Stadt und Projektentwickler weisen Kritik zurück

Amazon-Logistikzentrum: „Vermeidbarer Baulärm, zu viel Lkw-Verkehr“

Der Bau des Logistikzentrums im Uesener Feld nimmt mehr und mehr Formen an. Die lärmintensiven Rammarbeiten stehen vor dem Ende.
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Der Bau des Logistikzentrums im Uesener Feld nimmt mehr und mehr Formen an. Die lärmintensiven Rammarbeiten stehen vor dem Ende.
  • Michael Mix
    vonMichael Mix
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Achim – „Wumm, wumm, wumm!“ Der seit Monaten von der Amazon-Baustelle im Uesener Feld ausgehende „ohrenbetäubende Lärm“ sei nur schwer auszuhalten, schimpft Dachdeckermeister Udo Wiedekamp. „Ich kann mich in meinem Büro im Gewerbepark kaum auf die Arbeit konzentrieren.“

Das Rammen der 250 Stahlträger für das dreigeschossige Logistikzentrum dauere nun auch schon zwei, drei Wochen länger als von Jan Dietrich Hempel, Chef des Projektentwicklers Garbe Industrial Real Estate, im Gespräch mit dieser Zeitung im Mai versprochen worden sei. Und vor allem wäre der anhaltende durchdringende Lärm vermeidbar gewesen, behauptet Wiedekamp. „Es gibt moderne geräuscharme und sogar geräuschlose Verfahren für Baugründungen.“ Der Handwerker nennt „Betonpfähle“, ohne das näher auszuführen.

Wiedekamp ist nicht nur auf Garbe und das mit dem Bau beauftragte Generalunternehmen Max Bögl sauer. „Mich ärgert, dass die Bürger mit Krach belästigt werden und die Stadt nichts unternimmt. Sie will Amazon wohl auf Biegen und Brechen hier haben.“ Der Stadt sei es „offenbar egal, wie es den Bürgern geht“.

Bernd Kettenburg weist Kritik an Amazon-Lärm zurück

Bernd Kettenburg, stellvertretender Leiter der Verwaltung, weist die Kritik zurück. „Die Stadt beziehungsweise die mit dem Projekt betraute Grundstücksgesellschaft EVG hat keine Möglichkeit, einer Firma die Bauausführung vorzuschreiben“, antwortete der Erste Stadtrat und EVG-Geschäftsführer am Dienstag auf Nachfrage. Natürlich müssten sich Unternehmen an das Baurecht halten, was im Aufgabenbereich des Landkreises liege. „Und für die Einhaltung von Lärmgrenzwerten ist das Gewerbeaufsichtsamt zuständig“, merkte Kettenburg an. Aber nach seiner Beobachtung seien inzwischen sämtliche Stahlpfähle auf der Baustelle in den Boden gerammt worden, sodass es nun im Umfeld des Uesener Felds deutlich ruhiger werden dürfte.

„Manchmal dauern einzelne Bauschritte länger als geplant“, sagte Garbe-Geschäftsführer Hempel auf Nachfrage. Von nennenswerten Verzögerungen beim Bau des E-Commerce-Centers wisse er jedoch nichts. Natürlich sei der von der Ramme ausgehende Schallpegel für die Anwohner oder in der Nähe arbeitende Menschen unangenehm. „Aber das ist ja nur für eine relativ kurze Zeit.“ Und aus Sicht von Hempel gibt es dazu auch keine Alternative. „Mir ist kein Verfahren bekannt, bei dem zu vertretbaren Kosten Lärm weitgehend oder gar ganz vermieden werden kann.“

Hans-Dieter Pöhls, der zusammen mit Thomas Wendt eine Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung von Amazon in Achim auf die Beine gestellt hatte, ist etwas anderes ein Dorn im Auge. Er befürchtet nach der Inbetriebnahme des Logistikzentrums in der Region eine Verkehrslawine, die über das erwartete Ausmaß noch deutlich hinausgeht. Nach Angaben von Garbe solle das E-Commerce-Center mit rund 2000 Beschäftigten nicht nur für die Lagerung von Waren genutzt werden, sondern auch für die „Distribution von Onlinebestellungen an Endverbraucher“. Vom Uesener Feld aus Kunden direkt, ohne Umweg über ein sogenanntes Verteilzentrum, zu beliefern, sei neu „und so nicht genehmigt worden“, bemängelt Pöhls.

Grüne Licht für Amazon basiert auf Verkehrsstudie aus Hannover

Das grüne Licht für Amazon in Achim basiere auf einer Verkehrsstudie des Büros PGT in Hannover, der eine bestimmte Anzahl von Lkw-Fahrten zugrunde liege. „Würden Sprinter Pakete vom Logistikzentrum aus direkt vor Ort ausliefern, würde das eine Verkehrszunahme im heimischen Raum bedeuten“, sagt Pöhls.

Entscheidend sei die Gesamtmenge der Transporter, die der Onlinehändler von Achim aus auf die Straße bringe, entgegnet Vize-Verwaltungschef Kettenburg. Die müsse sich selbstverständlich im Rahmen der Zahlen der Verkehrsstudie bewegen. „Meines Wissens nach wird von hier aus nicht an Endverbraucher ausgeliefert“, fügt Kettenburg hinzu.

Jan Dietrich Hempel will und darf sich nicht zum Geschäftsmodell des Auftraggebers äußern. Die Formel „Distribution von Onlinebestellungen an Endverbraucher“ lässt seiner Ansicht nach nicht den Schluss zu, dass von Achim aus direkt ausgeliefert werde. „Damit kann sehr wohl der Umweg über ein Verteilzentrum, etwa in Bremen, gemeint sein.

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