsident, oder der Austritt Großbritanniens aus der EU zeigten, dass der Frieden keineswegs sicher sei. Der Pastor wurde dann biblisch und philosophisch; „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens. Das Geheimnis des Krieges ist das Vergessen. Das Geheimnis des Friedens ist die Erinnerung.“

Zusammen mit Bernhard Gílster, dem Achimer Vorsitzenden des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, gedachten dann Maaß und die Anwesenden nicht nur aller Opfer der vergangenen Weltkriege und Kriege, sondern jeder Form der Gewaltherrschaft, der Diktaturen, des Terrors, des Rassismus, der Fremdenfeindlichkeit und sonstiger Intoleranz. Der Volksbund mit seinen mehr als 9.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern und 400.000 aktiven Förderern betreut heute, wie Gilster ausführte, zusammen mit Partnerorganisationen 825 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten Europas und Nordafrikas mit 2,5 Millionen Kriegstoten.

Bevor dann die Feuerwehr bei peitschendem Regen die Kränze zu den Gedenkstätten im Rathauspark brachte, spielte der Posaunenchor Achim den Choral „Auf meinem lieben Gott“ und die Nationalhymne. Mitgesungen hat keiner, eben friedlicher Patriotismus und kein übersteigerter Nationalismus.

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