Uphuser verstecken sich voller Angst in Kellern / Den Weg nach Bremen freigekämpft

Minen jagen Britenpanzer in die Luft

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Englische Panzer überschreiten in Uphusen die Landesgrenze nach Bremen.

Uphusen - Von Rainer Pöttker. Unmittelbar vor der Dorf- und Landesgrenze in Richtung Bremen, sozusagen vor dem „letzten Uphuser Haus kam es am 23. April 1945 zu einem sehr gefährlichen und blutigen Zwischenfall:

Zurückweichende deutsche Soldaten rissen die Straße auf und vergruben in einem Holzkasten eine Panzermine. Als der englische Vorstoß etwa die Dorfmitte bei Haberkamps Hotel erreicht hatte und dort mehrere alte Fachwerkhäuser mit Stroheindeckung in Brand geschossen hatte, machten die deutschen Wehrmachtsangehörigen den elektrischen Zünder der Mine scharf. Dazu verlegten sie eine Leitung in den Garten des ehemaligen Uphuser Polizeipostens direkt neben der Uphuser Filiale der Achimer Kreissparkasse. Die Soldaten informierten die Anwohner und erwähnten nebenbei, dass man die Mine unscharf machen könnte, wenn jemand mit einem Spaten die Kabelverbindung durchtrennen würde. Wer aber brachte in dieser Zeit und äußerst angespannten Lage den Mut auf, diesen Sabotageakt, welcher bei Entdeckung garantiert tödlich vor einem Standgericht geendet hätte, durchzuführen? Es konnte niemand sagen, wieweit der englische Vorstoß gehen würde und wie sich die Verteidigungsmaßnahmen im Dorfe auswirkten. Mit etwas Sarkasmus meinte ein älterer Anwohner daraufhin: „Nee - ik mok dat nich, we wölt dorum doch nich den Krieg verleern.“

Die Mine steckte also scharfgemacht mit ihrem todbringenden Inhalt und gut getarnt in der Straßenmitte unter dem Kopfsteinpflaster.

Gegen 10 Uhr morgens erreichte der erste englische Panzer den Ortsrand an der Landesgrenze und fuhr auf die scharfe Mine. Es folgte ein ohrenbetäubender Knall. Der tonnenschwere Panzer flog hoch in die Luft, drehte sich im Fallen auf die Seite und blieb mit dem Laufwerk nach oben in Ottens Garten liegen. Die Panzerbesatzung (drei oder vier Soldaten) war sofort tot und wurde auf Ottens Diele aufgebahrt. Eine weitere Panzermine war einige hundert Meter weiter auf Mahndorfer Gebiet eingebuddelt worden und zerstörte bei der Überfahrt den zweiten Panzer.

Die Uphuser Bevölkerung versteckte sich angsterfüllt weiter in ihren Schutzräumen und wagte sich nach den beiden schweren Detonationen für längere Zeit nicht auf die Straße.

Aber auch die vorrückenden englischen Truppen waren durch die schlimmen Ereignisse in Uphusen äußerst vorsichtig und nervös geworden, und die Gewehre saßen locker. Sie durchsuchten am Nachmittag die Häuser nach versteckten deutschen Soldaten, konnten aber niemanden gefangen nehmen. Der Rest der zurückweichenden deutschen Einheiten flüchtete ins nahe gelegene Königsmoor oder versuchte, sich in die Hansestadt abzusetzen.

Ein älterer Uphuser kam allerdings in eine unangenehme Situation, als ihn ein englischer Soldat wegen der Volkssturmstiefel für einen deutschen Soldaten hielt und die Waffe bedrohlich auf ihn richtete. Da eine Mitbewohnerin aufgrund ihrer Englischkenntnisse die Situation schnell aufklären konnte, blieb der Mann vor dem Schlimmsten bewahrt.

Durch die Minenexplosionen wurden die anliegenden Häuser von den Druckwellen stark in Mitleidenschaft gezogen. Bei einigen naheliegenden Häusern flog die gesamte Dacheindeckung weg und Fensterscheiben zersplitterten noch in einem Umkreis von mehr als hundert Metern.

Der Weg nach Bremen aus östlicher Stoßrichtung war am 24. April für die britischen Kampfverbände freigeschossen. Die weitgehend zerstörte Hansestadt Bremen kapitulierte am 27. April 1945 um 18 Uhr. Allerdings sollte noch in Orten des heutigen Ottersberg weitergekämpft werden, in Fischerhude sogar noch bis zum 29. April.

Nach dem Einmarsch der englischen Truppen war Uphusen englische Besatzungszone, und Mahndorf gehörte auf bremischen Gebiet zur amerikanischen Enklave.

Bei der jetzigen Sparkasse stand ein kleines Kontrollhäuschen mit einem englischen und einem amerikanischen Soldaten, Sie waren mit einem Gewehr bewaffnet. Da es in Uphusen keinen Bäcker und Schlachter mehr gab, mussten die Uphuser zum Einkaufen eine Zeit lang nach Mahndorf über die bewachte Grenze.

In der nächsten Folge:

Zeitzeugen berichten von besonderen Erlebnissen in der Region Achim.

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