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Viel Gesundes mit kleinem Sündenfall

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Von: Michael Mix

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Gesunde, leckere Kost sollen die Lernenden und Lehrenden bekommen. Rein vegetarisch-veganes Essen wie hier Spinatknödel auf Pilzragout mit Feldsalat in der neuen Mensa „Blattwerk“ auf dem Campus der Universität Hamburg ist an der IGS Achim allerdings nicht geplant.
Gesunde, leckere Kost sollen die Lernenden und Lehrenden bekommen. Rein vegetarisch-veganes Essen wie hier Spinatknödel auf Pilzragout mit Feldsalat in der neuen Mensa „Blattwerk“ auf dem Campus der Universität Hamburg ist an der IGS Achim allerdings nicht geplant. © Christian Charisius / dpa

Achim – Gewöhnlich wird die Stadtverwaltung nicht gerade mit Lob überhäuft. In der Sitzung des Schulausschusses am Montag im Ratssaal, als es um das Verpflegungskonzept für die neue Mensa an der IGS ging, war das anders. Schulleiterin Kerstin Albes-Bielenberg hob das besondere Engagement der bei dem Vorhaben federführenden Mitarbeiterin der Verwaltung hervor, was in der Aussage gipfelte: „Vielleicht sollte die zukünftige Mensa Josefine-Heinemann-Mensa heißen.“

Die junge Frau, die den Namen eines früheren Bundespräsidenten trägt, hat sich richtig in ihre Aufgabe reingekniet. Aber das gilt für die gesamte, von ihr geführte „Arbeitsgruppe Schulverpflegung IGS“, der Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Vertreter des Schulträgers, also der Stadt, angehören. Die AG, die sich seit Oktober regelmäßig traf, hat gemeinsam mit der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Niedersachsen und einem Schulmensa-Bauberater „ein Konzept entwickelt, das nachhaltig und gesundheits- und umweltbewusst jedem Schüler und jeder Schülerin eine warme Mittagsmahlzeit bietet“. Einzelheiten dazu sind auf 16 Seiten im Ratsinformationssystem det Stadt nachzulesen, in der Sitzung des politischen Gremiums trugen die AG-Mitglieder wesentliche Punkte stichwortartig vor.

„Die Mensa, für rund 1 000 Schülerinnen und Schüler an der IGS konzipiert und jeweils 90 Minuten geöffnet, hat unterschiedliche Bedürfnisse zu erfüllen“, sagte Konrektor Axel Gröning. Für die Jahrgänge fünf bis sieben werde es einen verpflichtenden „pädagogischen Mittagstisch“ geben, während die Jugendlichen ab Stufe acht selbst entscheiden könnten, ob sie das Angebot nutzen. Pro Gast seien 1,6 Quadratmeter Raum für die Nahrungsaufnahme vorgesehen. Die Mensa soll laut Gröning aber auch Platz für Veranstaltungen samt Bühne für Theateraufführungen und Konzerte bieten.

„Wir möchten ein gesundes, schmackhaftes Essen für alle Kinder“, bekundete Elternvertreterin Aline Lazaar. „Eine gesunde Schulverpflegung mit einem geringen ökologischen Fußabdruck“, ergänzte Inge Möcker von der Stadtverwaltung. Mehr pflanzliche, regionale und saisonale Lebensmittel sollen auf den Tisch kommen, was auch kürzere Transportwege und weniger Ressourcenverbrauch bedeute. Das für die Jahrgänge fünf bis sieben geplante Ausgabesystem „Free Flow“, bei dem sich die Kinder von verschiedenen Verpflegungsinseln das Essen individuell zusammenstellen können, habe andernorts zu weniger Abfall geführt.

„Der pädagogische Mittagstisch trägt zur Ernährungsbildung bei“, unterstrich Anika Braunschweiger, Lehrerin und Mensabeauftragte der IGS. Auch soziale Kompetenzen könnten etwa durch gemeinsames Tischabräumen gestärkt werden.

Außerhalb der Mensazeiten solle ein Kiosk in der Schule kleine Snacks bereithalten, informierte Karolina Danèl. Ihr Mitschüler Max Ehmann wies auf den „Schülertag“ einmal in der Woche hin. Dieses „Wunschessen“, beispielsweise Nuggets, dürfe fettiger, salziger, zuckerhaltiger als die üblichen Mahlzeiten in der Mensa ausfallen.

Diese werde barrierefrei sein und damit allen, auch Gehbehinderten, offenstehen, erwähnte Elternvertreterin Sigrid Renz. „Die Mensa wird der zentrale Ort auf dem Campus“, sagte Alexander Schober, für den Bau zuständiger Mitarbeiter aus der Verwaltung. Geplant sei ein lichtdurchflutetes, zweigeschossiges Gebäude, um möglichst wenig Schulhoffläche wegzunehmen.

„Die Schulverpflegung soll für alle attraktiv gestaltet sein“, fasste Josefine Heinemann zusammen. Natürlich müsse der Betreiber dabei Geld verdienen können. Sie und die AG seien „auch ein bisschen stolz darauf, das Konzept in einem halben Jahr entwickelt zu haben“, andernorts dauere das oft deutlich länger, merkte die Verwaltungskraft an.

Der Schulausschuss des Rates zeigte sich mehr als zufrieden mit dem kurzweiligen Vortrag und dem Konzept. „Ich bin sehr bewegt und stolz darüber“, bekannte Paul Brandt (SPD). Es sei toll, dass auch Schüler dabei mitgewirkt hätten und die AG wichtige Aspekte wie Nachhaltigkeit berücksichtigt habe. Lobende Worte kamen ebenfalls von Dorothee Danèl (Grüne).

Etwas kritischer äußerte sich Isabel Gottschewsky (CDU). Es sei sicherlich alles vernünftig und durchdacht. „Aber ist auch ein Betreiber dafür zu finden?“

In der nächsten Sitzung des Schulausschusses am Montag, 4. Juli, werde die Verwaltung einen Kostenplan vorlegen, antwortete Heinemann. Bis dahin gelte es auch zu klären, ob eventuell ein Zuschuss für den Caterer nötig sei beziehungsweise in welcher Höhe und für wen das Mittagessen von der Stadt subventioniert werden soll, fügte Erster Stadtrat Daniel Moos hinzu.

„Mensa für alle?“, fragte und bemängelte Martin Hansen (AfD) am Schluss der Sitzung. Wenn für eine Portion, wie geplant, vier Euro fällig würden, fielen im Jahr für jedes Kind Essenskosten von rund 700 Euro an. „Das werden sich nicht alle leisten können oder wollen.“

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