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Verein Lost & Found Animals in Achim bittet zum Gespräch

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Von: Dennis Bartz

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Beim Ferienspaß der Stadt Achim informiert Vorsitzende Sabine Puvogel vom Verein Lost & Found Animals unter anderem über die artgerechte Haltung von Kaninchen.
Beim Ferienspaß der Stadt Achim informiert Vorsitzende Sabine Puvogel vom Verein Lost & Found Animals unter anderem über die artgerechte Haltung von Kaninchen. © Bartz

Achim – Wer einen herumstreunenden Hund sieht oder eine verletzte Katze entdeckt, hofft auf schnelle Hilfe durch Experten, die diese Tiere einfangen und versorgen. Doch besonders in den Abend- und Nachtstunden sowie an den Wochenenden klappt das nicht immer, kritisiert Sabine Puvogel, Vorsitzende des Vereins Lost & Found Animals in Achim. „Viele Menschen sind unsicher, wie sie sich in einer solchen Situation verhalten müssen und an wen sie sich wenden können. Von Kommune zu Kommune ist das zum Teil sehr unterschiedlich geregelt“, so Puvogel weiter.

Häufig bekämen Anrufer den Hinweis, sie sollten das Tier über Nacht selbst aufnehmen. „Aber das ist oft gar nicht möglich, zum Beispiel wegen einer Allergie oder weil es bereits andere Hunde oder Katzen im Haushalt gibt. Außerdem lassen sich die verängstigten Tiere ohne Fachkenntnisse und Hilfsmittel wie eine Transportbox und eine zweite Person meist nicht einfangen. Vor allem Katzen können ganz schön giftig werden“, weiß Puvogel aus Erfahrung.

Um einheitliche und verlässliche Lösungen zu finden, möchte sie die Vertreter von allen Vereinen, die sich dem Tierschutz verschrieben haben, und der Kommunen im Landkreis Verden an einen Tisch holen. „Bisher klappt die Kommunikation noch nicht immer so wie erhofft. Es wird Zeit, dass sich das ändert“, fordert Puvogel.

Rechtlich sei jede Kommune selbst für die Unterbringung und Versorgung von Fundtieren verantwortlich. „In der Praxis ist es aber so, dass sie die Verantwortung abgeben. Sie haben deshalb einen Fundtiervertrag mit dem Tierheim in Verden, das jedoch zeitweise überfüllt ist und dann keine Katzen mehr aufnehmen kann“, berichtet Puvogel.

Dass nicht alle Gemeinden eine entsprechende Kastrationsverordnung für Katzen haben, vergrößere das Problem. Allein 75 wild lebende Katzen hat der Verein Lost & Found Animals im vergangenen Jahr kastrieren lassen. „Anders als das Tierheim in Verden, das einen großen Teil der Kosten erstattet bekommt, tragen wir sie selbst“, erklärt Sabine Puvogel, die nach eigenen Angaben etwa 90 Prozent der Ausgaben aus eigener Tasche finanziert.

Und das läppert sich: Etwa 100 Euro kostet die Kastration eines Katers, 150 Euro die einer Katze. Um das weiterhin leisten zu können, hofft Sabine Puvogel auf Spenden und sucht neue Mitglieder, die den Verein unterstützen möchten. Erwachsene zahlen 60 Euro, Schüler ermäßigt 30 Euro pro Jahr.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins ist die Tiertafel. „Wir unterstützen Menschen, die sich die Versorgung ihres Tieres ohne finanzielle Hilfe nicht mehr leisten können, wenn sie Ihre Bedürftigkeit mit einem amtlichen Bescheid nachweisen können.“ Drei Ausgabestellen betreibt der Verein, nach Absprache an der Straße Zum Achimer Bahnhof 29 in Achim, außerdem aus dem Tiertafelmobil am vorletzten Freitag im Monat in Ottersberg und am letzten Freitag des Monats in Dörverden.

„Wir haben es in diesem Jahr bereits sieben Tiertafelnutzern ermöglicht, ihre Katze kastrieren zu lassen – sie zahlen dabei anteilig nur 50 Euro der Kosten. Die Tiere wurden zusätzlich gechippt, registriert und gegen Parasiten behandelt“, ergänzt Puvogel.

Platzmangel im Tierheim dürfe kein Grund dafür sein, dass frei lebende Katzen nicht kastriert werden. „Sie vermehren sich dann unkontrolliert. Im gesamten System muss sich grundlegend etwas ändern. Wir haben dazu ein Konzept entwickelt, das wir bald vorstellen werden“, kündigt Sabine Puvogel an, die sich für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht auch für Hauskatzen ausspricht.

Würden Katzen frühzeitig kastriert, verringere das die Folgekosten für Kommunen genauso wie für das Tierheim. Der Verein Lost & Found Animals bietet seine Unterstützung an: „Wir haben zwei freie Räume, in denen jeweils bis zu zehn Katzen von einer Futterstelle untergebracht werden können.“

Um weitere ehrenamtliche Helfer, Mitglieder und Spender zu finden, plant der Verein verschiedene Aktionen. So beteiligt er sich zum ersten Mal am Ferienprogramm der Stadt Achim. „Wir ermöglichen es Kindern, Katzen besser zu verstehen und artgerecht zu beschäftigen, weitere Schwerpunkte sind Kaninchen, Meerschweinchen sowie Schlangen und Agame. Außerdem gestalten die Kinder unser neues grünes Klassenzimmer“, so Puvogel.

Die Aktion soll der Startschuss werden für die Umweltschule, für die der Verein eng mit Kindergärten und Schulen kooperieren will. „Wir werden Natur- und Umweltthemen altersgerecht aufarbeiten“, so Sabine Puvogel. Nach den Sommerferien soll es losgehen.

Ab August sollen alle Interessierten das Grüne Zimmer an der Dessauer Straße 5 in Achim nutzen können. Eine Gruppe Kinder soll sich dort jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr treffen. „Es geht darum, Natur gemeinsam zu gestalten und zu pflegen“, lädt Sabine Puvogel ein.

Zusätzlich war der Verein mit einem Infostand beim Achimer Stadtfest vertreten und wird sich auch beim Kinderstadtfest am Donnerstag, 18. August, von 11 bis 18 Uhr, präsentieren.

Um die Situation für Fundtiere langfristig zu verbessern, möchte der Verein in Zukunft ehrenamtliche Fundtierscouts einsetzen, die vorab geschult werden. Die Scouts sollen mit einem Chiplesegerät ausgestattet werden, damit sie ermitteln können, ob es sich tatsächlich um eine wild lebende Katze handelt. „Es kommt nämlich immer wieder vor, dass auch Freigänger eingefangen werden“, weiß Sabine Puvogel.

Weitere Infos

Die Kontakt- und Spendendaten des Vereins sowie Aktuelles zur Arbeit und zu den Projekten finden Interessierte auf der Internetseite www.lost-and-found-animals.de.

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