Bürgern verärgert

Viele Wege im Stadtwald immer noch nicht passierbar

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„Mein Freund der Baum“ nennt der Badener Maler Günter Klein sein Kunstwerk in Anlehnung an Alexandras Song. Der Hintergrund des Bildes ist mit Ölfarbe auf Platte gemalt. Der Baum rechts vorne ist ein original, totes Bäumchen aus dem Stadtwald – als Collage vor das gemalte Motiv gesetzt.

Achim - Die vielen unnötig gefällten, alten Bäume im Achimer Stadtwald sind nicht mehr zu retten, aber die „Kollateralschäden“ in Form kaputtgefahrener und mit Baumstämmen versperrter Wege bleiben. In der Sitzung des Ratsausschusses für Umwelt, Stadtentwicklung, Wirtschaft und Verkehr am Dienstag machten mehrere Bürger deshalb ihrem Unmut Luft.

Sabrina Kernhoff hatte Bürgermeister Rainer Ditzfeld eine Liste mit Unterschriften und Vorschlägen von Bürgern zu diesem Themenkomplex überreicht. Während eines Standes am Wochenmarkt hatte man die gesammelt. Bürgermeister Rainer Ditzfeld dankte für das Bürgerengagement, verwahrte sich aber dagegen, dass an dem Stand über einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung namentlich hergezogen worden sei.

Wie Sabrina Kernhoff hatte auch Ingvild Pöhls beklagt, dass durch das schwere Gerät der Waldarbeiter die Waldwege für Spaziergänger und Radfahrer ramponiert worden, bei feuchter Witterung matschig und nicht von Baumstämmen freigeräumt worden seien. Mit Kinderwagen oder Rollator komme da niemand durch.

Achims Umweltbeauftragte Marion C. Rusch entgegnete zwar, dass die Hauptwege freigeräumt und wiederhergestellt worden seien. Wie sich aber herausstellte, sind das nur wenige Rettungswege. Bei vielen Wanderwegen ist das nicht der Fall und offensichtlich auch noch nicht geplant.

Ein Bürger dazu: „Der Stadtwald ist doch nicht nur für die Feuerwehr, sondern für alle Bürger da.“ Joachim Schweers, Vorsitzender des Naturschutzbundes und grüner Ratsherr, ärgerte sich, dass der vom Nabu angelegte Naturlehrpfad von der Stadt als Begründung für unnötige Baumfällungen missbraucht worden sei.

Er beklagte im übrigen, dass der Ausschuss und der Rat nur den gefällten und verhunzten Bäumen hinterherlaufe. Um ein ähnliches Desaster in diesem Jahr und in kommenden Jahren zu verhindern, brachte er im Wesentlichen zusammen mit Petra Geisler (SPD) einen dann einstimmig angenommenen Verfahrensvorschlag auf den Weg. Danach soll wieder wie schon in der Ära des Bürgermeisters Kellner der Ausschuss über geplante Fäll- und Beschneidungsaktionen rechtzeitig informiert werden und Einfluss nehmen können.

Die „Verkehrssicherungspflicht“ der Stadt, die als zentrales Argument für Rodungen genutzt worden ist, soll juristisch unter die Lupe genommen werden. Außerdem will der Ausschuss mit der vielgescholtenen Landwirtschaftskammer Hannover diskutieren und dann überlegen, ob die Stadt bei diesem Vertragspartner bleibt oder lieber mit den Niedersächsischen Landesforsten kooperiert. Das soll inhaltlich, aber auch unter finanziellen Gesichtspunkten abgewogen werden, wie Karlheinz Lichter (CDU) betonte.

Das vom Achimer Kreisblatt schon ausführlich vorgestellte Waldkonzept soll noch einmal überarbeitet werden. Dabei soll diskutiert werden, inwieweit forstwirtschaftliche Nutzung in diesem Stadtwald überhaupt zulässig ist und so genannte nicht heimische Bäume verbannt werden müssen.

Ein weiterer Wunsch von Bürgern, an den Eingängen des Stadtwalds „Hundetoiletten mit Tütenspender für Hundekot“ wie im Thedinghäuser Baumpark aufzustellen, stieß dagegen beim Vizeverwaltungschef Bernd Kettenburg auf Ablehnung. Der Stadtwald sei ein Wald und kein Park. Diese Forderung gehe zu weit, widersprach er.

Niemand widersprach dagegen der abschließenden Feststellung des Sitzungsleiters Hans-Jürgen Wächter zum Thema Stadtwald: „Wir wissen, dass wir da Wunden hinterlassen haben. Die gilt es zu beseitigen.“

mb

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