Vater muss nun doch ins Gefängnis / Landgericht hebt Achimer Urteil mit Bewährung auf

Den Sohn mit Stock brutal verprügelt

Landkreis - Weil er mit einem etwa 90 Zentimeter langen Stock mindestens 27 mal auf seinen elf Jahre alten Sohn eingeprügelt hat, muss ein 38 Jahre alter Angeklagter ins Gefängnis. Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Achim hatte den Mann wegen Misshandlung Schutzbefohlener zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Auf die Berufung der Staatsanwaltschaft Verden wurde das Strafmaß nun vom Landgericht Verden auf eineinhalb Jahre ohne Bewährung abgeändert.

Die Tat hatte sich im Juni 2014 im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Achim ereignet (aus Rücksicht auf die Kinder werden hier keine weitere Angaben zu der Familie und ihrem Wohnort gemacht). Der Vater hatte damals von Fehlverhalten seines Sohnes erfahren. Als der Junge nach Hause kam, ging der Vater mit ihm in einen Wald.

Der Elfjährige habe alles geleugnet, woraufhin der 38-Jährige sich einen Stock griff. Als der Junge sich nach wenigen Schlägen von seinem Vater losriss, setzte es richtig Prügel. Zwei Reiter hörten die Schreie des Kindes und, weil sie Vater und Sohn zuvor begegnet waren, ahnten sie, wer dort schreit und griffen sofort ein.

Das Tatgeschehen musste nicht noch einmal vom Landgericht geklärt werden, da die Staatsanwaltschaft die Berufung auf das Strafmaß, beschränkt hatte. Der Angeklagte bestätigte noch einmal, dass sich alles so zugetragen hatte, was er ehrlich zu bedauern schien.

Nach dem Vorfall war er freiwillig bei der Familie ausgezogen. Es wurde ein Familienhelfer eingeschaltet und mittlerweile die Familie wieder zusammengeführt. Dies soll auch der Wunsch des Elfjährigen gewesen sein. Die Bewährungshelferin des Mannes und eine Rechtsanwältin berichteten von einem unbeschwert wirkenden Vater-Sohn-Verhältnis.

Anhaltspunkte für weitere Misshandlungen sah das Achimer Jugendschöffengericht nicht, es gehe von einem „wiederholten Einzelfall“ aus, was sich auf eine einschlägige Vorstrafe bezog. Im Jahr 2009 hatte der 38-Jährige einen weiteren Sohn mit einem Scart-Kabel verprügelt. Dies wurde mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe geahndet. Weil er bei der Tat im Juni 2014 unter laufender Bewährung stand, droht nun ein Bewährungswiderruf.

Das Achimer Amtsgericht war der Auffassung, dass den Kindern mehr geholfen ist, wenn dem Vater mit den Bewährungsauflagen unter anderem eine Verhaltenstherapie auferlegt wird. Diese sei sicher erforderlich, aber eine Haftstrafe sei dennoch zu verhängen, waren sich Oberstaatsanwalt Thomas Löding und die Kammer des Landgerichts dazu im Gegensatz einig. Strafmildernde Aspekte, wie eine Gewalterfahrung des Angeklagten im Kindes-alter wurden berücksichtigt.

Das Landgericht kritisierte aber genauso deutlich wie der Staatsanwalt die Ansicht des Amtsgerichts, dass die Tat ohne Folgen für den Jungen geblieben sei. „Es ist nicht damit getan, dass äußere Verletzungen verheilen. Die psychischen Verletzungen werden anhalten und kommen oft erst im Erwachsenenalter wieder hoch“, betonte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe.

wb

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