Vierter Bewerber wirft Hut in den Ring

Freie Wähler stellen Marcel Bandowski für Bürgermeisterwahl in Achim auf

Marcel Dominic Bandowski will auf den Chefsessel im Rathaus.
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Marcel Dominic Bandowski will auf den Chefsessel im Rathaus.

Achim – Die Zahl der Kandidatinnen und Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 12. September wächst. Neben Amtsinhaber Rainer Ditzfeld (parteilos), Cornelia Schneider-Pungs (SPD) und CDU-Aspirantin Dr. Nadine Fischer will nun auch Marcel Dominic Bandowski für die Freien Wähler seinen Hut in den Ring werfen. „Ich muss für meine Kandidatur allerdings mindestens 190 Unterstützer-Unterschriften bis zum 17.

Juli vorweisen, 150 habe ich bisher“, verrät der 27-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch Bandowski, ein gebürtiger Achimer, der in Uphusen wohnt und Medieninformatik studiert, ist zuversichtlich, diese „kleine Hürde“ noch zu nehmen. Bei einer Mitgliederversammlung der Kreisvereinigung der Freien Wähler im Gasthof Niedersachsen in Verden wurde er bereits als Achimer Bürgermeisterkandidat nominiert.

Für das Zeitgeschehen interessiert sich der junge Mann schon lange. „Ich verfolge seit der zehnten Klasse politische Debatten“, sagt Bandowski, der sich Schritt für Schritt neue Bildungs- und Berufshorizonte erschließt. Nach dem qualifizierten Realschulabschluss an der Liesel-Anspacher-Schule und der Fachhochschulreife an den Berufsbildenden Schulen absolvierte er eine dreijährige Ausbildung als Einzelhandelskaufmann. „Jetzt stehe ich kurz vor dem Abschluss meines Studiums der Medieninformatik in Bremen, wo ich nebenbei in einer Werbeagentur jobbe.“ Wenn er es nicht auf den Chefsessel im Achimer Rathaus schaffe, wolle er mit „Web- und Videospiel-Entwicklung“ sein Geld verdienen. Als junger Mensch sei er oft im Internet unterwegs und trage auch gerne zu dessen Inhalten bei. „Ich bin ein leidenschaftlicher Wikipedia-Autor.“

Marcel Dominic Bandowski zählt aber auch zu den Gründungsmitgliedern der Freien Wähler in der Region. Die Kreisvereinigung Verden besteht seit 2018. Noch sei die Zahl der Mitglieder mit 20 überschaubar, und es gebe bisher auch keine Gemeindeverbände, berichtet der Aktivist auf Nachfrage. Mit Florian Tenhaken, der für den Kreistag kandidiere, und Michael Moje, Bewerber für den Stadtrat im Wahlbezirk Achim-Ost, habe er zwei Mitstreiter vor Ort. Bandowski selbst will nicht nur Bürgermeister werden, sondern kandidiert im Wahlbezirk Achim-West ebenfalls für den Stadtrat. Gemeinsam mit Moje und Tenhaken habe er das Programm für die Kommunalwahlen am 12. September erarbeitet.

Die Kernpunkte gleich mal vorneweg. Insbesondere Spitzenkandidat Bandowski will Folgendes erreichen: „Einen kulturellen Aufschwung der Innenstadt, mehr Aktivitätsmöglichkeiten für die Jugend, die Förderung von Pop-up-Stores für junge Kleinunternehmer sowie Start-ups und eine bessere infrastrukturelle Ausrüstung der Sportvereine sowie eine transparentere Verwaltung“.

Im Einzelnen will die Gruppierung um Bandowski mit verschiedenen Maßnahmen den „Verkehr auf ein neues Level bringen“. Den öffentlichen Personennahverkehr wollen die Freien Wähler für die Nutzer kostenlos machen. Bahnen und Busse sollen mit Wasserstoff betrieben und E-Ladestationen gefördert werden. Sie sind zudem dafür, Fahrradwege mit fluoreszierenden Farben besser zu kennzeichnen, Selbstreparaturstationen für Fahrräder an zentralen Orten zu schaffen und Fahrrad-Sharing, auch für Lastenräder, einzuführen sowie Fahrradspuren im Bereich der Verkehrskreisel deutlicher zu markieren. Auf der anderen Seite stellt Bandowski den Sinn von Tempo-30-Zonen infrage. „Gibt es dort wirklich weniger Raser und Lärm, oder ist die Schadstoffbelastung dort wegen des geringeren Fahrtempos etwa gewachsen?“ Straßenausbaubeiträge für Anlieger gehörten abgeschafft, dafür solle die Grundsteuer erhöht werden.

Unter dem Stichwort „Natur“ fordern Bandowski und Mitstreiter, „alle Neuplanungen von Immobilien klimaneutral auszurichten“, Grünflächen innerhalb von bestehenden als auch geplanten Bauten zu fördern und die Fußgängerzone „mit gemeinschaftlich bewirtschaftetem Grün und Nutzflächen“ attraktiver zu gestalten. An Wanderwegen sollten mehr Abfalleimer aufgestellt und auch das „Müllproblem an viel befahrenen Straßen“ durch häufigere Entsorgung und „Erziehung“ der Autofahrer angegangen werden.

Beim Punkt „Wirtschaft“ sagt Marcel Dominic Bandowski: „Großprojekte nicht vorverurteilen, sondern eine gesunde Analyse durchführen.“ Was er damit konkret meint? „Achim-West“ halte er als Infrastrukturprojekt für wichtig, genauso wie die damit verbundene Verkehrsentlastung für Uphusen. Ein wichtiger Punkt ist für ihn auch die „Einrichtung von einem Coworking-Space in der Innenstadt“. Und was soll das nun wieder heißen? „Für Berufstätige, die gerne im Homeoffice arbeiten würden, dort aber zum Beispiel über keine stabile Internetverbindung verfügen, sollte die Stadt in Absprache mit Arbeitgebern und Immobilienbesitzern kleine Büros zur Verfügung stellen“, erläutert Bandowski.

In puncto „Kultur und Bildung“ will er die Schulsozialarbeit fördern, längere Öffnungszeiten der Jugendzentren, kostenfreie Bereitstellung von städtischen Gebäuden für Vereinsveranstaltungen sowie die Einrichtung von Laboren in Schulen, um Kompetenzen von jungen Leuten in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu verbessern.

Ergänzend zu „Achim-Dialog“ hält Bandowski darüber hinaus ein „Bürgerparlament“ für notwendig. Dieses sollte ähnlich wie die Fach- und Ortsausschüsse in bestimmten Fragen Beschlussempfehlungen für den Stadtrat fassen.

Alles in allem ein eher grün angehauchtes Programm, bei dem an vielen Stellen auch noch die Gegenfinanzierung von Leistungen offenbleibt. Warum engagiert sich der junge Mann nicht in dieser Partei? „Die Grünen sind mir zu ideologisch“, sagt Marcel Dominic Bandowski. Außerdem, gibt er zu, sei ihm die Arbeit, die Aufstiegsmöglichkeit in einer großen Partei zu mühsam.

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