Anrufe Angeklagtem nicht nachzuweisen

Verbotener Kontakt zur Ex-Freundin?

Achim - Von Manfred Brodt. Ein 23-jähriger Achimer hatte schon seinen Prozess und sein Urteil gehabt wegen einer gewaltsamen Auseinandersetzung im August 2014 mit seiner verflossenen Freundin. Aufgrund des Gewaltschutzparagrafen war ihm auch der Kontakt zu seiner ehemaligen Lebenspartnerin untersagt worden. Doch nun im März soll er kurz vor Ablauf dieser Kontaktsperre sie mit Anrufen, SMS und Botschaften über Whatsapp belästigt haben, wie die Achimerin ausgesagt und angezeigt hatte. Sie hatte allerdings nur die fremden Nummern gesehen, gleich ihm zugeordnet, nicht die Gespräche begonnen und auch die Texte erst gar nicht gelesen.

Vor dem Achimer Amtsgericht ließen Amtsrichter Matthias Hahn und Verteidiger Torben Müller aber erst einmal durch viele bohrende Fragen und Nachfragen das Geschehen mit Körperverletzung Revue passieren lassen, das doch schon durch den vorherigen Prozess juristisch abgearbeitet war.

Wie war das Verhältnis damals? Wie kam er in die Wohnung? Hat er das Messer in der Küche oder im Flur an den Hals gesetzt? Mit der Klinge zum Hals oder von ihm weg? Wie fühlte sich das Drücken am Hals an, wie lange dauerte es? So und ähnlich lauteten die Fragen. Die junge Frau behielt nur mit Mühe ihre Nerven.

„Das gleiche Spiel hatten wird doch schon einmal“, sagte sie zu dem Verteidiger, jetzt schon zum zweiten Mal ihr Gegner in einem Prozess. „Ich will mich nicht mehr damit auseinandersetzen“, bat sie lange vergeblich um Verständnis. Die Fragen hatten schon im vorherigen Prozess Widersprüche zu ihren Aussagen im Polizeiprotokoll ergeben, das sie jedoch für fehlerhaft hält.

Richter Matthias Hahn versicherte ihr schließlich, dass er ihr glaube, und stellte dann fest, dass es in diesem Prozess ja nicht um die Vorgeschichte, sondern nur um die verbotene Kontaktaufnahme gehe.

Die bei den Anrufen und Textbotschaften festgestellten Telefonnummern waren alle Mobiltelefonen zugeordnet, die auf den Namen der angerufenen und so belästigten Zeugin zugelassen waren. Wer auf ihren Namen diese Handys gekauft hat, konnten Polizei und Staatsanwaltschaft bis zum Prozess nicht feststellen und werden sie auch nicht mehr feststellen, da kein gesteigertes öffentliches Interesse daran bestehe.

Das Verfahren gegen den Angeklagten wurde deshalb mangels Beweisen auf Kosten der Landeskasse eingestellt, und der Amtsrichter meinte, das Wichtigste für die junge Frau sei jetzt doch auch, dass sie Ruhe habe.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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