Krematorium bringt Fall ans Licht

Urnen-Tausch: Ein Schamottstein dient zur Identifizierung der Toten

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Betriebsleiter Peter Valk demonstriert die Abläufe im Verdener Krematorium. 

Wegen Verdachts der Störung der Totenruhe ermitteln Achimer Polizisten und die Verdener Staatsanwaltschaft gegen einen Bestatter. Peter Valk, Betriebsleiter des Krematoriums, erläutert den strengen Ablauf einer Einäscherung.

Achim - Etwa 5 000 Einäscherungen nehmen die Mitarbeiter des Verdener Krematoriums pro Jahr vor. Dass Urnen vertauscht werden oder die Asche eines Verstorbenen in einer falschen Urne landet, „das kann bei uns nicht passieren“, sagt Betriebsleiter Peter Valk. Vielmehr hätten er und sein Team den Fall der bei Bestattungen vertauschten Urnen ans Licht gebracht. 

Den Mitarbeitern der Feuerbestattungen Verden war Ende Juli aufgefallen, dass eine Urne viel länger als üblich im Krematorium stand. „Wir hatten uns schon vor einiger Zeit gewundert, dass eben dieser Bestatter immer lange brauchte, um die Urnen abzuholen, aber die letzte Urne blieb stehen, und er rührte sich nicht“, erinnert sich Valk und erläutert die Abläufe: Die Bestatter bringen den Sarg zur Einäscherung ins Krematorium, um die Urne einige Tage später wieder mitzunehmen. „Wir schicken eine E-Mail, wenn die Asche abholbereit ist“, erklärt Valk. Aber auch auf Telefonanrufe reagierte der beschuldigte Bestatter aus dem Landkreis Verden nicht. „Dann hat meine Kollegin angefangen zu recherchieren und über die Traueranzeigen im Internet festgestellt, dass der Tote, dessen Asche noch bei uns stand, längst beigesetzt worden war.“

Einäscherung erfolgt nach strengem Ablauf

Die Anlieferung der Verstorbenen, die Einäscherung und die Rückgabe der Grabgefäße an die Bestatter folgen laut Valk nach einem strengen Ablauf, um Verwechslungen auszuschließen. Bei der Anlieferung des Sargs versehen die Mitarbeiter diesen mit den Daten des Toten und dem Namen des Bestatters. Bei der digitalen Erfassung der Informationen erhält der Verstorbene auch eine Einäscherungsnummer, die dem sogenannten Sargzettel hinzugefügt wird.

Die wichtigste Beigabe ist jedoch ein Schamottstein, der die individuelle Einäscherungsnummer sowie den Namen der Feuerbestattungsanlage trägt. „Der Stein gehört zum Verstorbenen, um ihn zu identifizieren“, sagt Valk. Mit dem Sarg fährt der hitzebeständige Stein in den Ofen und wird nach der Verbrennung zusammen mit der Asche entnommen. „Eine Vermischung der Aschen verschiedener Toten ist nicht möglich, weil immer nur ein Sarg in die Einäscherungskammer des Ofens gestellt wird.“

Der Schamottstein wird anschließend mit den Überresten des Verstorbenen in die Aschekapsel gegeben und mit einem Deckel hermetisch verschlossen. Dieser wird mit einem Aluminiumetikett versehen, auf dem sich wiederum die Daten des Verstorbenen befinden. Dann kann der Bestatter die Urne abholen.

Schamottstein dient der Zuordnung

Im Fall der vertauschten Kapseln informierten Valk und seine Kollegen die Gemeinde Langwedel, denn dort sollte der eingeäscherte Tote bereits beerdigt worden sein. „Zwei Mitarbeiter der Gemeinde haben das Grab in Etelsen geöffnet und darin eine völlig andere Urne gefunden“, sagt Valk. Zwar hatte der beschuldigte Bestatter das Etikett an dem Gefäß entfernt, aber es sei ihm nicht gelungen, die verschlossene Kapsel zu öffnen. Über die Nummer auf dem Schamottstein konnten Valk und sein Team die Asche einem Achimer zuordnen, dessen Beisetzung ebenfalls bereist stattgefunden hatte – mit einer falschen Urne.

In 20 Berufsjahren sei ihm ein Fall mit solchem Ausmaß noch nicht untergekommen, sagt Valk. „In diesem Umfang hätte ich das auch nie für möglich gehalten.“

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